Biodiversitäts-Beirat vom BMELV will die 7 %-Stilllegung!

Der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen beim Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt den Vorschlag der Europäischen Kommission, mindestens 7 % ökologische Vorrangflächen einzurichten und warnt gleichzeitig davor, diesen Anteil noch weiter nach unten zu verhandeln.

Der Wissenschaftliche Beirat für Biodiversität und Genetische Ressourcen beim Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt den Vorschlag der Europäischen Kommission, mindestens 7 % ökologische Vorrangflächen einzurichten und warnt gleichzeitig davor, diesen Anteil noch weiter nach unten zu verhandeln.

Das Gremium aus Agrar- und Umweltforschern räumt in einer Stellungnahme ein, dass eine solche Politikvorgabe letztlich auch das Ergebnis von Kompromissen ist. Die Verhandlungen zur EU-Finanzperiode 2014 bis 2020 stünden vor der Herausforderung, eine Begründung für die Weiterführung der Direktzahlungen zu finden. Dafür erscheine das "Greening“ in der Ersten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) als geeigneter Ansatz.

Die Reduzierung des Flächenanteils für Ökovorrangflächen unter 7 % würde diese Argumentation allerdings konterkarieren, so der Beirat. Er hält diesen Anteil auch für die Landwirte angesichts der Transferzahlungen im Rahmen der GAP für zumutbar.

Für die Landnutzer möge diese Reservierung zunächst nur als ein Verlust an Produktionspotential erscheinen, weshalb immer wieder von „Flächenstilllegung“ die Rede sei, die man sich nicht leisten könne. „Dies ist entschieden zu kurz gedacht“, betont der Beirat. Die Vorrangflächen lieferten bei entsprechender Ausgestaltung ökologische „Gratisleistungen“, die zu Ertragssteigerungen auf umliegenden Standorten führten.

Zudem berge die Konzentration auf den Anbau sehr weniger Pflanzenarten angesichts des fortschreitenden Klimawandels große Produktionsrisiken. Dies könne zu einer gefährlichen Vermehrung von Schadorganismen oder zum Verlust von Nützlingen führen. Aus Sicht des Beirats ist es daher dringend geboten, die Agrarproduktion zu diversifizieren und ökologisch wertvolle Strukturelemente in die Agrarlandschaft zu reintegrieren.

Darüber hinaus sollten dem Beirat zufolge auf den ökologischen Vorrangflächen auch Chancen für Formen der Tierhaltung geboten werden, die gesellschaftlich gewünscht, aber betriebswirtschaftlich oft nicht lohnend sind. So könnten sie zum Beispiel für die traditionelle Hüteschafhaltung genutzt werden, denn gegenwärtig würden Herdenschafhalter die dafür notwendigen Herbst- und Winterweiden durch die Intensivierung der Landwirtschaft verlieren. (AgE)
 

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