Vom Fleisch gefallen?

Auf Veggietrend reagieren statt ihn zu verurteilen

Der Verzehr von Fleisch ist in der Diskussion. Die Gruppe der Vegetarier und Veganer ist zwar klein. Aber ihr Thema verschwindet nicht, indem man es belächelt oder als Angriff betrachtet.

Ein Kommentar von Dr. Marit Schröder, Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Fleisch essen ist ökologisch und ethisch nicht korrekt, sagen die einen. Avocados ­essen aber auch nicht, entgegnen die anderen. Zwei Fronten, ein Thema: Fleischkonsum und seine Folgen.

Rund 6,5 Mio. Menschen leben in Deutschland laut Statistischem Bundesamt vegetarisch, 1,1 Mio. vegan. Dass es sich dabei nicht nur um eine Momentaufnahme handelt, darauf deutet auch der jüngst veröffentlichte „Fleischatlas“ hin. Insbesondere die junge, nachrückende Generation ernährt sich zunehmend fleischloser.

Fest steht: Die Ernährungsgewohnheiten ändern sich. Persönlich kann man dazu stehen, wie man mag. Man kann den sogenannten „Veggie-Wahn“ kleinreden oder als weltfremd abtun. Besser wäre es aber, die Entwicklung anzuerkennen. Noch besser: auf sie zu reagieren. Denn aufzuhalten ist sie nicht. Die nachwachsende Generation wird sich stärker aus alternativen Proteinquellen ernähren.

Der Handel reagiert

Handel und Industrie haben das längst erkannt – und fahren dicke Gewinne ein. Der Absatz von Fleischersatzprodukten boomt. Im ersten Quartal 2019 lag er laut Statistischem Bundesamt um 37 % höher als im Vorjahr. Für die Rügenwalder Mühle war 2019 gar ein Rekordjahr – dank früh etablierter vegetarischer Produktlinie.

Klimakiller Avocado?

Die Rohstoffe der vegetarischen und veganen Produkte werden derzeit überwiegend nicht ­regional angebaut. Die Umweltbilanz vieler Veggie-­Produkte ist tatsächlich fragwürdig. So ist auch der Vorwurf vom „Klimakiller Avocado“ in gängigen digitalen Kommentarspalten schnell ausgesprochen.

Aber mal ehrlich: Wem ist damit geholfen? Wäre es nicht klüger, über praktikable heimische Alternativen nachzudenken, statt die sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten als Affront gegen eigene Produktionsweisen zu ­begreifen und der jungen Generation die ökologischen Folgen ihres Ernährungsstils vorzu­werfen?

Heimische Leguminosen im Aufwind?

Richtig ist: Der zunehmende Hunger auf Fleischalternativen schafft einen neuen Markt für heimische Leguminosen. Richtig ist aber ebenso: Nicht jede Fläche eignet sich für den Anbau von Erbsen, Lupinen oder Soja. Grünland lässt sich nur über Wiederkäuer für die menschliche Ernährung nutzen.

Ein Grund, vorschnell und pauschal abzuwinken, ist dies jedoch nicht. Nur wer beiden Seiten offen begegnet, kann seine Chance als „Zukunftsbauer“ nutzen. Denn Landwirte produzieren nicht nur für „Fleischesser“. Auch die Zutaten eines vegetarischen oder veganen Menüs stammen aus der Landwirtschaft.

Wie ist ihre Meinung? Diskutieren Sie weiter!
Als angemeldeter Nutzer können Sie hier beim Wochenblatt gern einen Kommentar unterhalb des Original-Artikels hinterlassen. Wir freuen uns auf ihre Meinung!

Hinweis: Gastkommentare geben nicht in allen Bereichen die Meinung der Redaktion wieder. Wir veröffentlichen sie dann, wenn wir sie für einen interessanten Diskussionsbeitrag zur Weiterentwicklung der Landwirtschaft halten. Wie stehen Sie dazu? Wir freuen uns auf Ihren Kommentar unten.

Die Redaktion empfiehlt

Der Fleischkonsum der unter 30-jährigen in Deutschland nimmt spürbar ab. Wissenschaftler sehen darin einen politischen Trend und keine Geschmacksfrage.

Corona hat den Glauben an globale Lieferketten erschüttert. Und könnte genau dabei Verbraucher und Erzeuger wieder näher zusammenbringen.


Diskussionen zum Artikel

von Hermann Helmers

Es fängt immer langsam an

Natürlich kann jeder essen was er mag. Aber wieviel Chemie im Veganen "Fleisch " ist, wird verheimlicht. Wenn die Bauern es in so einer Konzentration auf dem Acker bringen würde, wäre es verboten. Ich bin stolz darauf, das ich Fleisch produziere und ich bin dafür das wir Bauern Firmen ... mehr anzeigen

von Jürgen Greiner

Abkehr vom Fleisch ist Ergebnis unfairer Preise

Insbesondere junge Menschen verzichten auf tierische Nahrungsmittel, weil ihnen die Haltungsbedingungen unserer Nutztiere nicht gefallen. Die Bauern sollten in Sachen Tierschutz Vorreiter und nicht Getriebene sein, wenn sie ihren Markt erhalten wollen. Alle Wünsche können erfüllt ... mehr anzeigen

von Peter Beiersdorfer

Entschuldigung

Herr Greiner einfach weiter träumen, was der Verbraucher laut Umfragen von sich gibt hat im Laden keine Bedeutung mehr, leider.

von Hermann Freese

Frau Dr.:

In der Regel verurtielen die Landwirte nicht die Veganer und schon gar nicht die Vegetarier. Zumindest nicht dafür, dass jene soch gerne ernähren, wie sie es wollen. Der Punkt ist, dass Veganer andersrum nicht akzeptieren können, dass Menschen Fleisch essen, bzw. Tiere nutzen oder ... mehr anzeigen

von Gregor Grosse-Kock

Defamierungen

Ich kann Hr Freese nur zustimmen! Zudem gibt es zu Bedenken: Zwei - Drittel der Landwirtschaftlichen Nutzflächen Weltweit ist Grünland! Fr Schröder können Sie Gras?

von Hermann Kamm

Soll doch jeder fressen

was er will. Wir Landwirte können nur Nahrungsmittel erzeugen und anbieten. Was der Verbraucher macht ist seine Sache.

von Wilfried Maser

Wir sollten

darüber und mit den Vegetarier und Veganer nicht diskutieren, sondern versuchen Ihnen entsprechende Lebensmittel möglich teuer zu verkaufen. Über die möglichen negativen Folgen für Heranwachsende sollen sich Ärzte und Apotheker kümmern. Wenn ich gefragt werde antworte ich, ab und ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Ich bin Flexiarier.

Ungefähr einmal im Monat lasse ich ein Bifi weg und esse ein Snickers ;-)

von Konrad Meyer

Das Ganze wäre kein Problem,

wäre dieser mediengehypte und auf vielen Lügen basierende Trend nicht mit widerlichster Hetze gegen Tierhalter verbunden. Die Shitstorms gegen Landwirte.. verbunden mit Morddrohungen und Beleidigungen sind legendär. Im Übrigen machen die hochgejubelten Fleischersatzprodukte gerade ... mehr anzeigen

von Christoph Blankenburg

Jedem Menschen steht es frei...

... sich so zu ernähren wie er möchte und jedem Landwirt steht frei zu produzieren was einen legalen Markt findet. Der Missionierungseifer der Veganer und Vegetarier darf aber nicht so weit gehen, dass er Andersdenkende verunglimpft, indem er behauptet, Fleisch zu essen sei für den ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Apropos Naturvolk.

Die Indianer haben ein Wort für "Vegetarier", das man auch übersetzen kann mit "zu dumm zum Jagen"

von Klaus Schonlau

Fokkusierung auf kleinst und Splittergruppen

Wann nehmen wir als Landwirte und vorallem auch unsere Berufsvertretung, inclusive deren Fachzeitschriften, entlich wieder die große Mehrheit unserer Kunden in den Fokus. Statt sich um kleinst und Splittergruppen zu kümmern. Auch morgen früh werden sich wieder über 95% der Verbraucher ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Veggie...

Statistik ist das „Glaubhaftmachen der Lüge“ sagte man früher( gilt auch heute noch,Frau Dr. Schröder). Auch gegen diese Krankheit wird man einen Impfstoff finden müssen...

von Guido Müller

ökologisch und ethisch?

"Fleisch essen ist ökologisch und ethisch nicht korrekt,..." Aus: Jugend verzichtet zunehmend auf Fleisch "Klimaschutzbewegung ist Treiber für Fleischreduktion ---Die Wissenschaftler ziehen einen Bezug zur Bewegung „Fridays for Future“, die zu einem wichtigen Treiber für ... mehr anzeigen

von Guido Müller

ökologisch und ethisch?

"Fleisch essen ist ökologisch und ethisch nicht korrekt,..." Aus: Jugend verzichtet zunehmend auf Fleisch "Klimaschutzbewegung ist Treiber für Fleischreduktion ---Die Wissenschaftler ziehen einen Bezug zur Bewegung „Fridays for Future“, die zu einem wichtigen Treiber für ... mehr anzeigen

von Fritz Gruber

Vegie

Ist eine Minderheit und bleibt somit nur eine kleine Nische für uns Landwirte die unsere derzeitigen Probleme sicher nicht lösen kann

von Peter Beiersdorfer

achja......

Es ist ja wissenschaftlich nachgewiesen das das menschliche Gehirn sich durch den Fleischverzehr es entwickeln konnte im laufe der Evolution und jetzt merkt man halt das es bei manchen sich wieder zurück bildet.

von Peter Beiersdorfer

Naja

wenn ich sehe, die Hafermilch Anteil 10% im ltr Rest Wasser. Dann wenn ich den Nährwert mit der hochwertigen Kuhmilch vergleich dann fühle ich mich wieder bestätigt, die Verblödung der Gesellschaft schreitet in großen Schritten voran aber nicht nur bei denn Inhaltsstoffen sondern ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Irrtum der Veganer.

Kein Tier zu nutzen, macht Tiere nicht glücklicher. Sondern weniger (das Tier, das nicht benötigt wird, wird nicht in die Freiheit entlassen, sondern gar nicht erst geboren). Die richtigen Tiere zu nutzen (und dafür den nötigen Preis zu zahlen), macht Tiere tatsächlich glücklicher.

von Rudolf Rößle

Ökonomisch

gesehen sollten die Rohstoffe das dreifache kosten, dann könnte jeder Landwirt seinen Stall nach fünf Jahren umbauen oder abreißen. Das bedeutet aber auch, wenn Milchvieh sich im Moment nicht rechnet: Stalltüre zu. Da wird der Aufschrei aber auch groß sein und den Tierhalten fällt ... mehr anzeigen

von Günter Schanné

Tierhaltung reduzieren

würde schon ausreichen. Baldiges Ende der tierschutzwidrigen ganzjährigen Anbindehaltung würde die Tierzahl und vor allem die Milchmenge drastisch reduzieren. Und den Milchpreis anheben. Allerdings sehr zum Unmut von BBV und Milchverarbeitern.

von Wilhelm Grimm

Falsche Wahrnehmung !!!!!

Wer greift denn hier wen an ? Die Fleischesser werden doch von den Veganern als minderwertig verunglimpft. Das tun wir nicht, aber wir weisen auf die Gefahren einer Mangelernährung hin.

von Heinz Scholte-Meyerink

!!!

Das ehe ich auch so! Wenn sich jemand vegan ernähren möchte, ist das sicher nicht besonders gesund! Aber andere Menschen leben teilweise auch ungesund! - Was mich aber aufregt ist, daß die Veganer uns "Fleisch- und Pflanzen(f)resser" missionieren wollen!!! Es fordert doch auch niemand, ... mehr anzeigen

von Heinrich Albo

Sie haben pro und contra von

Veganer Ernährung sehr gut wieder gegeben Frau Dr.Schröder. In den letzten 35 Jahren ist der Anteil von 3 auf 6-7% gestiegen.....Was denken sie wie schnell sich der Anteil der Veganer erhöhen wird?? Die Natur lässt sich nicht durch Ideologie überlisten. Der weltweite Fleischbedarf ... mehr anzeigen

von Claus Mahnken

Rohstoffe

Rügenwalder Mühle wird die Rohstoffe nicht selber anbauen,daß überlassen sie den Bauern. Durch die Veredelung der Rohstoffe zu Fleischersatzprodukten werden hohe Gewinne erziehlt, daher die intensive Werbung.

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Die Landwirtschaft passt sich doch an,

Frau Dr. Schröder. Die Tierzahlen nehmen ab, die Tierhalter geben im Generationenwechsel ihre Betriebe auf. Und die Nahrung aus der Retorte wird nicht mehr in bäuerlichen Betrieben hergestellt.

von Erwin Schmidbauer

Vegane Mangelernährung

Tatsächlich sollte die Landwirtschaft gelassener mit dem Trend zu Vegetarismus und Veganismus umgehen, da sollten wir offen sein. Die Landwirtschaft wird sich anpassen, wenn der Bedarf entsprechend ist. Aber rein vegane Ernährung ist nicht empfohlen, da es doch Mängel gibt, darübe ... mehr anzeigen

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen