Agrarpolitischer Jahresauftakt

Agrarkongress soll neue Nähe von Umwelt und Landwirtschaft zeigen

Umweltministerin Lemke und Landwirtschaftsminister Özdemir wollen den BMU-Agrarkongress als agrarpolitischen Jahresauftakt inszenieren. Noch ist das BMEL dort aber in der Rolle des Gastes.

Den agrarpolitischen Jahresauftakt bestreitet 2022 wieder das Bundesumweltministerium, dass sich mit der Übernahme der Zuständigkeit für Verbraucherschutz BMUV abkürzt. Für den 18. Januar lädt es zum Agrarkongress in Berlin ein. Erstmals seit drei Jahren wird auf dem Kongress auch wieder die erste Reihe des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) vertreten sein. Sowohl Landwirtschaftsminister Cem Özdemir als auch seine Staatssekretärin Silvia Bender werden dort sprechen.

Im Einladungsschreiben heißt es: „Seien Sie dabei, wenn Bundesumweltministerin Steffi Lemke und Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir gemeinsam ihre Überlegungen für eine nachhaltige Agrar- und Ernährungswirtschaft vorstellen.“ Eine gemeinsame Veranstaltung von beiden Ministerien ist es allerdings nicht. Özdemir sei auf der Veranstaltung Gast, teilen sowohl das BMEL als auch das BMUV gegenüber top agrar mit.

Das Bundesumweltministerium verweist auf den langen Vorlauf, den die Veranstaltung bereits habe, die mit BMU-Mitteln geplant ist. Zudem sei der Agrarkongress des BMU bereits „Tradition“. Erstmals hatte das BMU im Jahr 2017 zum Agrarkongress eingeladen. Der Zeitpunkt lag immer kurz vor der Internationalen Grünen Woche (IGW). Das lange SPD-geführte BMU hatte damit auch versucht, ein Gegengewicht zum damals Unions-geführten Landwirtschaftsministerium zu installieren. Der Zeitpunkt vor der großen Inszenierungsplattform des BMELs Grüne Woche konnte auch immer als Stichelei gegen das Agrarressort gewertet werden.

Anfangs war der damalige CSU-Landwirtschaftsminister Christian Schmidt auch immer beim Agrarkongress aufgetreten. Seine Nachfolgerin Julia Klöckner (CDU) hat indes kein einziges Mal am Agrarkongress teil genommen. Thema des Agrarkongresses war immer auch die Umsetzung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik (GAP) in Deutschland. Zudem hatte der Kongress schon früh einen Gesellschaftsvertrag zur Landwirtschaft besprochen, für den mit den Ergebnissen der Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) nun Kompromisse vorliegen.

Das Podium des Agrarkongresses ist auch 2022 wieder hochrangig besetzt mit Wortführerinnen und Wortführern aus der Landwirtschafts- und Umweltszene. Özdemir und Lemke werden dort den EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevičius und den Vize-Landwirtschaftsminister aus den Niederlanden, Guido Landheer, begrüßen. Zudem sprechen dort die Vorsitzenden der Zukunftskommission Landwirtschaft, Prof. Dr. Peter Strohschneider, und des Kompetenznetzwerks Nutztierhaltung, Jochen Borchert, sowie viele Mitwirkende aus beiden Kommissionen.

Außerdem gibt es ein Panel mit einem Schweinemäster und einer Vertreterin von Discounter Aldi-Nord. Abschließend ist ein Gespräch mit den Agrarsprecherinnen und Agrarsprechern aus dem Bundestag geplant. Der Kongress findet als virtuelle Veranstaltung mit interaktivem Livestream statt. Eine Anmeldung ist hier möglich.

„Die Chancen für einen echten Aufbruch in eine nachhaltige, zukunftsfähige Landwirtschaft sind groß“, bewirbt das BMU seine Veranstaltung. Der Kampf gegen den Verlust der Artenvielfalt und den Klimawandel, der Schutz von Boden, Wasser und Luft sowie das Schaffen wirtschaftlicher Perspektiven für die Landwirtinnen und Landwirte seien dabei die wichtigsten Herausforderungen.


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