Steuern: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben Premium

Sonderabschreibungen, Investitionsabzugsbetrag, 6b-Rücklage – Sie haben einige Möglichkeiten, um Ihre Steuerlast zu senken. Doch was taugen diese Instrumente? Wie wirken sich diese auf Ihre Liquidität aus? Wir haben nachgerechnet.

Steuern sparen – das klingt erst einmal gut. Was die wenigsten dabei bedenken: Wer sich für eines der vielen Sparmodelle in der Landwirtschaft entscheidet, kann zwar davon zunächst profitieren, muss aber möglicherweise Jahre später mit Nachzahlungen rechnen.

Um herauszufinden, ob Sie tatsächlich Steuern sparen, reicht es daher nicht aus, nur das Jahr im Blick zu haben, in dem der Vorteil greift. Erst eine Langzeitbetrachtung bringt Licht ins Dunkel. Anhand von Beispielen haben wir die Folgen für drei typische Modelle in der Landwirtschaft simuliert: der Investitionsabzugsbetrag, die Sonderabschreibung und die 6b-Rücklage. Dabei sind wir so vorgegangen:

  • Unsere Kalkulationen berücksichtigen immer mehrere Jahre. Sie enden zu dem Zeitpunkt, wo der Einfluss des Steuermodelles nicht mehr greift.
  • Die Steuerlast der einzelnen Wirtschaftsjahre haben wir addiert und mit der Summe verglichen, die ohne das jeweilige Modell angefallen wäre.
  • Wir haben von Jahr zu Jahr schwankende Gewinne für den Beispielbetrieb unterstellt, was der Realität am nächsten kommt.
  • Grundlage für die Berechnungen ist der Splittingtarif 2018.
  • Wir haben nur landwirtschaftliche Einkünfte berücksichtigt.

Sonderabschreibung bringt’s

Heinrich Müller (Name geändert) hat in den vergangenen Wirtschaftsjahren trotz der mäßigen Schweinepreise immer schwarze Zahlen geschrieben. Sein Steuerberater rät ihm: „Kauf mal wieder eine Maschine. Sonst musst Du Steuern zahlen.“

Müller schafft sich daher im Wirtschaftsjahr 2018/2019 einen neuen Schlepper für rund 119000 € an (brutto). In seine Bilanz nimmt er die Maschine ohne die Mehrwertsteuer von 19% auf (100000 €). Normalerweise würde er diesen Buchwert über zehn Jahre abschreiben (10000 €/Jahr). Mit der Sonderabschreibung kann er aber zusätzlich zur regulären Abschreibung bis zu 20% des Buchwertes im Jahr der Anschaffung oder den vier Folgejahren ansetzen. Insgesamt darf Müller in den ersten fünf Jahren somit nicht nur 50000 €, sondern 70000 € abschreiben (20000 € zusätzlich).

Das bleibt nicht ohne Folgen: Nach fünf Jahren hat der Schlepper einen Buchwert von 30000 €. In der letzten Hälfte des Abschreibungszeitraumes kann Müller daher nur noch 6000 € pro Jahr abschreiben (30000 €/5 Jahre). Hätte er auf die Sonderabschreibung verzichtet, wären es 10000 €/Jahr. Müller muss daher in der zweiten Hälfte des Abschreibungszeitraumes mit einer höheren Steuerlast rechnen, weil er weniger abschreiben kann. Die Finanzverwaltung holt sich die am Anfang weniger gezahlten Steuern in den späteren Jahren fast komplett zurück.

Inwieweit die höhere Steuerlast in den letzten Jahren des Abschreibungszeitraumes die Ersparnis wieder vernichtet, hängt von der Höhe des Einkommens ab. Denn die ersten Euro versteuert der Staat nicht so stark wie die letzten. Experten sprechen von steigenden Grenzsteuersätzen....

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