Hart aber Fair

5 G-Ausbau: Claas-Sprecher ärgert sich über Funklöcher

Claas-Sprecher Hermann Lohbeck war am Montagabend Gast in der Sendung "Hart aber Fair" mit Frank Plasberg im Ersten. Es ging um den 5 G-Ausbau. Auch Lohbeck findet es peinlich, wenn Handygespräche im Auto abbrechen. Seine Kunden, die Bauern, seien auf moderne Landtechnik mit Echtzeitübertragung angewiesen, hätten jedoch auf dem Land kein Netz.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bezeichnete es kürzlich als peinlich, wenn er mit ausländischen Ministerkollegen mit dem Handy telefoniert und die Verbindung häufig abbricht. Das bestätigte in der Sendung „Hart aber Fair“ am Montagabend auch Claas-Vorstand Hermann Lohbeck.

Er pendelt jede Woche mit dem Auto zwischen Harsewinkel und seiner Heimat Baden-Württemberg und telefoniert dabei viel während der Fahrt. Auch ihn ärgern Gesprächsabbrüche mit Kunden und Kollegen. „Es ist peinlich, wenn man fünfmal neu wählen muss“, erklärte Lohbeck. Für ihn sei das Auto Arbeitsplatz.

Der Manager bestätigt, dass es diese Probleme flächendeckend gebe in Deutschland. „Die Politik hat die Aufgabe, die Rahmenbedingungen zu setzen, damit die Privatunternehmen gezwungen sind, ein flächendeckendes Telefonnetz aufzubauen“, so Lohbeck weiter. Er verwies auf die vernetzte Technik, die u.a. Claas anbietet. Die Bauern würden diese Technik benötigen und heute schon einsetzen. Daher hätte sie die Aussage von Bundesforschungsministerin Anja Karliczek so geärgert. Karliczek hatte gesagt, 5G sei nicht an jeder Milchkanne notwendig. Lohbeck betont, dass die Digitalisierung heute nicht mehr wegzudenken ist, sei es in der Tierhaltung oder im Ackerbau.

Peter Altmaier nimmt seine Kollegin jedoch in Schutz. „Das würde sie so vielleicht heute nicht mehr wiederholen, die Aussage hat sie sicher auch etwas anders gemeint“, so der Minister in der Sendung. Er fragt ebenfalls, ob denn die aufwändige Echtzeitübertagung im Standard 5G überall notwendig sei, 4 G reiche vielerorts. Nur selbst das sei oft noch nicht verfügbar, daher müsste eine flächendeckende 4G-Versorgung dringendstes Ziel sein. 5 G sollte aber dort ankommen, wo es gebraucht wird.

Das führte Moderator Frank Plasberg zum Zitat des Telekomchefs, der den Wunsch nach 5 G für alle mit einem Privatjet für jeden verglich. Auf Nachfrage des WDRs hieß es bei der Telekom: „Die jetzt zur Freigabe anstehenden Frequenzen eignen sich gerade NICHT für die Flächenversorgung. Das weiß die Bundesnetzagentur, das weiß jeder, der sich mit den Frequenzen beschäftigt und jeder der sich mit Physik auskennt.“ Denn mit 5 G können zwar extrem viele Daten in Echtzeit gesendet werden, dass aber nur auf kurzer Strecke. Daher sind nach Telekomangaben für einen flächendeckenden Ausbau bis zu 800.000 neue Antennen notwendig. 27.000 Masten gibt es heute. Die Kosten würden sich auf 160 Mrd. Euro belaufen. „Diese Summen kann niemand aufbringen und sie übertreffen den Wert der jetzt zu vergebenen Frequenzen um ein Vielfaches“, schreibt die Telekom.

Die Bauern haben dabei ein besonderes Problem: Der Ausbau findet in Ballungszentren statt. In den ländlichen Regionen aber, genau dort wo die Bauern arbeiten, dürfte sich 5 G für die Konzerne nicht lohnen. So sind dort selbst heute noch zuverlässiger Handyempfang und Internet längst nicht selbstverständlich. Lohbeck sieht hier die Politik gefordert. „Sie sprechen jeden Tag von Digitalisierung, aber was tun sie?“, fragt er.

In der weiteren Diskussion bei Hart aber Fair ging es dann darum, ob der Staat die Telekommunikationsunternehmen derart mit der Ersteigerung der Frequenzen belasten müsse. Unternehmer Frank Thelen warf die Zahl von 50 Mrd. Euro in den Raum, die jetzt fehlten. Der Staat hingegen habe das eingenommene Geld nicht reinvestiert. Das sieht auch Lohbeck so. Das Geld der Firmen reiche nicht, um 5 G aufzubauen. Sein Rat an die Politik vor der neuen Versteigerungsrunde lautet daher, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Er habe den Eindruck, der Staat fühle sich nicht zuständig und warte immer nur auf die nächste Versteigerung.

Minister Altmaier stellte daraufhin klar, dass wir Marktwirtschaft hätten. Die Unternehmen würden allein entscheiden, wieviel sie ausgeben möchten bei der Ersteigerung der Frequenzen. Und wenn man zusätzlich kleine Anbieter zu den drei Großen hinzunehme, könnte ein Bieterwettstreit entstehen, der die kleinen rauswirft, die großen Konzerne aber zu höheren Geboten treibt. Damit werde das Problem der Finanzierung verschärft.

Thelen ließ das nicht gelten und forderte eine politische Vorgabe, dass alle ihre Leistungen zu einem Netz zusammenlegen müssten. Zudem sollten die Frequenzen längerfristig und günstiger vergeben werden. Laut Altmaier haben die Anbieter aber heute schon die Möglichkeit, ihre Sendemasten zu teilen.

top agrar meint: Am Ende blieb der Fernsehzuschauer ratlos zurück. Die Diskussion bei Hart aber Fair war dünn und recht unstrukturiert. Mögliche Lösungen samt Vor- und Nachteilen wurden nicht erklärt. Grund dafür waren die vielen Diskussionsabbrüche, denn immer wenn ein Redner gerade in Details gehen wollte, wurde er unterbrochen. Ob und wie es einen 5 G Ausbau geben wird, ist nach der Sendung so unklar wie vorher.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Uken

Und dann ist da ja noch

Das Millitär die auch auf der Frequenz arbeitet. In den Niederlanden werden bestimmte Bereiche deshalb kein 5 G Netz bekommen können zum Nachteil der Landwirte die mit TK arbeiten.

von Wilhelm Grimm

Altmaier relativiert anstatt Tatkraft zu zeigen.

Das erinnert mich an seine Werbung für Hofreiter`s Buch zur Landwirtschaft, das ich nur als Pamphlet bezeichnen kann. Auch hier sind ihm die Erfordernisse einer modernen Landwirtschaft gleichgültig.

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