G7-Treffen und Ukrainekrieg

Baerbock warnt bei G7-Treffen vor Ernährungskrise

Deutschland hebt bei seiner G7-Präsidentschaft die weltweite Ernährungssicherheit nach ganz oben. Außenministerin Baerbock, Agrarminister Özdemir und Entwicklungsministerin Schulze rücken zusammen.

Die G7-Gruppe der führenden demokratischen Industrienationen will sicherstellen, dass die Ukraine trotz des russischen Angriffskriegs ein bedeutender Getreideexporteur bleiben kann. Man berate gemeinsam darüber, wie man die von Russland ausgeübte Getreideblockade brechen und ukrainisches Getreide in die Welt bringen könne, sagte Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) am Donnerstag zu Beginn von Beratungen mit Kolleginnen und Kollegen aus den anderen G7-Staaten in Weißenhäuser Strand an der Ostsee. Derzeit seien wegen des Kriegs 25 Millionen Tonnen Getreide in ukrainischen Häfen blockiert, insbesondere in Odessa.

Baerbock warnte vor einer Ernährungskrise vor allem in Afrika und dem Nahen Osten infolge des Kriegs. „Diese Ernährungskrise, die sich da am Himmel zusammenbraut, wird verschärft durch die globalen Klimaauswirkungen“, so Baerbock. Es gelte nun für die sieben reichsten Demokratien der Welt, diese Länder nicht im Stich zu lassen, sagte sie.

Özdemir setzt auf Hilfe der G7 für Getreideexport aus der Ukraine

An diesem Wochenende findet zudem in Stuttgart das von Agrarminister Cem Özdemir (Grüne) ausgetragene Treffen der G7-Agrarminister statt. Özdemir warf Russland im Vorfeld erneut vor, den Hunger gezielt als Waffe einzusetzen. Man suche mit der EU und den europäischen Partnern nach alternativen Transportwegen für ukrainisches Getreide - auf dem Landweg, auf der Schiene oder über die Donau, sagte Özdemir am Freitagmorgen im Deutschlandfunk.

Der Landwirtschaftsminister setzt bei den Gegenmaßnahmen zur aktuellen Lage auf den Getreidemärkten vor allem auf die G7 und betont die enge Abstimmung mit seinen Ressortkollegen aus dem Außen- und Entwicklungsministerium.

Kommende Woche Mittwoch treffen sich die G7 Entwicklungsminister unter Leitung der deutschen Ministerin Svenja Schulze (SPD) in Berlin. Auch Schulze wirbt im Vorfeld für „ein Bündnis für globale Ernährungssicherheit“.

Russland kündigt Rekordernte für Weizen an

Derweil kündigte Russlands Präsident Wladimir Putin in diesem Jahr eine Rekordernte beim Weizen und eine Steigerung des Exports an, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Nach vorläufigen Schätzungen könnte sich die Getreideernte auf 130 Mio. t belaufen, darunter 87 Mio. t Weizen, zitiert die dpa den Kremlchef. Seinen Angaben nach wäre das ein Rekord beim Weizen. Der Rekord erlaube es Russland, nicht nur problemlos seine eigenen Bedürfnisse zu decken, sondern auch die Lieferungen auf den Weltmarkt für seine Partner zu steigern, habe Putin gesagt.

Die Ukraine wirft allerdings Russland vor, ukrainische Getreidelager geplündert und Agrarprodukte ins eigene Land gebracht oder vernichtet zu haben. Am Donnerstag sagte der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba im ARD-Morgenmagazin, Russland handele jetzt mit ukrainischem Getreide, das es in der Südukraine in Besitz genommen habe.

Wegen der angespannten Lage hat die EU-Kommission einen Aktionsplan veröffentlicht, wie Exporte der Ukraine auf dem Landweg verkauft werden können. Über sogenannte Solidaritätsspuren sollen aber auch Güter wie humanitäre Hilfe ins Land gebracht werden.

Die EU-Kommission ruft nun private und staatliche Stellen auf, mehr Fahrzeuge zur Verfügung zu stellen und eine Logistikplattform einzurichten, um Prozesse zu koordinieren. Lebensmittelexporten aus der Ukraine solle Vorrang eingeräumt werden, und EU-Staaten seien auch aufgerufen, den Zoll und andere Stellen mit ausreichend Personal auszustatten sowie "ein Höchstmaß an Flexibilität walten zu lassen".


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