Bis zu zwei Milliarden Euro Schaden am deutschen Wald

Nach dem Rekordsommer zeichnet sich ab, dass der Wald durch die Kombination von Sturmfolgen, Insektenbefall und langanhaltender Trockenheit erheblich geschädigt wurde. Das sagte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) Georg Schirmbeck. Hier seine Auflistung der Verluste und Schäden...

Nach dem Rekordsommer zeichnet sich ab, dass der Wald durch die Kombination von Sturmfolgen, Insektenbefall und langanhaltender Trockenheit erheblich geschädigt wurde. Das sagte der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrat (DFWR) Georg Schirmbeck.

Die Stürme Xavier, Herwart 2017 und Friedericke 2018 verursachten laut Schirmbeck rund 20 Millionen Kubikmeter Schadholz. Angespannte Märkte, zunehmende Qualitätsverluste, die Notwendigkeit zur Anwendung spezieller Aufarbeitungsverfahren und -technik sowie knappe Aufarbeitungskapazitäten führen seinen Berechnungen nach zu erheblichen Belastungen der Waldeigentümer.  Insgesamt beziffert der DFWR den volkswirtschaftlichen Schaden in Folge der Stürme auf über 700 Millionen Euro.

„Die Waldbesitzenden finanzieren die Holzerntekosten vor und können schnell in Liquiditätsengpässe kommen, wenn die Schadereignisse plötzlich und in immer kürzerer zeitlicher Folge eintreten, wie 2017 und 2018. Wir müssen jetzt mit der Bundespolitik über notwendige Instrumente sprechen, die Waldbesitzende in Notlagen entlastet“, betonte Schirmbeck.

Dann kam der Käfer

Durch Stürme vorgeschädigte Wälder sind bei der langanhaltenden Trockenheit noch anfälliger für Borkenkäfer. „Die nationalen Schäden im Jahr 2018 durch Käferbefall schätzen wir bereits auf über 6 Millionen Kubikmeter“, sagte Schirmbeck. Waldbesitzende müssten Mehrkosten durch verstreute Hiebsanfälle und Mindererlöse durch Abschläge auf Frischholzpreise hinnehmen. „Damit gehen wir bislang von Borkenkäferschäden in Höhe von bis zu 270 Millionen Euro aus.  Wir befürchten jedoch, dass sich die Schäden bis zum Jahresende noch weiter erhöhen, weil die Abwehrkräfte der Bäume weiterhin geschwächt sind und somit sehr anfällig für Schadinsekten bleiben“, erklärte der DFWR-Präsident.

30 % der Neuanpflanzungen vertrocknet

Dringend benötigte Investitionen in den Wald von morgen, die die Waldbesitzenden normalerweise über den Holzverkauf finanzieren können, fehlten nun aufgrund der angespannten Situation am Markt, erklärte er weiter. „Neben der Einbeziehung sich natürlich verjüngender Altbäume und deren Sämlinge wurden in den letzten drei Jahren über eine Milliarde Pflanzen durch die Forstbetriebe gepflanzt. Davon vertrockneten aktuell fast 30 Prozent aufgrund der langanhaltenden Dürre. Die Nachpflanzung kostet die Waldbesitzenden über eine halbe Milliarde Euro“, betonte Schirmbeck.

Die durch die Trockenheit ausgelösten Waldbrände hätten bislang deutschlandweit eine Fläche so groß wie der Berliner Grunewald geschädigt. Dabei sei ein Schaden von über sieben Millionen Euro am aufstockenden Wald entstanden, so der Forstwirtschaftsrat weiter. Für die Neubegründung würden weitere sechs Millionen Euro veranschlagt.

„Das Schadausmaß für den deutschen Wald lässt sich im Moment auf fast zwei Milliarden Euro beziffern. Dabei sind die Folgen der Zuwachsverluste noch gar nicht berücksichtigt. Das genaue Schadausmaß werden wir voraussichtlich erst Mitte 2019 beurteilen können, wenn klar ist, wie viele Bäume den Trockenstress nicht überlebt haben,“ erklärte Schirmbeck. 

Forderungen

Er fordert, rasch und unbürokratisch Grundlagen zu schaffen, damit die Waldbesitzer die Jahrhundertaufgabe des Waldumbaus hin zu klimastabilen Wäldern schaffen können und die Ökosystemdienstleistung des Waldes für die Gesellschaft erhalten bleibt. Nötig sei ein Paket mit kurz- und langfristigen Maßnahmen. Zum Beispiel müssten im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes (GAK) die Finanzmittel deutlich aufgestockt werden, um die höheren Folgekosten durch den Klimawandel auszugleichen. Der EU-Beihilferahmen sollte noch stärker auf Klimaschäden ausgerichtet werden. Zusätzlich müsse mehr in die forstliche Forschung investiert werden.

Zur Marktentlastung sollten kurzfristig geeignete Holzlagerplätze eingerichtet und der Frischholzeinschlag bundesweit gedrosselt werden. Auch müsse die Bundesregierung alles daransetzen, den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid noch offensiver zu bekämpfen“, betonte Schirmbeck.

„Der Deutsche Forstwirtschaftsrat forderte die Bundesregierung auf, sich rasch an einen Tisch zu setzen, um ein Maßnahmenpaket für die Waldbesitzenden zur Bewältigung der Waldschäden durch die Klimafolgen zu beschließen“, sagte Georg Schirmbeck.

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