Bioland offen für umstellungswillige Großbetriebe

Der Anbauverband Bioland zeigt sich offen auch für größere Agrarbetriebe, sofern sie komplett und konsequent auf ökologische Erzeugung umstellen wollen. Das erklärte Harald Gabriel. Hintergrund ist ein erstes Gespräch mit dem Schweinezüchter Kläne-Menke. Die AbL wittert dagegen einen Schmusekurs mit der Agrarindustrie.

Der Anbauverband Bioland zeigt sich auch für größere Agrarbetriebe offen, sofern sie komplett und konsequent auf ökologische Erzeugung umstellen wollen. Das erklärte Harald Gabriel, Geschäftsführer von Bioland Niedersachsen, gegenüber top agrar online. Hintergrund ist ein erstes Gespräch mit dem Schweinezüchter Kläne-Menke aus Cloppenburg.

Die AbL hatte zuvor kritisiert, dass der "Großbetrieb" bald eine Anlage mit 550 Sauen mit „Bioland“-Zertifizierung betreiben könnte. Mit der Hinwendung zur Agrarindustrie verlasse Bioland die bäuerliche Landwirtschaft, so der Vorwurf.

Dem widerspricht Gabriel deutlich: "Im Gegenteil, es ist sehr erfreulich, dass konventionelle Betriebe auf uns zu kommen und sich über die Bioland-Richtlinien informieren. Mit dem Betrieb Kläne-Menke gab es ein erstes Gespräch, völlig ergebnisoffen." Großen Wert lege Bioland darauf, dass die teilnehmenden Betriebe die strikten Vorgaben einhalten, den betreffenden Produktionsbereich komplett umstellen, eine Flächenbindung nachweisen und einen eigenen Betriebsleiter einsetzen. "Wir setzen hier vor allem auf Stallrückbauten gemäß Öko-Vorgaben", so Gabriel. So soll es wohl auch beim Unternehmen Kläne-Menke laufen.

Von einer Festlegung von Obergrenzen bei der Tierzahl hält der Geschäftsführer dagegen nichts. "Die Höfe sind in Europa sehr unterschiedlich strukturiert. Was ist denn ein Großbetrieb? Obergrenzen sind doch gar nicht zu definieren." In diesem Zusammenhang weist der Geschäftsführer darauf hin, dass die von der AbL genannten Zahlen übertrieben seien.

Wichtiger ist dem Biolandvertreter die Einhaltung der Vorgaben. Und er versichert: "Wir wollen keine Alibi-Ökobetriebe. Alles wird streng überwacht. Nach wie vor möchten wir bäuerlichen Betrieben Perspektiven geben. Ein Umschwenken zur Agrarindustrie - wie von der AbL vorgeworfen - gibt es nicht", stellte Gabriel klar. Es gehe klar um Inhalte.

AbL prangert "Schmusekurs mit Agrarindustrie" an

Bei der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) stößt die geplante Kooperation auf Kritik. Anders als andere Bioverbände, die bereits dominante „Agrarindustrie-Bio“-Mitglieder in ihren Reihen hätten, habe sich Bioland (neben „Demeter“) bisher erfolgreich mit echtem „Bauernhof-Bio“ profiliert und so auch konsequent die Interessen seiner bäuerlichen Mitglieder umgesetzt, schimpft AbL-Sprecher Eckehard Niemann.
 
Er verweist auf die zunehmende Verdrängung bäuerlicher Biobetriebe durch sogenannte „Bio“-Agrarkonzerne und erinnert an die zurückliegenden „Bio“-Skandale gerade in agrarindustriellen „Bio“-Strukturen mit ihrer alten „Agrarindustrie-Denke“. Eine agrarindustrielle Öffnung nun auch von Bioland, so Niemann, wäre bedrohlich für die Bauern in diesem Verband und auch für die Akzeptanz bei den Verbrauchern, die beim Kauf von Bioprodukten natürlich Produkte „von Bauernhöfen statt aus Agrarfabriken“ erwarteten.

Sollte dieser Konzern nunmehr über eine abgespaltene Tochterfirma die Belieferung von Biobetrieben mit Sauen oder Ferkeln übernehmen, bedeute dies eine gefährliche Abhängigkeit und das weitgehende Ende der bestehenden und zukünftigen bäuerlichen Struktur in der Bioland-Schweinehaltung. Besorgte Bioland-Mitglieder verwiesen darauf, dass bereits jetzt ein Großteil der Bioland-Sauen aus dem Betrieb Cord-Kruse stammen würde, der – gegen den Widerstand einer Bürgerinitiative – gerade seinen konventionellen Schweinebestand bei Perleberg auf ca. 3.000 Sauen-, 3.300 Aufzucht- und 4.600 Mastplätze aufstocken wolle.

Über Kläne-Menke

Die Kläne-Menke-Gruppe wollte sich gegenüber top agrar nicht zu der Umstellung äußern. Nach AbL-Informationen soll das Unternehmen bundesweit an mehreren Standorten insgesamt etwa 5.000 Sauen, 20.000 Ferkel und 10.000 Mastsschweine halten. Laut Unternehmensangaben werden dänische Jungsauen eingesetzt, die durch sehr gute Fleischbeschaffenheit, hohen Gesundheitszustand und überdurchschnittliche Tageszunahmen bei Spitzenfutterverwertungen überzeugen würden. Durch relativ große Herdengrößen der Sauenhaltung sei es möglich, bis zu 2.700 Ferkel wöchentlich für die Mast zur Verfügung zu stellen.


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