Berlin

Borchert sucht den Konsens bei der Nutztierstrategie

Das neue Kompetenznetzwerk für Nutztierhaltung des Agrarministeriums will die unterschiedlichen Interessen der Vertreter zum Ausgleich bringen.

Konkrete Vorschläge zur Umsetzung und Weiterentwicklung der Nutztierstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums will der Vorsitzende des Kompetenznetzwerks für Nutztierhaltung, Jochen Borchert, vorlegen.

„Die zentrale Herausforderung für eine Nutztierstrategie besteht darin, die notwendigen Mittel für Fortschritte beim Tierwohl und Umweltschutz in der Nutztierhaltung dauerhaft aufzubringen“, sagt der ehemalige Bundeslandwirtschaftsminister und langjährige CDU-Bundestagsabgeordnete im Interview mit AGRA-EUROPE. Es gehe darum, die ökonomische Tragfähigkeit für die Erzeuger zu sichern.

Borchert will die unterschiedlichen Interessen der Vertreter in dem neu geschaffenen Gremium zum Ausgleich bringen. Auf dieser Grundlage sollen Vorschläge entwickelt werden, „die uns weiterbringen“. Das Netzwerk werde eine Plattform bieten, „wo wir uns austauschen und dafür sorgen werden, dass die Informationen fließen“.

Borchert ist überzeugt, dass die Vorschläge des Kompetenzkreises im Bundeslandwirtschaftsministerium auf fruchtbaren Boden fallen werden: „Ich bin sicher, dass wir gehört werden.“ Enttäuscht zeigt sich der frühere CDU-Politiker von der Ankündigung des Tierschutzbundpräsidenten Thomas Schröder, nicht im Kompetenznetzwerk mitarbeiten zu wollen. Damit habe er „eine Chance vertan“. Die Tür bleibe für Schröder jedoch offen, betont Borchert.

INTERVIEW

AGRA-EUROPE: Als Vorsitzender des Kompetenznetzwerks für Nutztierhaltung stehen Sie einem Gremium vor, dessen Mitglieder zum Teil sehr unterschiedliche Interessen vertreten. Wie verstehen Sie Ihre Aufgabe, als die eines Moderators oder eines Zuchtmeisters?

Borchert: Mit unterschiedlichen Interessen kenne ich mich aus. Ich komme aus der landwirtschaftlichen Praxis und habe mich viele Jahre ehrenamtlich engagiert. In 29 Jahren im Deutschen Bundestag - besonders im Haushaltsausschuss - lernt man auch, wie‘s geht. Ich kenne die Landwirtschaft, aber vor allem auch ihre Verflechtungen mit Wirtschaft und Gesellschaft. Und das möchte ich jetzt einbringen. Die Diskussion wird nicht einfach. Die Interessen sind unterschiedlich. Der Verbraucher - die Gesellschaft - verlangen mehr Tierwohl. Wir müssen Wege finden, damit die damit verbundenen Mehrkosten auch bezahlt werden. Meine Erfahrung ist, dass vernünftige Lösungen am besten in offenen, konstruktiven Gesprächen gefunden werden können. Dem Moderator kommt dabei eine besondere Verantwortung zu. Der will ich mich stellen.

Inzwischen hat der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, erklärt, er werde nicht im Kompetenznetzwerk mitarbeiten, nachdem er noch an der konstituierenden Sitzung teilgenommen hatte. Wie sehr beeinträchtigt diese Entscheidung Ihre Arbeit?

Borchert: Ich bedaure das sehr. Damit hat der Deutsche Tierschutzbund eine Chance vertan. Der Arbeit des Netzwerks wird das keinen Abbruch tun. Die Tür bleibt aber weiter offen.

Das Kompetenznetzwerk soll dem Bundeslandwirtschaftsministerium zufolge das Ressort bei der Umsetzung und Weiterentwicklung der Nutztierstrategie beraten. In welcher Form soll das erfolgen?

Borchert: Beraten heißt, dass wir konkrete Vorschläge machen und die Überlegungen des Ministeriums konstruktiv kommentieren werden. Für die nächste Sitzung habe ich die Mitglieder gebeten, ihre Ideen zu einer wichtigen Grundfrage der Verbesserung des Tierwohls in der Nutztierhaltung einzubringen. Mehr Tierwohl kostet Geld. Die zentrale Herausforderung für eine Nutztierstrategie besteht darin, die notwendigen Mittel für Fortschritte beim Tierwohl und Umweltschutz in der Nutztierhaltung dauerhaft aufzubringen. Und - das dürfen wir nicht vergessen - die ökonomische Tragfähigkeit für die Erzeuger zu sichern. Wir werden sehr intensiv mit der Stabsstelle Nutztierstrategie des Bundeslandwirtschaftsministeriums zusammenarbeiten, unsere Ideen und Stellungnahmen der Ministerin übergeben und mit ihr diskutieren.

Wie oft werden Sie zusammenkommen?

Borchert: Das wird am Anfang etwas öfter sein. Ich werde jetzt für Anfang Juli zu einer weiteren Sitzung einladen, und wir werden dann den nächsten Termin festlegen. Aber wir brauchen dazwischen natürlich auch Zeit zum Denken. Die Mitglieder im Kompetenznetzwerk arbeiten ehrenamtlich und haben auch noch andere Verpflichtungen.

Ist es Ihr Ziel, Konsens in strittigen Fragen der Tierhaltung zu erzielen?

Borchert: Ja, das ist mein Ziel! Es geht um Akzeptanz der Nutztierhaltung in der Gesellschaft. Deshalb müssen die unterschiedlichen Interessen diskutiert und zu einem tragfähigen Ausgleich gebracht werden. Das ist mein Anspruch - nicht ganz einfach, gebe ich zu.

Welche Erwartungen haben Sie an die Mitglieder des Kompetenznetzwerks?

Borchert: Die Ministerin hat Wert gelegt auf Kompetenz und Vernetzung. Deshalb hat sie Persönlichkeiten, Entscheidungsträger und Fachleute aus Politik, Wissenschaft, Praxis und Verbänden eingeladen, sie bei der Weiterentwicklung und zukunftsfähigen Aufstellung der Nutztierhaltung zu beraten. Mein Anspruch ist es, die Stimmen aus den unterschiedlichen Richtungen zusammenzubringen und Vorschläge zu machen, die uns weiterbringen. Mein Anspruch ist es auch, eine Plattform zu bieten, wo wir uns austauschen und dafür sorgen, dass die Informationen fließen werden.

Welche Erwartungen haben Sie an das Bundeslandwirtschaftsministerium?

Borchert: Ich erwarte vom Bundeslandwirtschaftsministerium einen offenen Dialog. Die Vertreter des Ministeriums und der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung sind bei den Sitzungen dabei und werden die Mitglieder des Kompetenznetzwerks über die Pläne des Hauses informieren. Wir werden dazu unsere Meinung sagen, aber auch eigene Vorschläge einbringen. Ich bin mir sicher, dass wir gehört werden.

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerhard Steffek

"Ich bin mir sicher, dass wir gehört werden".

Fragt sich nur - von wem? Von den ganzen NGO's vielleicht ja, aber nur um dann wieder von denen in die Pfanne gehaut zu werden. Denn denen kann es doch nie genug sein, ansonsten verlören sie ja ihre Daseinsberechtigung. Hier trifft es zur Gänze zu, daß eine Diskussion mit Ideologen verlorene Zeit ist. Hinzu kommt das man nebenbei auch noch aufpassen muß. Nicht umsonst heißt es: "Diskutiere nie mit Idioten. Zuerst ziehen sie dich auf ihr Niveau runter und dann schlagen sie dich mit ihrer Erfahrung".

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