Agrarökonomen sehen Dürrehilfen kritisch

Mehrere Wissenschaftler warnen vor grundsätzlich potentiell verzerrenden Wirkungen und falschen Anreizen durch die Auszahlung von Dürrehilfen. Geholfen werde so auch landwirtschaftlichen Betrieben mit strukturellen Defiziten.

Sehr kritisch beurteilen mehrere Agrarökonomen die Dürrehilfen der Bundesregierung. Zwar bescheinigt Prof. Martin Odening von der Humboldt-Universität zu Berlin den Dürrehilfen, kurzfristig einen positiven Effekt für die betroffenen Betriebe zu haben. Daraus folge aber nicht, dass diese Hilfen ökonomisch sinnvoll und langfristig notwendig seien.

Dr. Carsten Croonenbroeck von der Universität Rostock sieht Wetterschwankungen seit jeher zum Beruf des Landwirts dazugehörig. Deswegen sollten ihm zufolge die Landwirte betrieblich vorsorgen und Risikomanagement betreiben, das sowohl die Bildung von Rücklagen als auch Ernteversicherungen einschließt. Jede Agrarsubvention, jede Förderung, jede Dürrehilfe sei hingegen ein Eingriff in den Markt von außen mit grundsätzlich potentiell verzerrenden Wirkungen, gibt Croonenbroeck zu bedenken.

Auch Prof. Rainer Kühl und Dr. Jörg Müller von der Universität Gießen sind der Ansicht, dass die beschlossene Nothilfe falsche Anreize setzt. Betriebe, die zugunsten der Risikotragfähigkeit und zu Lasten von Gewinnen Risikomanagement betrieben, erhielten keine Unterstützung; stattdessen werde Betrieben mit strukturellen Defiziten geholfen, monieren Kühl und Müller.

Prof. Norbert Hirschauer von der Universität Halle-Wittenberg, Prof. Oliver Mußhoff von der Universität Göttingen und Dr. Frank Offermann vom Thünen-Institut (TI) Braunschweig warnen ebenfalls, dass gerade erfolgsschwache und/oder unvorsichtig geführte und finanzierte Unternehmen durch Einkommenstransfers am Leben erhalten würden. Die Dürre zeige die Bedeutung eines angepassten Risikomanagements. Würden in Krisenjahren doch Ad-hoc-Hilfen gewährt, sollten diese mit der eigenverantwortlichen Reservenbildung der Landwirte verknüpft werden.

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Das sehr komplexe und hochbürokratische Antragsverfahren für die Dürrehilfe hat viele Betriebe abgeschreckt. Es gab kaum noch eine Beziehung zwischen witterungsbedingtem Schaden und dem...


Diskussionen zum Artikel

von Erwin Koch

Lieber notschlachten als Dürrehilfegeben !?!

Professoren die "Erfolgsschwachen Betrieben" keine Hilfen geben und nur das Recht der Stärkeren anerkennen wollen befinden sich menschlich sicherlich auf einem äußerst primitiven Niveau. Aschenputtel Profs für die man sich nur schämen kann! Pfui!!!

von Andreas Kraus

Agrarökonomen sehen Dürrehilfen kritisch

Eine Frage . Warum können nur Rinderbauern eine Hilfe beantragen ? Die konten schon beim Milchpreisverfall ein Liquitätsdahlen mit 90% Rückzalung beantragen. Schweinebauern sind schon immer am freien Markt (Hauspreise) . Mfg.

von John Nissen

Es redet sich leicht...

..wenn man nicht von Wetter und Politik abhängig ist, sondern fürs Reden bezahlt wird. Die Landwirtschaft wird als Spielball benutzt, der von vielen Leuten getreten wird. Und die Politik ist in den letzten Jahren wie ein Betrunkener mit dem Schiff Landwirtschaft umgegangen. Beispiel ... mehr anzeigen

von Klaus Fiederling

Keine voreiligen Verbalattacken

Jüngst erst wurde hier bei TA publiziert, dass den dänischen Vollerwerbsbetrieben derzeit eine durchschnittliche Verschuldungsrate von 3,5 Mio. attestiert werden muss. Sollte das nicht doch erheblich zu denken geben? // Bevor man verbal aufrüstet: Wohin überhaupt wandern unsere ... mehr anzeigen

von Hilke Meyer-Wiertzema

Oftmals für die Falschen

Ich stimme Herrn Nagl zu. Vermutlich haben am Ende oftmals die "Wachstums-/Verdrängungsbetriebe", die jeden Euro in Pacht und Maschinen stecken, Bilanzen, die schlecht genug sind, um die Dürrehilfe zu beantragen. In unserem "kleinen" Ackerbaubetrieb, der konservativer geführt wird, wo ... mehr anzeigen

von Lars Henken

Dürrehilfe oder Bankenrettung?

Von dieser "Dürrehilfe" halte ich gar nichts. Warum werden nur Betriebe gestützt, die mit dem Rücken an der Wand stehen? Warum werden Betriebe, die in den letzten Jahren gut gewirtschaftet haben ausgeschlossen und quasi bestraft? Ich finde die ganze Angelegenheit unfair und verfehlt. ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Dürrehilfen und Wissenschaft...

Was soll diese erneute unsinnige Diskussion über das Thema? In dieser Ausnahmesituation hat der Staat die verdammte Pflicht wie auch in Amerika und Australien den Bauern Hilfe anzubieten. Immerhin erzeugen diese unsere Nahrungsmittel auch für die Herren Wissenschaftler, und das in ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Einer hätte genügt.

Als erstes wird in dem Artikel deutlich, das wir uns viel zu viele Agraröknomen leisten. Für die Weisheiten, die oben angesprochen wurden, hätte ein Professor locker ausgereicht, die anderen sollten einer sinnvollen Beschäftgung nachgehen.

von Hans Nagl

Am Ende .

Bekommen wieder Großbetriebe mit drei Anwälten, die Hilfen für die Bauern.

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