Bayern

Bioverbände unzufrieden mit Wachstum

Die verbandsgebundene Biofläche in Bayern hat 2021 um mehr als 8 % zugelegt. Aus Sicht der Bioverbände wäre mehr drin – bei besserer Unterstützung durch die Politik.

Die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau in Bayern (LVÖ), die Dachorganisation der Bioverbände Bioland, Naturland, Biokreis und Demeter, verwies bei einer Pressekonferenz an diesem Mittwoch auf ein solides Wachstum des Ökolandbaus in Bayern. Demnach hat die Zahl der verbandsgebundenen Ökobetriebe in Bayern im Jahr 2021 um 358 bzw. um 5,1 % zugenommen. Die verbandsgebundene Fläche wuchs um 25.000 ha bzw. 8,3 %.

Nach Ansicht des LVÖ-Vorsitzenden Hubert Heigl muss der Umstellungsmotor in Bayern jedoch schneller laufen, um das gesetzlich vorgegebene Ausbauziel von 30 % bis zum Jahr 2030 zu erreichen. „2020 hätte der Zuwachs doppelt so hoch sein müssen, um dieses Ziel zu erreichen“, rechnet Heigl vor.

„Bayern lebt von der agrarpolitischen Substanz“

Heigl erkennt an, dass Bayern beim Etat für den Ökolandbau an der Spitze liegt. Bezogen auf den Ökoflächenanteil liege Bayern aber nur an sechster Stelle aller Bundesländer.

Der LVÖ-Vorsitzende vermisst vor allem ein klares Zielbild der bayerischen Staatsregierung. „Wie stellen wir uns die Landwirtschaft in 20 Jahren vor, dieses Ziel muss formuliert werden“, fordert Heigl. Es gebe eine unspezifische Betonung der Regionalität ohne Qualitätsanforderungen.

Bayern habe sich aus der aktiven Gestaltung der Agrarpolitik verabschiedet. Das Bio-Regio-Programm 2014 des früheren Landwirtschaftsministers Helmut Brunner sei wegweisend wegweisend. „Wir leben aktuell von der Substanz dieser früheren Politik, Bayern verspielt eine Chance“, kritisiert der oberste Vertreter der bayerischen Biobauern.

"Märkte sind perfekt für die Umstellung"

Dass sich zurzeit die Schere zwischen Nachfrage und heimischen Angebot wieder öffnet, bestätigt Andreas Hopf, Geschäftsführer der Vermarktungsgesellschaft Bio-Bauern im schwäbischen Pöttmes. Aktuell seien die Märkte perfekt für den Umstieg. Die Umstellung ist fast risikolos. Umstellungsgetreide wird den Landwirten förmlich aus den Händen gerissen. „Wir haben eine Unterdeckung bei Futtergetreide, Roggen, Brotgetreide, Speiseweizen und Leguminosen“, sagt Hopf. „Das Angebot ist zu klein, uns fehlen Betriebe.“

Die Landwirte seien zurzeit zurückhaltend. Dafür gibt es laut Hopf mehrere Gründe:

  • Nach der Umstellungswelle von 2016 bis 2018 waren vor allem die Preise für Umstellungsware unter Druck. Aber dieses Preistal sei durchschritten.
  • Die Preise für konventionelles Getreide sind stark gestiegen. Der Abstand von Ökopreisen zu konventionellen Preisen ist kleiner geworden, weshalb der Umstieg weniger wirtschaftlich ist.
  • Es gebe eine politische Unsicherheit, wie es mit den Förderbedingungen weitergeht.

„Nationaler Strategieplan muss nachgebessert werden“

Dazu trägt laut LVÖ-Vorsitzenden Heigl auch die aktuelle Reform der GAP bei: „Sie droht das Ausbauziel zu konterkarieren, weil sie die Ökobetriebe schlechter stellt als vorher“, kritisiert Heigl.

Er fordert deshalb kurzfristig von der Bundesregierung Nachbesserungen: „Der Nationale Strategieplan, der jetzt nach Brüssel geschickt wird, muss dahingehend geändert werden, dass die Eco-Schemes „Grünlandextensivierung“ und „Pflanzenschutzmittelverzicht“ mit den Prämien für den Ökolandbau in der 2. Säule kombinierbar sind.“


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