Afrikanische Schweinepest sorgt für intensivere Wildschweinjagd

In Mecklenburg-Vorpommern haben Jäger im zurückliegenden Jagdjahr deutlich mehr Wildschweine erlegt. Die vom Land ausgelobte Prämie von 25 Euro je erlegtem Tier ist stark in Anspruch genommen worden. Die Gefahr der Einschleppung der ASP ist weiterhin sehr hoch.

Wildschweine (Bildquelle: Archiv)

In Mecklenburg-Vorpommern haben Jäger im zurückliegenden Jagdjahr deutlich mehr Wildschweine erlegt. Die vom Land ausgelobte Prämie von 25 Euro je erlegtem Tier ist stark in Anspruch genommen worden. Die Gefahr der Einschleppung der ASP ist weiterhin sehr hoch.

Das für das Jagdjahr 2017/2018 angepeilte Streckenergebnis von 80.000 Stück Schwarzwild wurde mit 85.949 erlegten Wildschweinen deutlich erreicht. „Das ist ein Erfolg, der auf der großartigen Teamarbeit von Jägern, Landwirten, Veterinären und Landesforstanstalt basiert“, zitiert die Deutsche Presseagentur (dpa) Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Dr. Till Backhaus. Ende 2017 hatte der Landtag Mecklenburg-Vorpommern ein mit 2 Millionen Euro ausgestattetes Schwarzwildmaßnahmenpaket beschlossen, um den seit etwa zehn Jahren stetig anwachsenden Wildschweinbestand im Land angesichts des Einschleppungsrisikos der Afrikanischen Schweinepest (ASP) deutlich zu reduzieren.

Bislang gebe es in MV keine Anzeichen für die Einschleppung der ASP aus den von der Tierseuche befallenen östlichen Nachbarländern, sagte der Minister. Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit schätze die Gefahr der Einschleppung über Tiertransporte, virusbehaftete Kleidung oder schweinefleischhaltigen Proviant aus dem Ausland allerdings als nach wie vor sehr hoch ein. „Die wirtschaftlichen Folgen für den Fall, dass die ASP sich aus Wildschwein- auf Haustierbestände überträgt, wären dramatisch“, unterstrich Dr. Backhaus. Neben der Tötung befallener Haustierbestände drohten Handelsbarrieren, die zu finanziellen Verlusten bei Landwirten und in der Ernährungsbrache führten und schlimmstenfalls den wirtschaftlichen Niedergang ganzer Regionen nach sich zögen, warnte er.

Das am 1. Dezember 2017 in Kraft gesetzte Schwarzwildmaßnahmepaket für MV enthält neben Festlegungen zum Aussetzen des Drückjagdverbotes, des Jagdverbotes in Schutzgebieten oder zur Aufhebung der Jagdbeschränkungen für Bachen ohne gestreifte Frischlinge und geringgewichtige Jungwildschweine auch finanzielle Anreize für die Jägerschaft.

Die so genannte „Pürzelprämie“ in Höhe von 25 Euro für jedes erlegte Wildschwein – es handelt sich um eine Entschädigung für den Mehraufwand und den Einsatz ausgebildeter Jagdhunde bei der Schwarzwildjagd durch private und kommunale Jagdausübungsberechtigte – sei stark in Anspruch genommen worden, informierte Dr. Backhaus. Vom 1. Dezember 2017 bis zum 15. Juni 2018 wurden 27.484 Schwarzwildabschüsse und 1349 Hundeeinsätze abgerechnet. Die Landesforstanstalt hat dafür 6.090 Anträge bearbeitet und 720.825 Euro an die beteiligten Jäger ausgezahlt. Das Aufwandsentschädigungsprogramm wird zunächst bis zum 31. März 2019 fortgeführt. Eine nachhaltige Bestandreduzierung der Schwarzwildpopulation, die aufgrund des klimabedingten Nahrungsüberangebotes und guter Deckung auf bestellten landwirtschaftlichen Flächen jährlich um 200 bis 300 Prozent anwächst, sei allerdings erst nach einigen Jahren intensiver Bejagung zu erwarten.

Der Minister informierte außerdem über die Ergebnisse der gesamten Jagdstrecke im abgelaufenen Jagdjahr 2017/2018 im Land. Demnach wurden in Mecklenburg-Vorpommern im Jagdjahr 2017/18 insgesamt 159.466 Stück Schalenwild erlegt. Damit sei - aufgrund der enormen Streckensteigerung beim Schwarzwild - das höchste Streckenergebnis seit Aufzeichnung der Wildnachweisung ab 1972 erzielt worden.
Beim Rotwild wurden im abgelaufenen Jagdjahr 7.530 Stück erlegt. Dieser Wert liegt über dem Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre (7.146 Stück). Beim Damwild wurde ein Streckenergebnis von 12.186 Stück erzielt; das sind rund 1.000 Stück mehr als im vergangenen Jagdjahr. Die Rehwildstrecke bewegt sich mit 53.582 Stück auf dem Niveau der Vorjahre.

Beim Raubwild wurden mit 16.530 Füchsen und 7.482 Marderhunden im Jagdjahr 2017/2018 geringere Streckenergebnisse als im Vorjahr erreicht. Allerdings wurde beim Waschbär mit 12.062 Stück eine deutlich höhere Strecke als in den vergangenen Jahren erzielt. In den vergangenen 5 Jahren gab es hier von Jahr zu Jahr einen überdurchschnittlichen Streckenanstieg mit einer Verfünffachung der Jagdstrecke seit 2012.
„Die Bestände der Niederwildarten wie Feldhase, Rebhuhn und Fasan sind seit ca. 20 Jahren auf stabilem niedrigen Niveau. Fasan und Rebhuhn sind in MV in ihren Beständen akut bedroht. Sie sind fast flächendeckend aus der Agrarlandschaft verschwunden“, berichtete Minister Backhaus. Auch andere Bodenbrüter wie Feldlerche, Kiebitz, Wachtel u.a. seien in ihren Beständen dramatisch rückläufig.

Die Strecke beim Feldhasen (1.016 Stück) ist leicht gestiegen. Beim Wildkaninchen (94 Stück) liegt sie im Durchschnitt der letzten 10 Jahre. Die Bestände bewegen sich insgesamt auf sehr niedrigem Niveau.
Die Zahlen der erlegten Wildgänse (2.578 Stück) und Wildenten (4.370 Stück) liegen wieder über der Strecke des letzten Jahres. Für den Streckenrückgang im Jagdjahr 2016/2017 wird die Aviäre Influenza und die damit einhergehenden Jagdverbote gesehen.

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Diskussionen zum Artikel

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von Paul Siewecke

@ J.Meyer Zusatz....

Als ich die bei mir zuständige (und völlig überforderte) Jagdgenossenschaft um eine Begehungsschein für einen befreundeten (revierfremden) Jäger bat, da wurde aus Trophäenneid/-angst erstmal abgelehnt. Und das in dem vollen Bewusstsein, dass die örtlichen Wildbestände nicht mehr kontrollierbar sind, je nach Art mehr als das 10fache des zu tolerierenden Bestandes. Das Rehwild frisst mitten in der Stadt (nicht nur nachts!) die Blumen aus Vorgärten und von Blumenkästen, von . Damwild verwüstet Weizen und Maisfelder. Süßlupinen sind nicht einmal mehr im Gemenge anbaubar. Allein die Schweine haben sich ein wenig zurückgezogen, aber auch die sind beizeiten wieder da....

von Jörg Meyer

jahrelang Problem ausgesessen

Nun kommt die ASP, denn es ist eine Frage der Zeit ob! Jeder Verantwortliche dieser Wildschweinpolpulationexplosion in Deutschland versucht sich nun denn politischen und bürokratischen Rettungsring umzuschnallen und sich in Sicherheit zu bringen. Man lobt sich gegenseitig, ist sich einig eine Menge zu tuen etc.......aber wenn die ASP da ist heißt es genau zu schauen, wer hat denn da über jahrzehnte gefüttert im Wald, dem Nachbarn den Abschuss nicht gegönnt, keinen Revierübergreifende Drückjagden durchgeführt, den Walde zu teuere verpachtet für die Jagd an Jäger die die Wildschäden nicht interssierren, wer hat Schonzeiten für Schwarzwild ausgedehnt oder nicht verringert, wer verbietet Nachtsichtgeräte und anderen technischen Fortschritt oftmals mit Traditionsgehabe......kann man ja alles machen aber wenn die Pest kommt wird man genauer schauen und diskutieren müssen!

von Wilhelm Grimm

In den Medien haben wir Bauern auch die Pest !

Das ist dann anscheinend die Legimitation für die Bauernhatz.

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