Aigner feiert ihr Ohne-Gentechnik Siegel

Die ehemalige Bundesagrarministerin Ilse Aigner sieht im von ihr eingeführten Ohne-Gentechnik Siegel einen Erfolg. Es zeichnet vor allem Milchprodukte, Geflügelfleisch und Eier aus

Vor zehn Jahren wurde am 10. August 2009 das Ohne Gentechnik-Siegel in Deutschland von der damaligen Bundesagrarministerin Ilse Aigner eingeführt. Am heutigen Dienstag beging der Lizenznehmer des Siegels, der Verband Lebensmittel Ohne Gentechnik (VLOG), öffentlichkeitswirksam im bayerischen in Wasserburg am Inn das 10-jährige Jubiläum der Kennzeichnung. Laut dem Verband tragen mittlerweile mehr als 14.000 Lebensmittel in Deutschland diese Kennzeichnung. Darunter rund 5.400 Milchprodukte, 4.100 Geflügelfleischwaren und fast 2.200 Eiererzeugnisse. Produkte mit Ohne Gentechnik-Siegel haben nach Angaben des VLOG 2018 einen Gesamt-Jahresumsatz von 7,7 Mrd. € erzielt. Für 2019 wird vom VLOG ein Umsatz von 8,5 Mrd. € erwartet.

Informationslücke für Verbraucher

„Mit der Ohne Gentechnik-Kennzeichnung haben wir 2009 eine große Informationslücke für die Verbraucher geschlossen“, sagte Ilse Aigner (CSU) heute. Ihr sei es immer um Transparenz für den Verbraucher gegangen, damit dieser selbst entscheiden könne. „Und dies gilt natürlich auch für die Futtermittel“, so Aigner weiter.

Debatte um neue Züchtungstechniken

Der VLOG forderte bei dem Festakt erneut, dass auch Produkte, die mittels neuer Züchtungsmethoden hergestellt wurden, unter das strenge Gentechnikrecht fallen sollen. Dazu zählt der Verband auch die als „Gen-Schere“ bekannt gewordene Technik CRISPR/Cas – eine molekularbiologische Methode, um DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. „Auch Produkte der Neuen Gentechnik müssen nach Gentechnikrecht geprüft und gekennzeichnet werden. Das hohe Gut des Vorsorgeprinzips muss erhalten bleiben,“ sagte VLOG-Vorstand Christoph Zimmer. Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) vom Letzen Sommer ist die Diskussion um den Umgang mit den neuen Züchtungstechniken in er EU wieder in vollem Gange. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) spricht sich hingegen für eine Öffnung für die neuen Techniken aus. Pflanzenzüchter und Wissenschaftler fordern genau dies und machen Hoffnung, dass mit den Methoden die Züchtung von klimaresistenten Pflanzen schneller voran gebracht werden kann.

Lizenznehmer sehen sich durch Umfragen gestützt

Die Macher der Ohne Gentechnik-Kennzeichnung auf Lebensmitteln wähnen die Bevölkerung hinter sich. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsunternehmens Civey im Auftrag des VLOG bevorzugen 69 % der Bevölkerung in Deutschland Lebensmittel mit einer Ohne Gentechnik-Kennzeichnung. Rund 71 % bewerten laut den Angaben den Einsatz von gentechnisch veränderten Pflanzen zur Fütterung von Tieren – als Basis für Milch, Eier und Fleisch – als negativ. 82 % der Befragten wünschen sich danach Transparenz auf Lebensmitteln, wenn Milch, Eier und Fleisch mit gentechnisch veränderten Pflanzen im Tierfutter hergestellt wurden. Befragt wurden dafür 2.500 Personen über 18 Jahre.

Kennzeichnungsregeln in der EU

Während die Verwendung von gentechnisch veränderten Pflanzen in der EU im Futtermittel deklariert werden muss, fehlt auf den damit hergestellten tierischen Lebensmitteln ein Hinweis darauf. Das betrifft vor allem Milch, Fleisch und Eier, für dessen Erzeugung Tiere mit Mischfuttermitteln mit gentechnisch verändertem Sojaschrot gefüttert wurden. Das war einer der Beweggründe, die 2009 zur Einführung der Ohne-Gentechnik-Kennzeichnung geführt hat.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Gerner

Ohne Gentechnik ist gut. Ohne Gentechnik UND AUS DEUTSCHLAND wäre besser.

Schade, dass das Siegel bis heute nicht verlangt, dass die eingesetzten Futtermittel aus Deutschland kommen. Hier angebaute Sojabohnen werden nicht angemessen bezahlt, weil haufenweise (angeblich GVO-freie) Sojabohnen und Sojaschrot aus Südamerika importiert werden. Dem Verbraucher wäre beim Joghurtkauf sicher lieber, den Bauern um die Ecke zu fördern, anstatt Frachtschiffe voller fraglichem Soja und zudem dreckig mit Schweröl betrieben über den Ozean fahren zu lassen.

von Jens Geveke

...wenn der billigste Aldi-Joghurt sogar ohne Gentechnik hergestellt werden kann, dann zeigt dass ja das der Kostenvorteil "mit Gentechnik" nicht allzu groß sein kann. Dann muss man halt abwägen, was beim Verbraucher besser ankommt, Siegel oder noch billiger. Ich denke das Siegel ist einfach verständlich und für Produzenten zu erfüllen. Besser als ein SiebenPunkte-Farben-Ampel-Raster, was kein Verbraucher mehr nachvollziehen kann.

von Matthis Janßen

Der billigste Aldi-Joghurt

hat das Gentechnik-Siegel. Was das für den Nutzen des Landwirts bedeutet ist ja wohl klar...!

von Wilhelm Grimm

Gut, dass wir

Frau Klöckner haben !!!

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