AFP-Förderung: Viel Aufwand und wenig Nutzen? Premium

Fluch und Segen zugleich: Eine Förderung nach dem Agrarinvestitionsförderprogramm erhält nur derjenige, der beim Bau seines Stalles verschärfte Auflagen einhält. Lohnt sich der Aufwand?

Fluch und Segen zugleich: Eine Förderung nach dem Agrarinvestitionsförderprogramm erhält nur derjenige, der beim Bau seines Stalles verschärfte Auflagen einhält. Lohnt sich der Aufwand? Preiskrisen, knappe Flächen, steigende Pachtpreise, scharfe Bauvorschriften – all das hat in den vergangenen Jahren nicht nur Spuren in der Landwirtschaft hinterlassen, sondern auch in den Auftragsbüchern der Stallbauer. Insgesamt hat die Branche deutlich weniger investiert als in den Jahren zuvor. Was allerdings auffällt: Diejenigen, die investieren, nehmen immer seltener die Förderung nach dem Agrarinvestitionsförderprogramm in Anspruch. So haben 2017 „nur“ 215 Landwirte die Förderung beantragt. 2016 waren es noch 30% mehr. Sind die Anforderungen möglicherweise zu hoch und die Förderbeträge zu gering? Um diese Frage zu klären, haben wir zusammen mit Elmar Brügger, Bauberater von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, nachgerechnet. Im ersten Teil unserer Serie gehen wir auf den Bau eines Mastschweinestalles ein. In den kommenden Ausgaben nehmen wir die Sauen- und Milchviehhaltung ins Visier. Beispiel Maststall Landwirt Max Müller hält rund 105 Sauen (Name und Beispiel frei erfunden). Um das Risiko sinkender Ferkelpreise noch stärker abzudämpfen, will er künftig rund drei Viertel seiner Ferkel selber mästen und muss daher einen neuen Stall bauen. Pro Sau kalkuliert er dazu mit etwa zehn Plätzen, in Summe somit 790 Plätze insgesamt.Sein Unternehmensberater schlägt ihm vor, die Förderung aus dem Agrainvestitionsförderprogramm in Anspruch zu nehmen. Doch ihm kommen Zweifel. Denn mit der Förderung, sind einige Auflagen verbunden, wodurch der Stall deutlich teurer wird. Je nachdem, in welchem Bundesland Müller lebt, fallen die Förderbedingungen unterschiedlich aus. Zwar muss sich jedes Land an die Verordnung bzw. Richtlinie zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes EU-Richtlinie (GAK) orientieren, kann aber die Förderbedingungen individuell ausgestalten. Grob lassen sich die Bundesländer in zwei Gruppen einteilen: Basis- als auch Premiumförderung: In den meisten Bundesländern können Landwirte zwischen einer Basis- und Premiumförderung wählen. In der Premiumstufe sind die Anforderungen höher als in der Grundvariante, dafür gibt es aber auch einen höheren Zuschuss. Insgesamt acht Bundesländer setzen auf dieses Modell: Mecklenburg-Vorpom-mern, Saarland, Thüringen, Sachsen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen-Anhalt. Nur Premiumförderung: Fünf Bundesländer bieten nur die Premiumversion an. Hier steht den Landwirten eine Basisförderung nicht zu. Für dieses Modell haben sich die Landesregierungen in Bayern, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein entschieden. Stellvertretend für den Querschnitt der Länder haben wir die Berechnungen für Müllers Stall anhand von drei Bundesländern vorgenommen: Sachsen-Anhalt, stellvertretend für die erste Gruppe. Nordrhein-Westfalen und Bayern für die Länder, die keine Basisförderung anbieten und höhere Ansprüche stellen (Premiumförderung). Großzügige Grenzen Angenommen, Müller lebt in Sachsen-Anhalt. Dann kann er entweder eine Basis- oder Premiumförderung in Anspruch nehmen. In der Basisversion stünde ihm ein Zuschuss von 20% auf seine Baukosten zu, sofern er alle Auflagen des Programmes erfüllt. In der Premiumvariante winkt ihm sogar der doppelte Betrag.Allerdings hat die Landesregierung den Zuschuss in der Premium- als auch in der Basisvariante gedeckelt. Anspruch hätte Müller lediglich auf einen Zuschuss für 2 Mio. € Baukosten innerhalb von drei Jahren. Das sind somit maximal 400000 € Förderung (20% von 2 Mio. €). ...

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Diskussionen zum Artikel

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von Franz Josef Aussel

Geldverschwendung

In Zeiten der Überproduktion und Presdumping sollte die Förderung von Stallbauten eingestellt werden! Es gilt der Grundsatz: alles was gefördert werden muss, lohnt sich nicht!

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