Joachim Rukwied zu G7

Bauern wollen Ernte 2023 absichern - Düngerpreis gefährdet Versorgungssicherheit

Joachim Rukwied fordert eine Priorisierung der Landwirtschaft bei der Gas- und somit Düngemittelversorgung und eine flexible Handhabung der Fruchtfolgen. LsV kündigt derweil eine Treckerkundgebung an.

Die Bauern produzieren derzeit ausreichend Backweizen. Der Selbstversorgungsgrad liegt sogar über 100 %. Doch ohne den knappen mineralischen Dünger könnte die Ernte 2023 zusammenschrumpfen, warnt Joachim Rukwied in seiner Funktion als Präsident des Landesbauernverbandes Baden-Württemberg (LBV).

„Die entscheidende Frage für die Ernährungssicherung ist, wie wir bei der aktuellen Düngemittelknappheit die Ernte 2023 auf den Weg bringen können. Wir müssen jetzt entsprechende Maßnahmen einleiten, damit die Versorgung mit ausreichend Dünger gesichert ist“, so Rukwied anlässlich des G7-Agrarministertreffens in Stuttgart. Ohne diese Absicherung verschärfe sich die Ernährungskrise in Nordafrika, dem Mittleren Osten und Asien.

Am 13. und 14. Mai treffen sich die Agrarminister der G7-Staaten in Stuttgart, um über die Auswirkungen des Krieges in der Ukraine auf die globale Ernährungssituation und Agrarpolitik zu beraten. Dabei stehen insbesondere die Getreidemärkte und die angespannte Nahrungsversorgung in mehreren Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens im Fokus.

Deutschland und die EU hätten als agrarische Gunststandorte und als große Getreideexporteure eine globale Mitverantwortung für die weltweite Versorgung mit Nahrungsmitteln. „Unsere Bäuerinnen und Bauern sind bereit, ihren Beitrag zu leisten, um Versorgungsengpässe an Lebensmitteln in anderen Teilen der Erde zu reduzieren“, erklärte der Landwirt am Freitag.

„Dazu schöpfen die Landwirte alle vorhandenen Ressourcen wie etwa Wirtschaftsdünger aus. Allerdings reicht bei rückläufigen Tierzahlen der natürliche Dünger nicht annähernd aus, um die Pflanzen bedarfsgerecht zu ernähren.“ Eine ausreichende Versorgung der Kulturen mit Nährstoffen sei essenziell für gute Ernten und die Qualität der Nahrungsmittel.

Düngemittelversorgung sichern

Damit die Bauernfamilien weiterhin die Versorgungssicherheit gewährleisten können, müssten Deutschland und die EU geeignete Maßnahmen umsetzen, fordert der LBV. „Wir brauchen eine Priorisierung der Landwirtschaft bei der Gas- und somit Düngemittelversorgung und eine flexible Handhabung der Fruchtfolgen 2023. Wir erwarten von Brüssel und Berlin konkrete Vorschläge zur Reduktion der Versorgungsengpässe“, fordert Rukwied. Nach wie vor gilt: „Eine nachhaltige und leistungsfähige Landwirtschaft ist ein zentraler Schlüssel zur Lösung wichtiger globaler Herausforderungen unserer Zeit. Nur gemeinsam mit der Landwirtschaft können die Nahrungsmittel-, Energie- und Rohstoffversorgung gesichert, der Klimawandel bekämpft und die Umwelt geschützt werden“, ist sich Rukwied sicher.

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FDP: Knappheiten mit Ertragssteigerung begegnen

Frau

Carina Konrad (Bildquelle: Pressebild)

FDP-Fraktionsvize Carina Konrad dringt unterdessen auf einen Ausbau der Nahrungsproduktion. „Der Knappheit an Agrarrohstoffen müssen wir mit Ertragssteigerung begegnen. Nicht nur bei uns in Deutschland, sondern weltweit“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Pläne zur Ausweitung der Biolandwirtschaft mit ihrem enormen Flächen- und Ressourcenverbrauch leisteten aktuell keinen Beitrag zur Lösung.

Ein wichtiger Baustein dafür sei auch grüne Biotechnologie, die es erlaube, Erträge nachhaltig zu steigern, schädliche Auswirkungen auf Wasser, Böden und Biodiversität zu reduzieren und zugleich dem Klimawandel zu begegnen.

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LsV BW plant Treckerdemo in Stuttgart

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Jeder Hof, der für immer die Tore schließt, ist einer zu viel, sagt LsV. (Bildquelle: LsV BW e.V.)

Anlässlich des G7 Agrarministertreffens plant Land schafft Verbindung Baden-Württemberg (LsV) am Samstag eine Schlepperdemo mit kleiner Kundgebung beim Schloß Hohenheim (Stuttgart). Der Schlepperkorso macht sich um 9 Uhr ab Vaihingen-Pulverdingen auf den Weg. Um 10 Uhr sammeln sich die Teilnehmer am Cannstatter Wasen. Um 11 Uhr erwarten sie, in Hohenheim anzukommen.

Wie der Verein mitteilt, hätten die Bauern große Sorge um den Fortbestand der Höfe, da die gestiegenen Kosten durch den Ukraine-Krieg sich nicht in den Erzeugerpreisen widerspiegeln. Deshalb müsse dringend die Stellung der Erzeuger in der Wertschöpfungskette verbessert werden.

  1. Verkaufsverbot unter den durchschnittlichen Produktionskosten wie es im Koalitionsvertrag der Ampelregierung steht, zu prüfen und auch umzusetzen!
  2. Verpflichtende Verträge zwischen Erzeugern und Verarbeitern, die im Voraus mindestens den Preis, die Menge und den Lieferzeitraum enthalten!
  3. Zur kurzfristigen Stabilisierung der Liquidität der landwirtschaftlichen Betriebe – das Aussetzen der Mineralölsteuer für Agrardiesel!
  4. Auf Brachflächen muss es erlaubt sein Blühmischungen oder Leguminosen anzubauen.
  5. Der jährliche Fruchtwechsel auf Ackerfläche muss prozentual beschränkt werden.
  6. Eine Winterfurche für Sommerrungen muss auch nach 2022 noch möglich sein.

Sollten diese Maßnahmen nicht umgesetzt werden, rechnet LsV mit einem noch größeren Strukturbruch.

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Umweltorganisationen fordern deutliches Signal gegen Welthunger

Slum

Slum (Bildquelle: pixabay.de / billycm)

Die Umweltorganisationen BUND, Greenpeace, NABU, WWF Deutschland und der Umweltdachverband Deutscher Naturschutzring rufen unterdessen ihrerseits die Minister auf, das Welternährungsprogramm finanziell deutlich zu stärken, um die Versorgung in den besonders betroffenen Regionen sicherzustellen. Ziel müsse es trotz der immensen Preissteigerungen beim Getreide in den besonders betroffenen Ländern sein, Hungerkrisen zu verhindern und weitere Konflikte zu vermeiden. Denn Ernährungssicherung sei auch Friedenssicherung.

Zudem halten es die Naturschutzverbände für notwendig, die Getreidemärkte wirksam zu entlasten und die begrenzte landwirtschaftliche Fläche sinnvoller zu nutzen. Angesichts der drohenden globalen Hungerkrise dürften Lebensmittel, etwa Pflanzenöle oder Backweizen, nicht länger zu Biokraftstoff verarbeitet oder an Tiere verfüttert werden, so eine Kritik. Stattdessen müssten sie zur Verfügung stehen, um in der jetzigen Situation Menschen ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen.

Gleichzeitig fordern die Umweltschützer resiliente, krisenfeste Agrarsysteme. „Gerade in Zeiten, in denen Dürreperioden sich häufen, werden die enormen Risiken der Klimakrise immer deutlicher. Der gleichzeitige Verlust der Biodiversität verstärkt dabei die negativen Auswirkungen auf unsere Agrarökosysteme erheblich. Wir brauchen eine Landwirtschaft, die Arten und Klima schützt und damit dauerhaft die Produktionsgrundlagen und Ernten gewährleistet“, so der abschließende Appell der Verbände an die Politik.


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