Wie Maschinenringe Senegals Bauern helfen

Aufbruchstimmung in der Landwirtschaft Senegals. Die Bauern dort investieren gemeinsam in Landtechnik. Der Bundesverband der Maschinenringe unterstützt die afrikanischen Praktiker.

Das westlichste Land Afrikas gilt als Hoffnungsträger der Region. Auch wenn alte ethnische Konflikte schwelen, der Senegal gilt als stabil. Die Landwirtschaft vor Ort dient den meisten Menschen bisher nur zur Selbstversorgung. Das soll sich nun ändern.

Die Luft steht in dem weiten Lehmbau, der zu allen Seiten geschlossen ist. Obwohl draußen tiefhängende Wolken von der Regenzeit zeugen, steigt die Temperatur auf bis zu 40°C. Unter dem rostfreien silbernen Wellblech sammeln sich zwei Dutzend Bauern. Zwischen ihnen stehen drei tief gelbe Schäl- und Dreschmaschinen, die jeweils drei Schächte besitzen. Die Maschinen sind neu, ebenso wie die Halle, in der sie stehen. Sie erleichtern nicht nur die Arbeit der Landwirte hier, sie bringen auch Hoffnung. Und die kommt aus Deutschland.

Hilfe aus Deutschland

Zwei Wochen zuvor, ein heller Besprechungsraum im Haus der Maschinenringe im bayerischen Neuburg an der Donau. Dort sitzen über drei Tische verteilt Lena-Maria Ruß, Maria Maidl und Bernhard Empl. Alle drei arbeiten für den Bundesverband der Maschinenringe. Sie planen und besprechen die letzten Vorbereitungen. Zum Zeitpunkt der Reise, es ist September 2020, gilt Senegal wie fast die ganze Welt als Corona-Risikogebiet. Das Land selbst hat seine Grenzen geschlossen. Rein darf nur, wer Staatsbürger oder vor Ort engagiert ist. Beim Bundesverband der Maschinenringe ist das seit Anfang 2018 der Fall.

„Wir haben Ende 2017 den Projektzuschlag bekommen“, erklärt Lena-Maria Ruß, „seitdem sind drei Maschinenringe mit über 2500 Mitgliedern entstanden.“ Die Maschinenringe im nördlichen Thiès und im südlichen Kolda hat sie bereits 2019 besuchen können. Westlich davon hat sich in Ziguinchor ein dritter ganz neu gegründet. „Die Pandemie hat auch uns ein wenig gebremst“, sagt sie ehrlich. Vor Ort galt eine strenge Ausgangsperre. Das betraf vor allem Jean Bosco Mbom, den Mitarbeiter vor Ort. Der 58-Jährige hat nicht nur einen Doktorgrad in Agrarwissenschaften, er verfügt auch über jahrelange Erfahrungen in der afrikanischen Entwicklungszusammenarbeit.

Mittlerweile sind nicht nur die ersten Kleingeräte bei den lokalen Maschinenringen, auch die erste Landtechnik ist in den Dörfern angekommen. „Als ich das erste Mal im Senegal war“, sagt Bernhard Empl, „gab es fast keine Technik. Höchstens Hacken oder Pflüge in desolatem Zustand.“ Ohne die entsprechende Technik lässt sich die Idee der Maschinenringe jedoch nicht umsetzen. Ein Förderantrag beim Bayerischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten wurde schließlich genehmigt. Das Gesamtbudget stammt aus den Töpfen der Entwicklungsorganisation sequa, der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit und dem Ministerium für Entwicklung und Zusammenarbeit. „Mit dem Budget haben wir Kleingeräte wie Pflüge, Hackgeräte oder einreihige Sämaschinen gekauft.“

Diese Geräte kommen nicht aus Europa, sondern werden in einer Schmiede in Kolda hergestellt. Als Nächstes kamen Dresch-, Schäl- und Entkörnungsmaschinen. Die werden ebenfalls vor Ort, in kleinen Firmen, mit zehn oder zwanzig Angestellten, produziert. Lediglich die Dieselmotoren stammen aus dem Ausland. „Diese Technik sind die Grundlage für unsere Vision. Sie sind ein Geschenk, welches sich letztlich aber finanziell selbst tragen muss.“ Die Bauern vor Ort müssen mit den Geräten nicht nur laufende Kosten wie Kraftstoff oder Reparaturen erwirtschaften, „es sollen auch Rücklagen für künftige Investitionen gebildet werden“, fasst Bernhard Empl den Projektplan zusammen.

Dresch- und Schälmaschinen

Zurück in die drückend heiße Halle aus Lehm im Süden des Senegal. Die Luft wird nicht besser, als jemand eine der Schäl- und Dreschmaschinen anschmeißt. Bernhard Empl erklärt, dass diese simple Maschine den Menschen...