Bei Wiesenhof soll das Fleisch auf dem Boden liegen

Die Kritik an den hygienischen Verhältnissen im Wiesenhof-Geflügelschlachthof Möckern (Sachsen-Anhalt) reißt nicht ab. Rund 450 Mitarbeiter schlachten hier täglich mehr als 100.000 Tiere. In der Zeitung DIE WELT berichten nun ehemalige Mitarbeiter, dass regelmäßig zig Kilo Geflügelbrust vom Band auf den Boden gefallen und später trotzdem in die Verarbeitung gegangen seien.

Die Kritik an den hygienischen Verhältnissen im Wiesenhof-Geflügelschlachthof Möckern (Sachsen-Anhalt) reißt nicht ab. Rund 450 Mitarbeiter schlachten hier täglich mehr als 100.000 Tiere. In der Zeitung DIE WELT berichten nun ehemalige Mitarbeiter, dass regelmäßig zig Kilo Geflügelbrust vom Band auf den Boden gefallen und später trotzdem in die Verarbeitung gegangen seien. Als Ursache führen sie das hohe Produktionstempo an.

"An der Stelle, wo die Hühner als Brathähnchen eingetütet werden, fallen die in Fächer. Doch das Band läuft so schnell, dass die Frauen, die am Band stehen, es nicht schaffen, die Fächer in dem Tempo zu räumen. Die Brüste fallen dann auf den Boden“, so eine anonyme Mitarbeiterin. Sie habe manchmal abends bis zu den Waden in den Hühnern gestanden. Auch sei es vorgekommen, dass Fleisch umetikettiert und so das Haltbarkeitsdatum verlängert wurde.

Neben der schnellen Arbeitsgeschwindigkeit machen Kritiker auch das Lohnsystem für die angeblich schlechten Zustände verantwortlich. Dadurch leide die Qualität. In der Möckerner Schlachtanlage hätten Mitarbeiter nach WELT-Informationen 2009 einen Grundstundenlohn von 7,24 Euro erhalten, heute liege dieser bei 7,50 bis 7,60 Euro brutto pro Stunde. Wer schneller arbeite, könne den Stundenlohn aber auf bis zu 8 Euro steigern.

Wiesenhof weist die Behauptungen zurück. Man könne seinen Stundenlohn durch Akkord nicht erhöhen und es gebe auch keine Anweisung, auf dem Boden liegende Fleischteile wieder auf das Band zu legen. Und Haltbarkeitsdaten würden im Betrieb in keinem Fall unzulässig verändert – was auch die zuständigen Behörden bestätigen könnten. Auch sei ausgeschlossen, dass Arbeits- und Zeitdruck zu einer Vernachlässigung von Hygienevorschriften führen könnten. Vielmehr werde in Möckern langsamer produziert als möglich, nur 140 000 statt 160 000 Tieren pro Tag.

Der Betrieb Möckern ist allerdings schon länger im Blickpunkt der Aufsichtsbehörden. Im vergangenen März haben die Kontrolleure die Anlage sogar für kurze Zeit geschlossen . Es habe angeblich Schwarzschimmel an Decken und Wänden gegeben und auf Hühnerfleisch seien Kotspuren entdeckt worden, schrieben die Zeitungen. 800.000 bereits geschlachtete Tiere mussten demnach vernichtet werden. Es war der erste Produktionsstopp in der Firmengeschichte von Wiesenhof. Die PHW begründete dies damals mit Umbaumaßnahmen.

Offen bleibt damit nach wie vor, wieviel an den Vorwürfen dran ist und was gezielte Stimmungsmache von Gegnern der Geflügelhaltung in den Medien ist, um der Branche zu schaden. (ad)

Hintergründe:
Ungewisse Zukunft von 800 000 Brathähnchen (26.3.2012)
Wiesenhof weist Vorwürfe wegen Hygienemängeln in Schlachterei zurück (19.3.2012)
Staatsanwalt ermittelt gegen Wiesenhof wegen Subventionsbetrug (9.3.2012)
Wiesenhof-Schlachthof Möckern wieder freigegeben (7.3.2012)

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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