Wetterextreme: Was kommt auf uns zu? Premium

Spätfrost, Hitze, Starkregen und orkanartige Böen – Wetterextreme vernichten immer öfter ganze Ernten. Einige Regionen werden davon stärker und öfter betroffen sein als andere. Wir sagen Ihnen, auf was Sie sich einstellen müssen und wie Sie sich schützen können..

Spätfrost, Hitze, Starkregen und orkanartige Böen – Wetterextreme vernichten immer öfter ganze Ernten. Einige Regionen werden davon stärker und öfter betroffen sein als andere. Wir sagen Ihnen, auf was Sie sich einstellen müssen und wie Sie sich schützen können..

Das war das Jahr 2017: Wolfgang Janssen, Cathleen Frühauf und Thomas Junghänel vom Deutschen Wetterdienst geben einen Überblick über die Wettersituationen im Jahr 2017.

Limitierende Wettersituationen für die Landwirtschaft im Jahr 2017
Wolfgang Janssen, Cathleen Frühauf, Thomas Junghänel, Deutscher Wetterdienst

Dem Normalbürger bleibt vom Jahr 2017 sicherlich in Erinnerung, dass der Sommer in weiten Teilen Deutschlands recht verregnet war. Die Landwirte haben allerdings ein differenziertes Bild und ein andere Wahrnehmung, da ihr finanzieller Erlös auch vom Wetter mitbestimmt wird und somit ungünstige Witterungsabschnitte besonders gut in Erinnerung bleiben.

Spätfröste

Nach einem unproblematischen Winter mit etwas zu kalten Temperaturen im Januar wurde es Mitte Februar und besonders der März überdurchschnittlich warm. Der bisher wärmste in Deutschland registrierte März war 3,7 °C wärmer als das langjährige Mittel und beschleunigte die Pflanzenentwicklung so dass die Obstblüte im Mittel 12 Tage früher einsetzte. Ab dem 20. April setzte sich eine ungewöhnlich kalte Witterung durch, die verbreitet zu Frostschäden bei den bereits blühenden Obstkulturen führte.

Um dieses Ereignis in Bezug zu vergangenen Jahren zu bewerten wurde eine spezielle Analyse mit Hilfe phänologischer Daten und den Temperaturwerten von 188 Stationen durchgeführt, die eine vollständige Datenreihe ab 1961 haben und unter 800 Höhenmeter liegen. Die phänologischen Daten wurden dazu genutzt ein Zeitfenster zu definieren, an dem die Obstbäume blühen. Als Starttermin wurde der Blühbeginn der Süßkirsche und als Endtermin das Blühende der Apfelblüte ausgewählt. Im Mittel über alle Jahre ergibt sich eine durchschnittliche Zeitspanne von 28 Tagen die jährlich zwischen 19 Tagen im Jahre 1986 bis zu 40 Tagen im Jahre 2017 variieren kann und in jedem Jahr zu unterschiedlichen Zeiten anfängt. Eine Frostgefährdung lag per Definition vor, wenn zum Beginn des Zeitraums -5 °C und zum Ende 0 °C in 2 m Höhe unterschritten wurden. Durch den variablen Schwellenwert wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass die Blüten mit der Blühdauer immer empfindlicher werden. Das Ergebnis dieser Auswertung ist in Abbildung 1 dargestellt und zeigt sehr schön, dass das Jahr 2017 seit 1961 das größte Gefährdungspotential aufwies. Sowohl die Anzahl der Stationen als auch die Anzahl aller Tage mit Frostgefährdung an diesen Stationen war im Jahr 2017 am höchsten.

Betrachtet man die Einzeljahre im Detail, so fällt zum einen auf, dass Jahre wie 1996, 2006 oder 2013 mit späterem Blühbeginn lediglich eine geringe Frostgefährdung aufweisen. Der Umkehrschluss, dass die Jahre mit sehr frühem Blühbeginn wie 2002, 2014 oder 2017 immer das höchste Gefährdungspotential aufweisen, lässt sich allerdings nicht direkt bestätigen, da es nicht in jedem Jahr zu einem Frostereignis kommen muss. Ab dem Jahre 1989 ist ein markanter Sprung zu früheren Terminen bei den phänologischen Frühjahrsphasen zu beobachten und vier der fünf Jahre mit höchstem Gefährdungspotential wurden nach 1989 beobachtet, was zusammen mit einem steigenden Trend in den Kurven von Abbildung 1 den Schluss nahelegt, dass das Risiko für Spätfröste zugenommen hat.

Abb.1: zeigt das jährliche Frostgefährdungspotential seit 1961 für ein Zeitfenster Beginn der Süßkirschenblüte bis zum Ende der Apfelblüte. Es werden einmal die Anzahl der Stationen ausgegeben, an denen eine Gefährdung vorlag (blaue Kurve) und zum anderen alle Tage an den betroffenen Stationen mit Frostgefährdung aufsummiert (rote Kurve).

Um eine räumliche Vorstellung zu bekommen, wo das Gefährdungspotential in diesem Jahr am höchsten war, wurde mit den gleichen Kriterien aber allen 498 in diesem Jahr zur Verfügung stehenden Stationen die gleiche Auswertung durchgeführt und die Anzahl der Tage mit Frostgefährdung an jeder Station räumlich in Abbildung 2 dargestellt. Bis auf Schleswig Holstein, Mecklenburg Vorpommern und Thüringen war fast jedes Bundesland mehr oder weniger stark vom Spätfrost betroffen. Die Auswertung wurde mit den Stationen des Deutschen Wetterdienstes durchgeführt, die aufgrund ihrer Lage eher das Umfeld repräsentieren sollen und in der Regel nicht in exponierten Lagen aufgestellt sind. Somit ist nicht auszuschließen, dass lokal noch ungünstigere Bedingungen als dargestellt aufgetreten sind.
  
Abb. 2: Anzahl der Tage mit Frostgefährdung im Jahr 2017 in dem Zeitfenster Beginn der Süßkirschenblüte bis zum Ende der Apfelblüte.

Um die zukünftige Entwicklung abschätzen zu können, wurde im Rahmen einer Studie für das Landwirtschaftsministerium (Gömann et al., 2015) die durch den Klimawandel zu erwartenden Veränderungen bei den agrarrelevanten Extremwetterlagen untersucht. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, dass die Daten der Klimaprojektionen nur als Mittel über min. 10 Jahre (besser über 30 Jahre) betrachtet werden müssen. Aussagen nur für das Jahr 2027 sind deshalb nicht möglich. Um Änderungstendenzen zu erkennen, wurden die vorliegenden Auswertungen der Klimaprojektionen für zwei zusätzliche Zeiträume (2012-2022 und 2022-2032) näher untersucht. Diese geben die mittleren Zustände für die Jahre 2017 und 2027 (jeweils ± 5 Jahre) wieder. Tabelle 1 zeigt an wie vielen Tagen die Schwellenwerte (Tmin < 0°C, <-2°C und <-4°C) im Zeitraum April bis Mai (Obstblüte) unterschritten werden.


Tab. 1: Anzahl der Tage für den Zeitraum 1.4.-31.5. an denen die Minimumtemperatur in 2m Höhe 0°C, -2°C und -4°C unterschreitet, Deutschlandmittel für Vergangenheit (30-Jahreszeitraum) und Zukunft (11-Jahreszeitraum)

1961-1990

1971-2000

1981-2010

2012-2022

2022-2032

Tmin < 0°C

5,45

5,49

4,91

3,95

3,81

Tmin < -2°C

1,59

1,67

1,63

0,96

0,99

Tmin < -4°C

0,33

0,37

0,42

0,16

0,18


 
Im Mittel geht die Anzahl der Spätfrost-Ereignissen im betrachteten Zeitraum durch den Klimawandel zurück, wobei für die Vergangenheit auch eine zwischenzeitliche Zunahme zu beobachten war. Für die hier besonders interessanten Zeiträume 2012-2022 und 2022-2032 sind nur...

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