Wie viel Spielraum bietet Ihre Fruchtfolge?

Fruchtfolge im Fokus

Setzen Sie auch voll auf Raps, Weizen und MaisVorsicht: Nicht alles, was sich auf den ersten Blick rechnet, geht langfristig gut. Wo die Grenzen liegen, erklärt Dr. Ulrich Lehrke, LWK Niedersachsen.

Derzeit lohnt es sich, möglichst viel Raps, Weizen und Mais in die Fruchtfolge einzubauen. Das hat jedoch erhebliche pflanzenbauliche Konsequenzen und muss deshalb sorgfältig überlegt werden.

Raps passt doch zu Rüben!

Die derzeitige Preisrelation spricht dafür, mehr Raps zu Lasten von Getreide anzubauen (siehe Beiträge auf Seite 20 und 24). Darüberhinaus hat er als Blattfrucht noch weitere Vorteile: Höhere Getreideerträge nach Raps und Pflugverzicht zu und nach Raps ohne Ertragsnachteile möglich.

Nicht zuletzt deshalb haben viele Betriebe den Anbauumfang in den klassischen dreijährigen Raps-Fruchtfolgen ausgereizt. Bei noch engerer Fruchtfolge drohen hohe Ertragsverluste wegen der Zunahme an Krankheiten. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass selbst in dreijährigen Anbaufolgen der Ertrag sehr schnell sinken kann.

In den engen Raps/Weizen-Folgen wird sich kurzfristig ein starker Pilzdruck – vor allem durch Verticillium – aufbauen. Dieser lässt sich momentan nur durch das Einhalten möglichst weiter Fruchtfolgen begrenzen. Es gibt zwar erste Hinweise auf Sortenunterschiede. Diese ließen sich aber bislang kaum belegen. Auch der Befallsdruck durch andere Pilzkrankheiten wie Phoma und Sclerotinia steigt bei zu engen Anbaufolgen sehr stark an. In den Jahren 2002, 2004 und 2007 sind aufgrund eines starken Pilzbefalls hohe Ertragsverluste eingetreten. Auch die Zunahme von Ausfallraps erschwert die Bestandesführung durch unkontrollierbares Auflaufen.

Dagegen lässt sich in den klassischen Rübenanbaugebieten der Rapsanbau noch durch Einbauen des Rapses in die Rübenfruchtfolge ausdehnen. Hier konkurriert der Raps jedoch mit den Industrierüben. Vierjährige Fruchtfolgen mit Rüben und Raps sind getrennten, dreijährigen Fruchtfolgen aus folgenden Grün­den überlegen:

Durch die weitere Fruchtfolgestellung von Raps und Rüben steigen die Erträge (etwa 5 bis 10 dt/ha) und damit die Markt-erlöse.

Die Bearbeitungskosten lassen sich deutlich senken, da der Pflugeinsatz beim Wechsel von Blatt- auf Halmfrucht oft nicht erforderlich ist.

Nematodentolerante Sorten machen‘s möglich

In den letzten Jahren haben Landwirte mit Raps in Rübenfruchtfolgen viele positive Erfahrungen gesammelt. Dennoch fürchten viele die Nematodenvermehrung und den Raps als Unkraut in Rüben. Etliche Untersuchungen belegen jedoch, dass Raps als Hauptfrucht kaum zu einer Nematodenvermehrung beiträgt. Allerdings müssen Sie den Ausfallraps konsequent beseitigen. Der geeignete Umbruchtermin lässt sich u.a. mit dem Ausfallrapsmanager in LIZ-online (www.liz-online.de) bestimmen. Nach dem Auflaufen müssen Sie den Raps nach ca. 250 bis 300 °C (Temperatursumme über 8 °C) umbrechen. Dann ist keine Nematodenvermehrung zu befürchten.

Wenn Sie Raps auf Rübenstandorten mit Nematodenbefall anbauen wollen, sollten Sie jedoch grundsätzlich nematodentolerante Rübensorten wählen. Im Vergleich zu anfälligen Sorten (Pf/Pi 3 bis 5) findet hier nur eine geringe Vermehrung der Nematoden unter Rüben statt (Pf/Pi ca. 1,2 bis 2,0). In diesem Fall ist davon auszugehen, dass auch in engen Fruchtfolgen von Rüben und Raps z. B. ZR/WW/Raps/WW der Nematodenbesatz nicht steigt.

Wollen Sie dennoch zusätzlich eine biologische Bekämpfung durch Zwischenfrüchte durchführen, bietet sich vor Rüben der Anbau von Ölrettich an. Sein Vorteil: Er trägt im Herbst nicht dazu bei, dass sich Kohlhernie ausbreitet. Andere...