Bartmer: "Glyphosat wird viel zu oft versprüht"

Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, Carl-Albrecht Bartmer, schätzt, dass sich der Einsatz von Glyphosat in Europa um die Hälfte reduzieren lässt. Er wirbt dennoch für eine weitere Zulassung des Herbizidwirkstoffs. Bei den Direktzahlungen plädiert er für eine Abkehr von der Bindung an den Hektar.

Technologieoffen und nachdenklich gibt sich der scheidende Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Carl-Albrecht Bartmer, zu Beginn der Agritechnica 2017. (Bildquelle: swenpfoertner.com)

Der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft, Carl-Albrecht Bartmer, schätzt, dass sich der Einsatz von Glyphosat in Europa um die Hälfte reduzieren lässt. Er wirbt dennoch für eine weitere Zulassung des Herbizidwirkstoffs. Bei den Direktzahlungen plädiert er für eine Abkehr von der Bindung an den Hektar.

Die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) hat sich für eine deutlich reduzierte Verwendung von Glyphosat ausgesprochen. „Glyphosat wird viel zu oft und zu umfangreich versprüht - etwa um die Ernte zu synchronisieren", sagte DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer in einem Interview zum Auftakt der Agritechnica in der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) vom Montag. In Europa ließe sich der Einsatz vermutlich um die Hälfte reduzieren, so Bartmer weiter.

Der scheidende DLG-Präsident warb in dem Interview allerdings für eine Verlängerung der Zulassung: „Glyphosat hat im Unterschied zu vielen anderen Mitteln sehr wenige ökologische Nebenwirkungen“, sagte er. Zudem könne durch den Einsatz von Glyphosat beim Anbau weitgehend auf den Pflug verzichtet werden, fügte Bartmer an. Das vermindere die Erosionsgefahr, den Energieverbrauch und somit die CO2-Emission. „Und an einem schwarzen Acker haben weder Käfer noch Niederwild ihre Freude“, sagte Bartmer.

Zertifizierungssystem statt Hektarprämie

Bartmer spricht sich in dem Interview von einer Abkehr von der Bindung der Direktzahlungen an die Hektarfläche aus. „Landwirte sind zu über 60 Prozent Pächter, die Beihilfen sind aktuell an die Hektarfläche gekoppelt - damit treiben sie Pachtpreise und landen letztlich beim Verpächter. Das kann nicht das Ziel sein, wenn die Beihilfen Einkommen der Landwirte und den nachhaltigen Anbau befördern sollen“, sagte er. Die Steuerzahler dürften erwarten, dass öffentliches Geld auch für den Schutz öffentlicher Güter verwendet werde, nahm Bartmer eine Forderung, die oft in der Gesellschaft erhoben wird, auf. „Nötig ist deshalb ein Zertifizierungssystem, das die konkreten Anstrengungen der Bauern transparent macht und belohnt“, schlägt Bartmer vor. Die Landwirte würden dadurch am Ende kein Geld verlieren, versichert er.

Das Bild vom virtuellen Bauern ist unrealistisch

Zum Start der Agritechnica präsentiert sich der DLG-Präsident gewohnt technologieoffen. Eine "Green Future", sowie sie das Motto der diesjährigen Agritechnica verspricht, sei nur möglich "mit neuesten klugen Technologien, die mehr Ertrag bei reduzierten Umweltbelastungen ermöglichen", so Bartmer. Er hob neben den Chancen, die er in der Digitalisierung für die Landwirtschaft sieht, auch das Erfahrungswissen der Landwirte hervor. „Das Bild vom Bauern, der nur noch am Schreibtisch sitzt und seine Maschinen virtuell über die Felder steuert, ist unrealistisch“, sagte er. Der nasse Herbst 2017 habe gezeigt, dass kein Algorithmus, sondern allein langjährige Erfahrung dabei weiterhelfe, zu entscheiden, wann sinnvollerweise mit der Aussaat begonnen werden sollte.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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