ARD Exclusiv: Propagandaschlacht Gentechnik

Recherchen von report München für die ARD-Sendung „Exclusiv im Ersten“ sollen zeigen, dass sich mit der Gentechnik keinesfalls höhere Erträge bei gleichzeitiger Reduzierung des Pflanzenschutzes erreichen lassen. So würden die Erträge mit gentechnisch verändertem Saatgut oft nach wenigen Jahren zurückgehen.

Recherchen von report München für die ARD-Sendung „Exclusiv im Ersten“ sollen zeigen, dass sich mit der Gentechnik keinesfalls höhere Erträge bei gleichzeitiger Reduzierung des Pflanzenschutzes erreichen lassen.

So würden die Erträge mit gentechnisch verändertem Saatgut oft nach wenigen Jahren zurückgehen. In der Folge müsse mehr gespritzt und gedüngt werden, um die gleichen Erträge wie zuvor mit herkömmlichen Saatgut zu bekommen, heißt es.

Die Reporter sichten dazu Felder mit gentechnisch verändertem Pflanzen in den USA sowie in Brasilien und Argentinien. In den USA seien bereits Millionen von Hektar Acker aufgegeben worden, weil Unkräuter nicht mehr bekämpft werden können. Grund sei die Glyphosattoleranz der Kulturen, weshalb nur noch ein Mittel angewendet würde. Irgendwann würden jedoch die umliegenden Unkräuter resistent und die Wirkung verpuffe.

Prof. Mike Owen von der Iowa State University fordert daher im Interview mit report München ein Umdenken– weg vom reinen Herbizid-Einsatz und Monokulturen, zurück zu mehr Handwerk. Er ist dabei nicht prinzipiell gegen Gentechnik. Aber so, wie ihre Instrumente aktuell eingesetzt würden, könnte es ihm zufolge zu einer Katastrophe führen. "Die Bildung von Resistenzen wird immer schlimmer werden. Die Produktivität wird abnehmen, Kosten werden steigen, und die Nahrungsmittelproduktion könnte davon betroffen sein. Wenn wir uns nicht anpassen und mehr auf unterschiedliche Methoden setzen, könnte es passieren, dass das Unkraut die Ernte irgendwann unmöglich macht."

Noch schlimmere Auswirkungen hatte der großflächige Anbau von Gentechnik laut den Reportern in Brasilien. Hier wird Bt-Mais angebaut, der selbst ein Insektengift bildet, das Schädlinge abwehren soll. Ähnliches wurde mit Baumwolle versucht. Doch anstatt so die Schädlinge in den Griff zu bekommen, musste die brasilianische Regierung in einigen Regionen den Notstand ausrufen, heißt es weiter. Die Insekten seien sehr widerstandsfähig geworden. Am Ende musste statt weniger, mehr behandelt werden.

Regierungen werden unter Druck gesetzt

Je stärker die Kritik an der Gentechnik zunimmt, desto mehr erhöhen die Gentechnik-Konzerne offenbar den Lobbydruck, so die Autoren weiter. Zunehmend würden sie ganze Regierungen mit einspannen, wie auch ehemalige Leiter des Referats Gentechnik im Bundeslandwirtschaftsministerium Wolfgang Koehler bestätigt:

"Ich habe verschiedentlich erleben müssen wie die Regierung der USA Druck auf kleinere Staaten ausgeübt hat. Ich habe das erlebt als Präsident des UN-Gremiums für Grüne Gentechnik, dem so genannten Cartagena-Protokoll, wo mir Kollegen dann gesagt haben, dass sie bestimmte Einigungen vom Vorabend nicht mehr aufrecht erhalten konnten, weil offensichtlich der amerikanische Botschafter in ihren Heimatregionen interveniert hat. Ich habe es erlebt, dass die serbische Regierung vom amerikanischen Botschafter unter Druck gesetzt wurde in einem Gespräch, mit dem Petitum, doch möglichst schnell oder baldigst die dortige Gentechnik-Politik, die sehr kritisch eingestellt war, zu ändern, weil das ansonsten auf anderen Gebieten Konsequenzen hätte."

Belegt würden seine Aussagen von diplomatischen Dokumenten, die die Internetseite Wikileaks veröffentlicht hat. Außerdem soll report München ein Strategiepapier des Gentechnikverbandes EuropaBio vorliegen. Im Papier sei ein „neuer strategischer Ansatz -  ein Gesamtpaket“ beschrieben, um der Gentechnik in Europa zum Durchbruch zu verhelfen. Mehrere Staaten wie Frankreich und Deutschland werden aufgelistet und zudem wie man deren politische Zustimmung erhalten könnte. Dabei werde auch die Option aufgezeigt, dass einige Staaten ein nationales Anbauverbot erlassen könnten, „unter der Bedingung vorgeschlagen, dass die Mitgliedstaaten nicht gegen die Anbauprodukte stimmen“ - sprich sich nicht gegen europaweite Zulassungen wehren, so report München.

Koehler fürchtet nun, einige wenige Konzerne könnten die Kontrolle über die globale Nahrungsmittelproduktion bekommen. "Wer hat eigentlich was davon, habe ich mich auch immer gefragt. Da ja der Verbraucher offensichtlich ja auch nichts davon hat – weder ist das Essen besser, noch ist es billiger, noch irgendwas – also wer hat was davon? Und irgendwann stellt man mal fest: Eigentlich der ökonomische Vorteil dieses Modells liegt  in der Patentierbarkeit. Das heißt, Sie sind als Inhaber dieser Patente Herrscher, nach wie vor, über alles was mit diesem Saatgut geschieht", so Köhler.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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