Bis 2050 muss Landwirtschaft hocheffektiv werden!

Bis spätestens 2050 müssen 3 Mrd. Menschen mehr auf der Erde ernährt werden als heute; insgesamt sind es dann 10 Mrd. Es ist also höchste Zeit für ein Konzept, wie das gelingen kann.

Bis spätestens 2050 müssen 3 Mrd. Menschen mehr auf der Erde ernährt werden als heute; insgesamt sind es dann 10 Mrd. Es ist also höchste Zeit für ein Konzept, wie das gelingen kann.
 
Wissenschaftler der Uni Bonn haben nun eine Weltkarte erstellt, die zeigt, wie man die Weltbevölkerung mit Nahrung versorgen könnte und welche konkreten Maßnahmen in welchen Regionen den größten Zuwachs an Nahrungmitteln bringen würden.

Spiegel Online zitiert aus dem Papier. Demnach müssen die Bauern grundsätzlich mehr Nutzpflanzen auf den bereits genutzten Ackerflächen anbauen, die Pflanzen effektiver düngen, effektivere Sorten verwenden und die Ernte sinnvoller nutzen. Gemeint sind hier vor allem die Betriebe in China, Indien, Brasilien, den USA, Indonesien und Pakistan, zusammen mit Europa, heißt es.

Auch in Deutschland gebe es Potenzial für Verbesserungen. Allerdings würden diese für viele Menschen Opfer bedeuten: Ernten müssten stärker genutzt werden, um aus ihnen direkt Nahrung herzustellen, statt Tiere für die Fleischproduktion zu füttern, schreiben die Forscher. Weltweit umgesetzt ließen sich laut der Studie so 4 Mrd. Menschen zusätzlich ernähren.

1. Ertragssteigerung

Ohne eine Steigerung der Erträge, etwa durch bessere Anbaumethoden und neue Technologien, geht es nicht, berichten die Wissenschaftler weiter. Die deutschen Bauern seien hier schon sehr weit und erzielten bereits 80 bis 90 % der Erträge, die unter den gegebenen Boden- und Klimaverhältnissen möglich sind, heißt es. In anderen Regionen der Welt gebe es dagegen noch riesige Potenziale, teilweise sei das zehnfache der heutigen Erträge möglich, oder anders gesagt, 90 % der Erntepotenzials bliebe ungenutzt.

"Wenn wir diese Lücke auf 50 % schließen, könnten wir rund 850 Mio. Menschen zusätzlich ernähren", erklärt Stefan Siebert von der Universität Bonn. Etwa die Hälfte des Potenzials liegt seinen Berechnungen nach in Afrika, der überwiegende Rest in Asien und Osteuropa.

2. Regenwald erhalten und effektiver düngen

Indem weniger gerodet und gezielter gedüngt wird, lassen sich laut den Fachleuten Umweltschäden vermeiden und mehr Menschen ernähren. Sie sehen hier gleich fünf Staaten in der Pflicht. Besonders in Brasilien und Indonesien schreite der Verlust von Regenwald massiv voran. Folge sei die Ausbreitung von Wüsten, die langfristig weitere Menschen in den Hunger treiben könnte.

Größte Düngerverschwender sind auf der anderen Seite China, Indien und die USA. Global betrachtet überschritten 60 % der Einsätze mit Stick- und 50 % der Einsätze mit Phosphordüngern den Nährstoffbedarf von Nutzpflanzen. Meist werden Reis, Weizen und Mais überdüngt.

3. Weniger Wasser

Eine besondere Rolle kommt der Verfügbarkeit von Wasser zu. Vor allem in Indien, Pakistan, China und den USA ließe sich viel einsparen. Diese Staaten nutzen für ihre Sprinkleranlagen derzeit viel Wasser aus Gegenden, wo die Ressource knapp ist und daher besonders kostbar.

Um Wasser einzusparen, könnten in den Regionen vermehrt Nutzpflanzenarten angebaut werden, die Wasser besonders effektiv nutzen und daher weniger zum Wachsen brauchen, schreiben Siebert und Kollegen. So ließe sich der Wasserbedarf bei der gleichen Anbaumenge um 8 bis 15 % reduzieren.
Insgesamt entfallen gut 70 % des globalen Süßwasserbedarfs auf die Landwirtschaft. Reis und Weizen brauchen unter den untersuchten Sorten zum Wachsen das meiste Wasser. 

Ziel müsse es außerdem sein, eine neue Generation von Weizensorten zu züchten, die der wachsenden Bevölkerung und veränderten Umwelt gerecht wird, schreiben die Forscher.

3. Ernte sinnvoll nutzen

Die Menge Kalorien, die die Welt derzeit an Tiere verfüttert, könnte 4 Mrd. Menschen versorgen, schreiben Siebert und Kollegen weiter. Vor allem Mais lande in Tiermägen, und das hauptsächlich in den USA, China und Westeuropa - auch in Deutschland. Das Problem: Kein Tier setzt Nahrung hundertprozentig in Fleisch, Milch oder Eier um. Die Produktion einer tierischen Kalorie kostet deshalb mehr Ressourcen als drei pflanzliche Kalorien.

Den Forschern ist klar, dass sie an diesem Punkt auf Gegenwehr stoßen: Die meisten Menschen möchten nicht auf Fleisch verzichten. Aus Tierfutter Nahrung für den Menschen zu machen, könne aber die Funktion eines Sicherheitsnetzes einnehmen, wenn die Nahrung durch extremes Wetter oder Pflanzenplagen knapp werde, erklärten sie.

Die zweite große Chance, die wachsende Bevölkerung zu ernähren, sehen die Forscher im Bereich weggeworfener Lebensmittel. Ein Drittel bis die Hälfte der Nahrungsmittel weltweit landet im Müll. Vor allem bei tierischen Produkten gehen dadurch wertvolle Kalorien verloren: Landet ein Kilo Rindfleisch in der Tonne, entspricht das der Energiemenge, die in 24 kg Weizen steckt. Allein der Nahrungsmittelmüll aus den USA, China und Indien könne 400 Mio. Menschen satt werden lassen.

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