Bei Liquiditätsproblemen: Startup kauft Flächen und verpachtet sie zurück

Eine interessante Lösung für Betriebe mit finanziellen Engpässen bietet das Berliner Startup-Unternehmen Harvest. Das Business-Modell besteht in dem Aufbau einer Internet-Plattform, die Landwirten schnell und unkompliziert Zugang zu alternativen Kapitalquellen verschafft.

Eine interessante Lösung für Betriebe mit finanziellen Engpässen bietet das Berliner Startup-Unternehmen Harvest der Gründer Lucien Kouliev, Francois Dubuisson und André Gröschel.

Das Business-Modell besteht in dem Aufbau einer Internet-Plattform, die Landwirten schnell und unkompliziert Zugang zu alternativen Kapitalquellen verschafft. Das Ganze soll ohne Banken und ohne die Aufnahme von neuen Darlehen für die Landwirte funktionieren und erfolgt über eine Schwarmfinanzierung, sog. Crowd-Investing.

Bei der „Crowd“ handelt es sich um Interessenten, also um Menschen und Unternehmen auf der ganzen Welt, die dem Landwirt das benötigte Kapital zur Verfügung stellen und nachhaltige Landwirtschaft unterstützen. Jedermann kann bereits ab einem Betrag von EUR 500,00 mitmachen und regionale Landwirte unterstützen.
 
In erster Linie bietet die Plattform Landwirten und Interessenten sog. Sale-Lease-Back-Modelle an. Hierbei verkauft der Landwirt einen von ihm vorher definierten Flächenanteil aus seinem Eigentumsbestand an die Interessenten („sale“), die gemeinsam den Kaufpreis für seine Flächen aufbringen und diese Flächen an den Landwirt zurückverpachten („lease back“).

Die einzelnen Schritte laufen wie folgt ab:

  1. Der Landwirt wendet sich an Harvest;
  2. Gemeinsam mit dem Landwirt prüft Harvest u.a. den Umfang des Flächenangebotes, die gewünschten Konditionen hinsichtlich des zu erzielenden Kaufpreises (z.B. 30 ha zu je EUR 15.000/ha) und Bedingungen des angebotenen Pachtvertrages (z.B. Jahrespacht von EUR 300/ha (=2% p.a.Rendite auf den Kaufpreis bezogen) und 25 Jahre Laufzeit);
  3. Es findet eine interne Bewertung und Festlegung der rechtlichen und wirtschaftlichen Parameter im Hinblick auf die Umsetzbarkeit statt;
  4. Harvest präsentiert das Angebot des Landwirts in anonymisierter Form auf ihrer Plattform und eröffnet Interessenten auf der ganzen Welt ein Zeitfenster, um ihren Geldbetrag im Gemeinschaftstopf zu platzieren. Die Interessenten transferieren hierfür ihren jeweiligen Betrag auf eine dafür eingerichtetes Treuhand-Sammelkonto. Das Mindestinvestment beträgt EUR 500,00 pro Interessent. Ziel ist das Erreichen des gewünschten Gesamtkaufpreises binnen einer bestimmten Zeit (Bsp. 20 Tage);
  5. Sobald der gewünschte Gesamtkaufpreis erreicht wird, geht es in die Umsetzungsphase. Hierbei werden die Flächen vom Landwirt in eine speziell zu diesem Zweck für die Interessenten gegründete und von ihnen gehaltene Gesellschaft (z.B. GmbH) übertragen. Gleichzeitig schließt der Landwirt mit dieser GmbH einen langfristigen Pachtvertrag zu vorher bestimmten Konditionen;
  6. Der Kaufpreis wird vom Treuhand-Sammelkonto an den Landwirt ausgezahlt und er kann wie gewohnt die Flächen weiter bewirtschaften und planen;
  7. Harvest überwacht und stellt die Einhaltung aller pachtvertraglichen Pflichten zwischen dem Landwirt und den Interessenten als die neuen Eigentümer der Flächen über die Laufzeit sicher – insbesondere die Pachtzahlungen - und ist für sie als Asset-Manager der Ansprechpartner des Landwirts bei allen Anliegen im Zusammenhang mit dem Pachtvertrag.
Bodenspekulationen eindämmen
 
Harvest will sich nach eigener Aussage auch gegen Bodenspekulation wenden. Laut Statistischem Bundesamt sind die Kaufpreise für landwirtschaftliche Grundstücke im Jahr 2017 im Bundesdurchschnitt erneut um knapp über 10 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Es verwundere also nicht, dass in den letzten Jahren verstärkt durch die Niedrigzinspolitik eine gewisse Kapitalflucht in Ackerflächen zu verzeichnen ist, so die Firma weiter.

Steigende Bodenpreise würden zunehmend zum Problem für Landwirte. Die Macher von Harvest wollen dieses Phänomen eindämmen. Durch die Kapitalisierung von regionalen Landwirten werde ihre Wettbewerbsfähigkeit generationsübergreifend gestärkt und dieses Land bleibe als Produktionsfaktor mit einem Ewigkeitsansatz beim Landwirt, heißt es. So würden etwa Rück-Kaufoptionen zu Gunsten des Landwirts eingeräumt und Pflichten für die Interessenten als neue Eigentümer auferlegt, dieses Land immer an einen Landwirt verpachten zu müssen.

Aktueller Status und Start
 
Aktuell hat Harvest bereits die ersten Landwirte aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern aufgenommen, die ihre Flächen im Rahmen des Crowd-Investing verkaufen und langfristig zurückpachten werden.

Die Plattform www.project-harvest.com ist in der ersten Testphase online und lädt alle ein, sich mit ihrer E-Mail-Adresse zu registrieren und beim Start dabei zu sein. Die erste Registrierungsphase läuft noch bis einschließlich November 2018.

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Sabine Baumgartner

Mehr als gefährlich..

Für Landwirte entsteht so ein Markt für Kleinkapitaleinsteiger, die sich an den Produktionsgrundlagen beteiligen, angesagt wird über die untransparente Struktur in der Geschäftsführung. Hier entsteht für die Landwirtschaft ein weiterer Marktteilnehmer mit unguter Entwicklung hin zum nicht kalkulierbaren und steuerbaren "Großgrundbesitzer" der nicht mal eigenes Geld braucht sondern das anderer für sich arbeiten lässt. Eine Sicherung der Bodenverhältnisse ist dann so wenig öglich wie die Sicherung eines Mietvertrages. Meine Meinung: Finger weg...

von Michael Wittmann

Makler

Bisher läuft dieses System über die Immobilienmakler. Das wird jetzt ausgehebelt zum Vorteil der Käufer. Die sparen sich so die Maklerprovision.

von Gerd Schuette

Bauernlegen 2018...

...nur mit anderem Namen.

von Bernd Schmitz

Landgrabbing in Deutschland

soll mit diesem Modell scheinbar noch mehr salonfähig gemacht werden! Keinerlei Reaktionen hat Frau Klöckner auf die Forderung nach einem runden Tisch zu einem höheren Preisniveau für unsere erzeugten Lebensmittel von sich gegeben. Die Dürrehilfen werden wohl nur dazu dienen, den Banken die Kreditausfälle abzusichern. Da haben findige Menschen sich gedacht, wieso den Möbelfabrikanten, Reedern, Entsorgern und anderen kapitalstarken Unternehmen den Raubzug über die deutschen Felder allein zu überlassen. Bauern!!! Kriegt über alle Verbände hinweg endlich mal den Hintern hoch, statt euch weiter abspeisen zulassen! Sonst ziehen sie euch euren Boden unter den Füssen weg, jetzt dann auch noch mit Crowd-Investing.

von Karl Georg Weitzel

enteignung nummer 2

erst wurde den milchbauern das milchkontingent enteignet jetzt kommen die flächen drann.

von Lars Henken

Das Eigenland darf nie weniger werden....

Mein Großvater und mein Vater haben mir immer gesagt, wenn ich eigene Flächen verkaufe, dann muss im Gegenzug immer mehr eigenes Land zurück kommen. Dieses Modell ist aus meiner Sicht nur eine Sterben auf Raten. Kein Startup ist ein Sozialamt für Landwirte und am Ende muss das Startup und ein Gewinn finanziert werden. Das Geld dafür kann nur vom Landwirt kommen, die anderen Beteiligten verwalten ja nur und schaffen keine Werte. Bevor ich mich an so etwas beteiligen würde, verpachte ich meine Flächen selbst und lasse mich irgendwo anstellen. Wer darauf eingeht ist selbst Schuld.

von Christoph Schlemmer

Leibeigenschaft und Ausbeuterei ist Tür und Tor geöffnet, statt über vernünftige Erzeugerpreise nach zudenken wird dem Kapitalismus mehr und mehr geholfen.

von Eike Bruns

Mal mit Fakten untermauern!

Variante 1. Ich will/muss Land verkaufen dann werde ich sicher nicht den Verkaufspreis so berechnen das ich bei 2 % Rendite (die muss der Investor haben sonst geht er besser mit seinem Geld woanders rein) unter einem rentablen Pachtpreis bin. Bei den Zahlen von oben 15.000 Euro ist der gesamte Raum Westniedersachsen raus. Variante 2. Ich möchte außerhalb der Landwirtschaft investieren verkaufe mein Land und verzichte auf die Wertsteigerungen der nächsten Jahre. Beispiel oben wurden 10 % genannt. Nein das Projekt bringt sicherlich viele Vorteile und Gewinn nur einem Landwirt der verkaufen will oder muss ist dringend von so etwas abzuraten. Liebe TA Redaktion in Zeiten wie diesen wo ein gesellschaftlicher Wandel durch unser Land zieht wie wir Ihn seit dem 8. Mai 1945 nicht gehabt haben (ja auch die Wende und Grenzöffnung mit eingerechnet) ist das höchste Gut der Presse (auch der Fachpresse) Ehrlichkeit und Ganzheit in der Berichterstattung viele Berichte, nicht nur bei TA, sind diesem Anspruch nicht mehr gerecht. Der erste Satz nach der Überschrift bringt diesen Artikel auch auf diese Liste.

von Willy Toft

Da sind Rattenfänger unterwegs!

Das klingt schon mal gut, dem Landwirt soll der finanzielle Druck genommen werden. Nur am Ende steht er mit alten Wirtschaftsgebäuden da, die auch Keiner haben will. Wer solch ein Angebot wahrnimmt, hat schon den wirtschaftlichen Tod auf Raten angenommen! Ob das den Grundstücksmarkt zu Gunsten der Landwirte beeinflusst, ist eine kühne Behauptung, und entbehrt jede Grundlage! Den Gesellschaften gehört das Land, und der Bauer erlebt die neue Form der Leibeigenschaft! Das kann man doch nicht wirklich wollen????

von Josef Doll

Nun nach der DLG

Wurden in den letzten 35 Jahren nur 5 mal eine Grenzpacht von 500 € erreicht oder überschritten. Das heißt das ist der Pachtpreis bei dem nichts verdient wird . Sind somit überhaupt die 300 € Pacht in Zukunft zu finanzieren ?? Und im übrigen wem gehört ein Acker der auf Crowdfandig finanziert beziehungsweise auf welchen Eigentümer wird das Grundstück beim Notar eingetragen ? Ist der Pächter nach 25 Jahren wieder der Eigentümer ?? Im übrigen bin gespannt wie das Pachtkartenhaus , das aus zu hohen Pachten,wie auch aus hohen Kaufpreisen , wie auch die politschen Auflagen sich weiter auf den Pachtmarkt , als auch auf die Insolvensen vor allem größerer Betriebe auswirken werden. Nun wenn man Pachtpreisen nur auf Ackerbau , wie Weizen, Raps, Zuckerrüben ( nach Quotenende) und jetztigen vermehrten Politischen Vorgaben die den Ertag eher sinken lassen statt zu steigen. Ja selbst eine ausgewachsene Dürre kann den Preis nicht steigen lassen. Natürlich kann der Betrieb höhere Pachten finazieren wenn er noch weitere zig Ha Eigentumsflächen sein eigen nennen kann ,die natürlich Schuldenfrei sein müssen um mehr Pacht für die Pachtfläche ohne insgesamt nicht mehr Pacht für die Gesamtfläche zahlen zu müssen !!

von Karl-Heinz Mohrmann

Die Redaktion von Top Agrar zeigt ihr wahres Gesicht. Freie Bauern auf freiem Land wollen sie nicht

von Kirsten Wosnitza

Und wovon

Bezahlt der Landwirt dann jährlich die neue Pacht? In Zeiten hoher Pachten und niedriger Zinsen ist es nicht schwierig auszurechnen wer von diesem Modell profitiert. Da hilft auch die blumige Wortwahl nicht weiter. Weltweite Investoren die regionale Bauern unterstützen.... Unglaublich dass top agrar eine Werbung für solch ein Konstrukt dermassen kritiklos übernimmt.

von Andreas Schröder

Besser den Laden zumachen..

Verpachten und auf dem Arbeitsmarkt eine sinnvolle Tätigkeit ausüben als Knecht auf dem eigenen Hof !!!!

von Rudolf Rößle

das Konzept

geht nur bei kurzfristigem Verkauf auf und bei einem relativ niedrigen Verkaufspreis. Spätestens in 5-8 Jahren sollte die Fläche wieder im Eigentum des Landwirts sein

von Bernhard ten Veen

nichts anderes als

"Spekulation" ... 2 % Verzinsung... welche Bank gibt einem Das ??? Und die Anteile wandern in der 25 jährigen Laufzeit alle zu einem Konzentrat welcher dann den Bauern Knäbelt wie die Banken. ...lasst euch nicht für Dumm verkaufen. !!!

von Christian Kraus

Das kommt mir so bekannt vor: "Parken sie ihren Grund beim Bauernverband" glaub ich hat es damals geheißen. Das war genau das gleiche. Den Grund verkaufen und zurückpachten mit dem Recht den Grund zurückkaufen zu dürfen (aber bestimmt nie zu können).

von Kirsten Wosnitza

Kopfschütteln

Kann man nur über die Bewertung dieses Verfahrens durch die top agrar Redaktion! "Interessant" bewertet ein Fachmagazin für Landwirte einen Prozess in dem immer mehr landwirtschaftliche Fläche in die Hand von Investoren gelangt. Welcher Landwirt wählt denn diesen Weg? Doch nur jemand dem die Banken bereits keine Kredite mehr gewähren. Ein weiterer Schritt in eine Landwirtschaft in der der Landwirt weiter das volle Risiko trägt und sich in immer größere Abhängigkeit begibt. Und damit er bei Laune bleibt erzählt man ihm er sei ein freier Unternehmer der am freien Markt Wettbewerbsfähig sei.

von Thomas Egolf

Nonsens, Augenwischerei!

Wem ist hiermit wohl am meisten gedient! Wenn ich mit eigenen Flächen kein ausreichendes Einkommen erziele, wie soll es da mit Pachtflächen funktionieren!

von Hermann Stroemer

Wer

finanziell derart angeschlagen ist, sollte reinen Tisch machen und aussteigen. Mit dem Konzept wirtschaftet man nur so lange weiter, bis nix mehr da ist. Das sollte auch eindeutig von Verbänden und Fachpresse kommuniziert werden.

von Marc Rollinger

Der Landwirt soll hier sein Kapital, welches über Generationen aufgebaut wurde, abgeben um weiter arbeiten zu dürfen. Da sollte man sich doch besser am Kopf fassen und gegebenenfalls einen endgültigen Schlussstrich ziehen, anstatt in mittelalterliche Knechtschaft zu verfallen.

von Hans Merk

Selbstausbeutung der Bauern

oder Leibeigenschaft in neuer Form. Leute - wenn es nicht mehr geht hört auf und verpachtet! Das bringt Geld und die Sorgen werden weniger. Diese Sache kostet euch noch zusätzlich Geld das ihr bisher nicht erwirtschaften konntet. Das Ende wird dadurch langsamer und schmerzhafter oder wie Caligula sagte : lasst sie ihren Tod spüren.

von Erwin Schmidbauer

Alter Wein in neuen Schläuchen?!

Was da gemacht wird ist auch eine Art Bodenspekulation. Man verkauft die Flächen wohl im wesentlichen nichtlandwirtschaftlichen Investoren, die sich dadurch Gewinne erhoffen. Nichts anderes machen Investmentfonds etc. Das es sich hierbei um "Crowd-Founding" handelt und gewisse Restriktionen hat, gibt dem ganzen einen schönen Anstrich, ohne wesentlich anderes zu sein!

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