Agrarpaket

Bauernproteste: Grüne Woche soll verbinden

Die Grüne Woche 2020 soll Bindeglied in der aufgeheizten Debatte zwischen Landwirten und Gesellschaft werden. Bauernpräsident Rukwied hofft auf ein Zugehen beim Insektenschutzprogramm.

Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, erkennt eine größere Wahrnehmung der Landwirtschaft in der gesamtgesellschaftlichen Debatte. „Landwirte demonstrieren, das Thema Landwirtschaft ist in der Mitte der gesellschaftlichen Diskussion angekommen“, sagte er am Mittwoch bei der Eröffnungspressekonferenz zur Grünen Woche in Berlin. Für die Landwirte stehe dort in den kommenden zwei Wochen der Austausch zwischen Gesellschaft und Landwirtschaft ganz oben auf der Agenda.

Rukwied stellt Offenheit der Landwirte heraus

Mit Blick auf die für Freitag angekündigten Bauernproteste von „Land schafft Verbindung“ und die „Wir haben es satt" Demonstration von Landwirten und Zivilgesellschaft am Samstag sagte Rukwied, er setze auf vertiefte Gespräche mit allen Organisationen auch den Naturschutzorganisationen.

Die Landwirte seien zu Veränderungen und neuen Lösungen bereit. Das gelte für den Umbau der Tierhaltung, für eine „grünere Agrarpolitik“ sowie für den Erhalt von Biodiversität und Artenvielfalt. „Eine bessere und grünere Agrarpolitik ist nur dann möglich, wenn das Agrarbudget stabil bleibt“, schränkte Rukwied allerdings ein.

Der Klimaschutz und die Auswirkungen des Klimawandels seien für die Landwirte genauso wichtig, so Rukwied. Die Landwirte bezeichnete er als „Klimapraktiker“, die die geforderten Klimaschutzmaßnahmen letztendlich umsetzen können müssten.

Baden-Württemberg soll Vorbild für neues Agrarpaket sein

Zur Debatte um das Agrarpaket forderte Rukwied erneut, dass das Aktionsprogramm Insektenschutz nochmal aufgeschnürt werde. „Das Aktionsprogramm Insektenschutz ist der falsche Ansatz, für uns ist der Ausbau des kooperativen Naturschutzes richtig“, sagte Rukwied.

Als Lösungsmöglichkeit für den Konflikt mit der Bundesregierung regte Rukwied einen Weg an, den die Baden-Württembergische Landesregierung mit ihrem Eckpunktepapier nach dem angedrohten Volksbegehren gegangen ist.

Rukwied sagte zu, dass es möglich sei den Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren, dies müsse jedoch fundiert erfolgen, schränkte er ein. Er forderte dafür außerdem mehr Beratungsleistungen für die Landwirte ein.

Messeveranstalter stellen Grüne Woche ins Zentrum der Klimadebatte

Die Messeveranstalter stellen die Grüne Woche 2020 ganz ins Zentrum der Klimadebatte. „Es ist wichtig, dass wir die Debatte über das Klima auf der Grünen Woche führen“, sagte der Vorsitzende der Messe Berlin, Christian Göke auf der Eröffnungspressekonferenz.

Die Grüne Woche spiegele damit das gesellschaftliche Bedürfnis nach Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und umweltfreundlichen Produktionsverfahren wider, sagte Göke. Die diesjährige Messe werde zeigen, welche Lösungsansätze und Antworten die Land- und Ernährungswirtschaft für diese Herausforderungen bereithalte.

Anwesend auf der Grünen Woche sind in diesem Jahr mehr als 1.800 Aussteller aus 72 Ländern. Auch die Bewegung „Fridays for Future“ ist erstmals auf der Grünen Woche mit einem Info-Stand in der Berlin-Halle vertreten.

Großes agrarpolitisches Programm rund um die Messehallen

Die Messe wird am Donnerstagabend eröffnet und findet dann vom 17. bis 26. Januar statt. Um das Messegeschehen herum gibt es ein großes agrarpolitisches Programm mit zahlreichen Fachdiskussionen über Landwirtschaft, Ernährung und Ländliche Räume.

Am Wochenende findet außerdem der internationale Agrarministergipfel mit Agrarministern aus mehr als 70 Staaten statt.

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Da wird jedes Jahr das Aushängeschild der Landwirtschaft präsentiert!

Und es gibt immer wieder Gruppen, die alles in Frage stellen. Die Bauernproteste der letzten Wochen uns Monate bleiben auf Kurs, weil unsere Politik uns nicht verstehen will! Wir müssen unseren BV hier auch mal helfen, denn alles was hier verkehrt auf den Weg gebracht wird, schadet der ganzen Landwirtschaft!

von Gerd Schuette

Das Muster bleibt das selbige: "Der Agrarbudget muss gleich bleiben" . Keine Forderung nach Veränderung der Marktregeln die zur Erhöhung der Erlöse für die Landwirte führen. Keine Forderung nach Besserstellung der Landwirte in den Wertschöpfungsketten. Das was diesen Verband treibt ist die Sorge darum, daß der Nahrungsmittelindustrie die billigen Rohstoffe ausgehen könnten.

von Rudolf Rößle

Denkweise

Die geistige Haltung unserer Berufsgruppe wird die Nachhaltigkeit fördern oder bremsen. Gib mir Geld, sonst mache ich nichts, ist Schnee von gestern. Ich mache was, wo bleibt die Bezahlung, muss auf unserer Fahne stehen. Bei dieser Denkweise gehen Berufsgruppen mit ihren Gewerkschaften in den Streik. Nehmen wir mal an, wir setzen uns in Berlin auf die Straße und sagen: Wir sind in den Startlöchern aber die Regierung will unsere Berufsgruppe gar nicht unterstützen und der Bürger kann somit auch nichts machen, weil keine Instrumente vorhanden sind uns direkt zu bezahlen.

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