Agrarförderung kostet jeden EU-Bürger rund 112 Euro

Während vor 30 Jahren in der damaligen Europäischen Gemeinschaft noch mehr als drei Viertel der gesamten Ausgaben auf den Agrarhaushalt entfielen, hat die Europäische Union im vergangenen Jahr nur noch rund ein Drittel ihrer Mittel für den Bereich Landwirtschaft verwendet.

Während vor 30 Jahren in der damaligen Europäischen Gemeinschaft noch mehr als drei Viertel der gesamten Ausgaben auf den Agrarhaushalt entfielen, hat die Europäische Union im vergangenen Jahr nur noch rund ein Drittel ihrer Mittel für den Bereich Landwirtschaft verwendet. Darauf weist der emeritierte Hochschullehrer für landwirtschaftliche Betriebslehre, Marktlehre und Betriebsplanung an der Fachhochschule Bingen, Prof. Alfons Janinhoff, in einer aktuellen Haushaltsanalyse der EU hin.

Laut Janinhoff lagen die Ausgaben der EU im Jahr 2015 bei insgesamt 143,54 Mrd Euro. Davon entfielen 41,42 Mrd Euro beziehungsweise 28,9 % auf die entkoppelten Direktzahlungen an Landwirte, während 3,08 Mrd Euro oder 2,1 % für noch gekoppelte Direktzahlungen und weitere 2,53 Mrd Euro oder 1,8 % für marktbezogene Ausgaben im Agrarbereich gezahlt wurden. Dies entspricht insgesamt einem Anteil von 32,8 % an den Brüsseler Gesamtausgaben.

Rechnet man die Förderung der ländlichen Entwicklung und die Mittel aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) hinzu, die 13,82 Mrd Euro betrugen, leitet sich laut Janinhoff für den Agrarbereich im weiteren Sinn ein Gesamtbetrag von 56,48 Mrd Euro und ein Anteil von 39,3 % am EU-Haushalt ab.

Nach den Berechnungen des Agrarökonomen hat der EU-Agrarbereich die rund 505 Millionen Bürger in der Gemeinschaft im vergangenen Jahr demnach im Durchschnitt mit knapp 112 Euro pro Kopf belastet. Umgelegt auf die landwirtschaftliche Nutzfläche der EU von 172,5 Mio ha kam auf einen Hektar im Mittel ein Betrag von gut 327 Euro. Deutschland, für das der Wissenschaftler Fördergelder im Agrarbereich von rund 5,2 Mrd Euro und eine Nutzfläche von 16,7 Mio ha zugrundelegt, liegt mit einem Durchschnittswert von 312 Euro knapp darunter.
2,40 Euro pro Stunde aus Brüssel

In seiner Analyse stellt Janinhoff die Ausgaben der Europäischen Union im Agrarbereich auch in Relation zu den landwirtschaftlichen Betrieben und den dortigen Arbeitskräften. Bezieht man für das Jahr 2015 die Agrarmittel von 56,48 Mrd Euro auf die etwa 10,5 Millionen landwirtschaftlichen Betriebe in der Gemeinschaft, entfallen im Mittel 5 379 Euro auf den einzelnen Hof.

Für die etwa 9,2 Millionen Vollarbeitskräfte in der EU-Landwirtschaft errechnet sich ein durchschnittlicher Wert von 6 139 Euro; das sind bei 280 Arbeitstagen im Jahr etwa 22 Euro je Tag und Arbeitskraft. Wird ein Arbeitstag von 9 Stunden unterstellt, bleibt Janinhoff zufolge ein Förderbetrag von 2,40 Euro pro Stunde.

Bei einer Umlegung der Agrarausgaben auf die Betriebe und die Arbeitskräfte in der Landwirtschaft schneidet Deutschland gemäß den Zahlen des Agrarökonomen besser ab als bei der Betrachtung der landwirtschaftlichen Fläche. Je Hof errechnet Janinhoff für die Bundesrepublik einen Durchschnittswert von 19 261 Euro, und bei den Vollarbeitskräften kommt er auf 7 988 Euro pro Kopf. Dabei geht er von 270 000 Betrieben und 651 000 Vollarbeitskräften aus.


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