Alfs über Hate Speech, Apokalyptiker und das verzerrte Weltbild der Agrargegner

Bauern sehen sich im Internet zunehmend Hasskommentaren und Beleidigungen von Kritikern ausgesetzt. Versuche, hier mit sachlichen Argumenten und Fakten die Vorwürfe zu entkräften, schlagen meistens fehl; die Gegner sind ideologisch fest in ihrer Welt.

Klaus Alfs (Bildquelle: www.klausalfs.de)

Bauern sehen sich im Internet zunehmend Hasskommentaren und Beleidigungen von Kritikern ausgesetzt. Versuche, hier mit sachlichen Argumenten und Fakten die Vorwürfe zu entkräften, schlagen meistens fehl; die Gegner sind ideologisch fest in ihrer Welt. Nicht selten sind die angegriffenen Landwirte in der Reaktion durchgehend in der Defensive und kommen nicht aus der Rechtfertigungsecke heraus, in die sie die unbekannten Schreiber drängen. Das erklärte der Autor Klaus Alfs am Donnerstag beim Agrarblogger-Camp in Münster.

Behauptungen sind zu Tatsachen geworden

Die radikalen Schreiber in den Sozialen Netzwerken – die im Übrigen gar kein Interesse an Argumenten und Aufklärung haben - hätten dabei den Vorteil, dass sie zuerst mit ihren Beschimpfungen starten und der Angegriffene reagieren müsse. Mit einfachen Aussagen würden sie die Leser auf ihre Seite ziehen. Wer kann schon etwas gegen den Schutz von Natur und Tier haben? Typisch seien dann auch stets aggressive Fragen. Der Landwirt ist dann automatisch der Täter und soll antworten.

Dazu kommt laut Alfs das heutige Phänomen, dass Bürger Behauptungen bereits als Tatsache ansehen. „In ihren Augen ist es eine Tatsache, dass die Landwirtschaft Boden und Wasser vergiftet, Wildtiere vernichtet und Tiere quält! Das sehen sie jeden Tag in den Nachrichten und Zeitungen. Und jetzt wollen Bauern mit ihnen über angebliche Fakten sprechen. Doch das sind nicht deren Tatsachen, weshalb Rechtferigungen sooft wirkungslos bleiben. In den Augen vieler Bürger ist eine Landwirtschaft wie auf einem Gnadenhof das Idealbild“, stellt Alfs klar.

Aus diesem Grund habe die geplante Plakataktion des Bundesumweltministerium außer den Bauern auch niemanden gestört. Viele Verbraucher wunderten sich, warum sich die Landwirte so aufregen. „Für die entsprechen Hendricks Bauernregeln den Tatsachen.“ Die Wut der Bauern werde daher als Ablenkung der Agrarindustrie wahrgenommen nach dem Motto, "Getroffene Hunde bellen".

Ganz wichtig ist hier laut Alfs, dass die Bauern in solchen Fällen nicht noch draufhauen, sie müssten eigentlich den Dialog suchen. „Dialog ist aber nicht möglich, weil beide Gruppen von unterschiedlichen Fakten ausgehen. Dialog ist aber das Gespräch auf Augenhöhe mit gleicher Ausgangsbasis.“

Heute gerate man da sofort in die Verteidigung, Kritik kommt immer mit Vorwürfen, ohne Fakten. „Fakten sind jedoch Arbeit, die gemacht werden muss. Die Kritiker tun dies regelmäßig und schaffen eigene Fakten in ihrem Sinne, z.B. durch Studien, Gutachten, Umfragen und Medienberichte. Sie haben dann handfeste Beweise, um ihre Vorwürfe zu untermauern“, erklärte der ausgebildete Landwirt weiter. Ohne Einigung bei den Grundlagen ist seiner Überzeugung nach kein Dialog möglich. Ideologie und Pseudowissenschaft könne man nicht widerlegen, so die ernüchternde Aussage Alfs. Über Nonsens Begriffe könne man ewig streiten.

Stänkern gehört zum Handwerk der Ideologen

Klaus Alfs bei der Podiumsdiskussion in Münster (Bildquelle: Deter)

Wie der Diplom-Sozialwissenschaftler weiter erklärte, arbeiten Kritiker dogmatisch, sie wollen nicht diskutieren, sie sind fest von ihrer Ansicht überzeugt. Daher braucht man als Landwirt auch nicht argumentieren oder sachlich antworten. Vielmehr seien jetzt intelligente subtile Mittel, Humor und Emotionen notwendig. „Es ist bewiesen: Wer stänkert, bekommt viele Klicks. Ideologen verstehen aber keinen Spaß, da werden die ungemütlich und kommen aus dem Konzept“, so Alfs weiter. Dazu nannte er interessante Praxisbeispiele, wo vom Spott getroffene Angreifer recht dünnhäutig geworden seien. Auch prominente Politiker, etwa bei den Grünen, würden gnadenlos alle Kommentatoren bei Facebook sperren, die mit sachlichen Argumenten Behauptungen entkräften.

„Entrüstung und Empörung der Kritiker sind Taktik und unterbinden jede Diskussion. Wenn ein Schreiber aber intelligent reagiert und eine Gegenfrage stellt, kommt er aus dem Rechtfertigungsmodus heraus.“ Als Tipp empfiehlt Alfs, negative Kommentare nicht zu löschen, die Schreiber würden sich damit selbst blamieren. „Sammeln Sie stattdessen die schönsten Beleidigungen und posten mal ein "Best of Hate Speech", das führt die Szene vor. Und antworten sie ruhig auf solche Einträge. Seien Sie offensiv, kommen Sie aus dem Rechtfertigen heraus. Eine Warum-Frage darf sie nicht einschüchtern“, so Alfs. Kontern Sie schnell mit einer witzigen oder coolen Antwort und legen dann mit einer Gegenfrage nach:

Beispiel 1:
Angreifer: „Die armen gequälten Kühe müssen euch die Milch geben, die Kälber werden weggenommen!“
Antwort: „Ja, weil Mäuse nicht soviel Milch geben, deshalb.“

Und dann sofort den Spieß umdrehen: „Was verstehen Sie unter…?“, Wie kommen Sie auf…?“. Laut Alfs soll man in den Rückfragen auch direkt die Begriffe reflektieren.

Beispiel 2:
Angreifer: „Landwirtschaft schädigt die Kulturlandschaft!“
Antwort: „Nein, die Kulturlandschaft schädigt die Landwirtschaft! Bodenversiegelung zerstört die Natur, für den Verkehr werden fruchtbare Wiesen zubetoniert, das neue Baugebiet steht da und da…“

Gegner sind oft Apokalyptiker

In diesem Zusammenhang kritisierte Alfs den kürzlich als "Nachhaltigkeitsoffensive" aus dem Berufsstand bekannt gewordenen Vorstoß der Bauern. „Man kann nicht sagen, wir haben die Natur geschädigt. Dann hat man verloren, wir sind doch selber Natur, Mensch = Tier. Was schädigen wir denn?“, zeigte sich der Autor fassungslos. Er empfiehlt, die Aussagen umzudrehen: „Ja wir machen auch Fehler, aber wir haben schon dieses oder jenes verbessert und eingeführt etc.“

„Viele Gegner sind Apokalyptiker, wie es sie auch schon vor Jahrhunderten gab, nur haben sie heute Mittel, um ihre Hassbotschaften zu streuen. Laut dem Kommunikationsexperten wollen sie eine Wende, das müsse man zurückweisen. „Wir brauchen keine Agrarwende!“.
 
Das Problem sei heute, dass die Landwirtschaft keine positiven Bilder vermitteln kann. Die Realität als Rechtfertigung interessiere keinen. „Wir müssen von den Kampagnen der Kritiker lernen und solche Aktionen mit eigenen Inhalten füllen. Etwas Witziges ist gut, nicht diese defensiven Aktionen des Berufsstandes, wo ein Landwirt in den Boden greift und bettelt, lass uns doch leben“, so Alfs provokativ.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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