top agrar plus Interview

Auernhammer sieht Schnittmengen zwischen CSU und Grünen

Sollte es nach der Bundestagswahl auf eine Koalition von Union und Grünen hinauslaufen, kann sich Artur Auernhammer durchaus eine konstruktive Arbeit zugunsten einer bäuerlichen Landwirtschaft vorstellen.

Offen für eine Zusammenarbeit mit den Grünen zeigt sich der agrarpolitische Sprecher der CSU im Bundestag, Artur Auernhammer. „Ich könnte mir vorstellen, dass in der Landwirtschaftspolitik einiges geht mit den Grünen“, sagt Auernhammer im Interview mit AGRA-EUROPE. Voraussetzung sei aber, „dass die Grünen es ehrlich meinen mit einer bäuerlich geprägten Landwirtschaft.“

In diesem Zusammenhang kritisiert der CSU-Politiker erneut die ablehnende Haltung der grünen Länderagrarminister gegenüber einer Kappung und Degression der Direktzahlungen.

Auernhammer betont den Anspruch der Union auf das Bundeslandwirtschaftsministerium und fordert zusätzliche Kompetenzen im Bereich der ländlichen Entwicklung. Die von seiner Partei 2018 durchgesetzte Bildung eines Innen- und Heimatministeriums habe sich nicht bewährt. Ziel müsse es diesmal sein, das Landwirtschaftsministerium zu einem Wirtschaftsministerium im ländlichen Raum auszubauen und die Federführung für die Erreichung gleichwertiger Lebensbedingungen hinzuzuholen.

Der langjährige Parlamentarier beklagt ein „Bauernsterben“ im Bundestag. Zwar sehe es im Hinblick auf landwirtschaftliche Vertreter in der CSU „nicht ganz so finster“ aus wie in anderen Parteien. Allerdings könne auch die CSU „bäuerlichen Nachwuchs“ gut gebrauchen.

Man darf es nicht laufen lassen

Mit Nachdruck bekräftigt Auernhammer seine Unterstützung für die Empfehlungen der Borchert-Kommission zum Umbau der Tierhaltung in Deutschland, räumt aber ein, dass die Frage der Finanzierung innerhalb der Union weiter ungeklärt sei. Fest stehe, „dass der Staat die Finanzierung in die Hand nehmen muss.“ Ob dafür im Haushalt Spielraum sein werde oder andere Instrumente gebraucht würden, werde man sehen. Keinesfalls wolle man den Umbau der Tierhaltung „dem Markt überlassen“.

Das Borchert-Konzept bietet dem CSU-Politiker zufolge die Chance, den Strukturwandel „in ruhigere Bahnen zu lenken“. Überlasse man die Entwicklung hingegen dem Markt „oder den Gerichten“, blieben die meisten Betriebe auf der Strecke. Auernhammer spricht sich für eine aktive Strukturpolitik aus: „Man darf es nicht laufen lassen.“ Für die CSU sei ganz klar, „klein- und mittelbäuerliche Betriebe müssen stärker unterstützt werden als Großbetriebe.“

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Das ganze Interview

Wir sind von Hause aus bescheiden

Herr Auernhammer, die Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft finden große Beachtung. Sind die Ergebnisse zustandegekommen, obwohl kein Politiker dabei war oder weil kein Politiker dabei war?

Auernhammer: Wahrscheinlich ist da etwas gelungen, weil die Politik den Auftrag dazu erteilt hat. Offenbar wurde von allen Seiten sehr fachlich argumentiert. Das ist immer die Voraussetzung für gute Ergebnisse.

Warum hat das in der GroKo nicht geklappt?

Auernhammer: An der Union lag es bestimmt nicht. Unser Koalitionspartner, aber vor allem viele Verbände hatten zu wenig im Blick, dass Landwirtschaft nicht nur dazu da ist, die Umwelt zu schützen. Landwirtschaft heißt eben auch Lebensmittelproduktion und sichere Ernährung. Die Zukunftskommission hat das offenbar erkannt. Sonst hätte man sich nicht verständigen können.

Was ist für Sie die Kernbotschaft der Zukunftskommission Landwirtschaft?

Auernhammer: Ein Ausgleich zwischen Landwirtschaft und gesellschaftlichen Ansprüchen, zwischen Lebensmittelerzeugung und Umweltbelangen ist möglich. Voraussetzung dafür ist die Erkenntnis, dass Landwirtschaft auch Ernährungssicherung heißt.

Welchen Stellenwert haben die Empfehlungen für die Politik?

Auernhammer: Ich denke, es ist eine gute Richtschnur für eine künftige Koalition. Für die Union kann ich das uneingeschränkt sagen. Ich hoffe, mögliche Koalitionspartner kommen zur gleichen Einsicht.

Die Empfehlungen gehen in wesentlichen Punkten über Positionen der Union hinaus. Beispiele sind das Auslaufen der flächengebundenen Direktzahlungen in der übernächsten Förderperiode und das Bekenntnis zu einer stärker pflanzenorientierten Ernährung. Warum war die Union bei diesen Themen bisher so zögerlich?

Auernhammer: Wir haben die Interessen der Landwirte im Blick. Deswegen wehren wir uns dagegen, sie zu überfordern und die landwirtschaftliche Erzeugung in Deutschland zu gefährden. Bei den Direktzahlungen bleiben wir bei unserem Absatz, kleine und mittlere Betriebe stärker zu fördern. Dass wir im Sinne einer gesunden Ernährung künftig vor allen auf höherwertiges Fleisch setzen sollten, ist nachvollziehbar.

Sollte der Staat den Umstieg auf eine pflanzenbasierte Ernährung fördern, wie die Zukunftskommission fordert?

Auernhammer: Diesen Trend gibt es doch längst. Der Markt mit veganen und vegetarischen Produkt wächst enorm; im letzten Jahr ist der Umsatz um knapp 40 % gestiegen. Gleichzeitig gibt es einen Rückgang beim Fleischverzehr. Das muss politisch begleitet werden, ohne aber dem Einzelnen vorzuschreiben, wieviel Fleisch er noch essen darf.

Was heißt politisch begleiten?

Auernhammer: Das heißt vor allem Ernährungsbildung und Vermittlung von Kompetenzen für eine gesunde Ernährung.

Mit dem Rückgang des Fleischkonsums wird auch die Erzeugung sinken. Was bedeutet das für die Tierhalter?

Auernhammer: Die Tierhalter müssen sich der Herausforderung stellen, dass sie gesellschaftliche Anforderungen erfüllen müssen. Da sind wir beim Tierwohl. Die Aufgabe wird sein, die Forderung nach mehr Tierwohl mit dem berechtigten Anspruch der Tierhalter in...

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