Grüne Woche

Bauernverband gegen Klima-Steuern auf Fleisch und Milch

Eine Fleischsteuer würde gerade die wirtschaftlich Schwachen treffen, warnt DBV-Präsident Rukwied

Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied lehnt höhere Steuern und Abgaben für den Klima- oder Tierschutz auf Fleisch und andere tierische Lebensmittel ab. "Das würde gerade die wirtschaftlich Schwachen treffen", sagte Rukwied der Tageszeitung "taz" (Samstagausgabe).

Ein von Experten empfohlener sozialer Ausgleich durch einen höheren Hartz-IV-Satz und steuerliche Entlastungen für andere Einkommensschwache sei zu kompliziert. "Das bedeutete auch zusätzliche Bürokratie", so Rukwied.

Stattdessen setzt der Bauernverband darauf, dass die Konsumenten sich für eine gesunde, ausgewogene Ernährung entscheiden. "Die Verbraucher sollen selbst entscheiden", verlangte Rukwied.

Auf den Vorwurf, der Bauernverband spiele den Beitrag der Landwirtschaft herunter, antwortete Rukwied: "Die große Fragestellung für uns ist: Was können wir tun, um die Emissionen zu reduzieren? Daran müssen wir arbeiten und nicht darüber diskutieren, ob das jetzt sieben oder acht oder neun Prozent sind."

Laut DBV verursacht die Landwirtschaft 7 % der Treibhausgase in Deutschland. Die taz merkt dazu an, dass diese Zahl aber nicht durch die Landwirtschaft bedingte Emissionen in anderen Teilen der Klimabilanz enthalte, etwa für die Nutzung von Mooren als Äcker, für Dünger und Pestizide. Mit diesem Ausstoß seien es dem bundeseigenen Thünen-Agrarforschungsinstitut zufolge rund 14 %.

taz-Interview mit Joachim Rukwied

Die Redaktion empfiehlt

DBV-Präsident Rukwied setzt große Hoffnungen in die in wenigen Wochen kommende Umbaustrategie für die deutsche Landwirtschaft. Er könne sich ein Finanzierungssystem wie beim EEG vorstellen.

Greenpeace schlägt eine Tierwohlabgabe von maximal 50 Cent auf jedes kg Fleisch gemeinsam mit einer Mehrwertsteuerreform vor. Damit will die Umweltorganisation den Umbau der Tierhaltung finanzieren.

Die Finanzierung von Tierwohl kocht gleich zu Jahresbeginn wieder hoch. Niedersachsens Agrarministerin Otte-Kinast bringt eine Sondersteuer ins Spiel, Bundesagrarministerin Klöckner widerspricht.

Die MwSt ist das falsche Werkzeug für den Umbau der Tierhaltung. Davon ist Gerald Wehde von Bioland überzeugt. Die Bio-Branche bevorzugt eher eine zweckgebundene Sonderabgabe auf tierische Produkte.


Diskussionen zum Artikel

von Jürgen Greiner

Nachhaltigkeits- und Gesundheitsumlagen zur Förderung von Umwelt und Gesundheit

In der deutschen Landwirtschaft sind noch 1,5 % aller Beschäftigten tätig mit nur 0,8 % des Bruttosozialprodukts. Das heißt, daß die Bauern einschließlich GAP-Zahlungen nur etwa halb soviel verdienen wie die übrige Bevölkerung. Die Gewinne der meisten bäuerlichen Betriebe reichen ... mehr anzeigen

von Guido Müller

"Die Verbraucher sollen selbst entscheiden"

Herr Ruckwied: Die Verbraucher entscheiden seit Jahren!! nach dem Motto: Das Geld das ich nicht ausgebe, habe ich gespart. XXXXX Besser bisschen schlecht und billig, als gut und sehr teuer!

von Kirsten Wosnitza

Landwirte sind nicht das Sozialamt des Staates!

Wenn Preise den wahren Wert und die wahren Kosten eines Produktes widerspiegeln, dann hat der Verbraucher die Möglichkeit, eine bewusste Kaufentscheidung zu treffen. Welches System dafür am besten geeignet ist, bleibt zu untersuchen und zu diskutieren. Es ist aber Aufgabe des Staates, ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Der Markt wird uns eines Besseren belehren, jede Abgabe landet Schlussendlich im Steuersäckel, vorerst!

Zu den Einwand von der TAZ"; wir hätten in Deutschland, selbst noch in den 50er Jahren, Hunger leiden müssen, wenn wir nicht große Moor- Gebiete, die jetzt sukzessive zurückgegeben werden, für die Menschliche Ernährung gehabt hätten!

von Josef Doll

Bin ich voll für

Für mich steht aber hier der " Markt " im Vordergrund. Denn alle Steuern oder Auflagen müssen ausländische Anbieter nicht erfüllen weil es Sie bei "sich" nicht gibt. Somit können sich Edeka , Lidl , Aldi und Co mit irgendeinem NGO zusammen schließen und für mich Werbung der ... mehr anzeigen

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