Bartmer äußert sich ausführlich zu Kritik an moderner Tierhaltung

Mit Begriffen wie Massentierhaltung, Agrarfabriken, organisierte Tierquälerei oder Billig-Massenware wird vielfach versucht, den Rest der Welt vor dem Konsum-Irrtum der Industrieländer zu warnen, kommentierte DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer auf der EuroTier die immer wieder zu hörenden Angriffe aus der Öffentlichkeit.

Mit Begriffen wie Massentierhaltung, Agrarfabriken, organisierte Tierquälerei oder Billig-Massenware wird vielfach versucht, den Rest der Welt vor dem Konsum-Irrtum der Industrieländer zu warnen, kommentierte DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer auf der EuroTier die immer wieder zu hörenden Angriffe aus der Öffentlichkeit. „Dies passt aber nicht zu der anderen Welt, in der Menschen mit Begeisterung die ganze Vielfalt aus Rind und Schwein, Huhn und Fisch zur Bereicherung ihres globalisierten Speisezettels nutzen und daraus physiologische Ernährungsvorteile ziehen“, erläuterte Bartmer.
 
Diese Menschen würden für sich genau das in Anspruch nehmen, was für viele an den privilegierten Orten dieser Welt zur Selbstverständlichkeit geworden ist, die Konsumentensouveränität. Es sei Ausdruck eben dieser Konsumentensouveränität, wenn die FAO sehr nüchtern allein eine Verdoppelung zum Beispiel des Fleischkonsums bis zum Jahr 2050 auf rund 500 Mio. t. schätzt. Daher sei es Aufgabe an einen verantwortungsvollen Agrarsektor mit seinen professionellen Tierhaltern, die Produktivität im besten Sinne der Nachhaltigkeit deutlich zu steigern.
 
Dennoch gelte es nach Ansicht des DLG-Präsidenten, strukturelle gesellschaftliche Veränderungen im Umfeld wahrzunehmen. Das Halten von Nutztieren sei insbesondere in den wohlhabenden Ländern Europas noch nie so fundamental hinterfragt worden. So nehme heute eine umfassende gesellschaftliche Diskussion um Tierwohl, um Qualität, um negative externe Effekte der Tierhaltung auf Luft und Wasser, ja sogar um das Lebensgefühl auf dem Lande breiten medialen Raum ein. Der Lebensmittel-Einzelhandel betrachte sehr sensibel seine Regale, in denen die Verbraucher noch immer nach dem Preiswertesten greifen. Gegenwärtig sei ein Wettlauf um Labels in Sachen Tiergerechtheit und Produktqualität ausgebrochen, deren Sinn und deren Kosten noch gar nicht zu greifen sind.

"Wir haben eine kommunikative Bringschuld!"

Auch nehme der politische Druck auf die Tierhalter enorm zu. Die ständig neuen Anforderungen und Auflagen seien deutliche Zeichen. Das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, das Einfordern von Rechtspositionen, zum Beispiel beim Stallbau, werde der Land- und Ernährungswirtschaft nicht reichen in einer Gesellschaft, die zunehmend Entscheidungsstrukturen kritisiert.
 
„Wir müssen viel stärker als bisher erklären, was wir in unseren Ställen machen. Diese Aufgabe müssen wir offensiv annehmen“, betonte Bartmer. Gerade Landwirte seien umfänglich eingebunden in lokale Strukturen, in kommunale Parlamente, Vereine, Kirchen und diverse Freundeskreise. Gerade dort würden sie als vertrauensvolle und authentische Persönlichkeiten wahrgenommen. Dazu komme, dass sie unmittelbar mit den konkreten Produktionsprozessen vertraut sind und diese auch nachvollziehbar begründen können.
 
Es besteht nach Ansicht des DLG-Präsidenten eine kommunikative Bringschuld der gesamten Branche, aber insbesondere auch jedes einzelnen Betriebes. Kommunikation mit der Gesellschaft sei im landwirtschaftlichen Unternehmen und in der Branche ein zu lange nicht mit notwendiger Aufmerksamkeit wahrgenommener Erfolgsfaktor. Für die großen Reizthemen bleibe Bartmer zu Folge nur das harte Ringen in der Ebene. Verbände und Fachorganisationen könnten die Kommunikation für Landwirte, auch für die Hersteller von Investitionsgütern, nicht allein übernehmen, sondern diese höchstens um die komplexeren Themen erweitern. (ad)

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