Britischen Farmern stehen harte Zeiten bevor

Den britischen Landwirten stehen nach dem Brexit harte Zeiten bevor, weil sie dann nicht nur von den EU-Geldern und dem Binnenmarkt, sondern z.B. auch von der Freizügigkeit ausländischer Saisonarbeiter abgeschnitten sind.

Den britischen Landwirten stehen nach dem Brexit harte Zeiten bevor, weil sie dann nicht nur von den EU-Geldern und dem Binnenmarkt, sondern z.B. auch von der Freizügigkeit ausländischer Saisonarbeiter abgeschnitten sind. Und sollten Verhandlungen mit der EU um einen Fortbestand der heutigen Handelsbeziehungen scheitern, muss Großbritannien selbst neue Märkte erschließen und günstige Zölle aushandeln.
 
Wie der Deutschlandfunk berichtet, gehen zunehmend Bauern mit Protestaktionen auf die Straße. So marschierten kürzlich 70 Milchviehhalter mit Kühen am Strick in einen Supermarkt. Vor der Kühltheke erklärten sie den verdutzten Kunden, dass es in sechs Monaten keine frische Milch mehr gäbe, wenn der Milchpreis so niedrig bleibt. Die Farmer könnten Milch nicht zu diesen niedrigen Preisen verkaufen.

Aber der Deutschlandfunk stellt auch fest, dass zuletzt jährlich umgerechnet fast vier Milliarden Euro an EU-Beihilfen an britische Bauern flossen. Mehr als die Hälfte ihres Einkommens stamme aus Brüssel. Die Farmer würden ohne diese Beihilfen vermutlich nicht überleben können, so die Schlussfolgerung. Britanniens Finanzminister Philip Hammond garantierte daraufhin, dass die Bauern bis 2020 ihr gewohntes Geld vom Staat erhielten. "Wir wollen, dass britische Unternehmen, Universitäten und Bauern weiter Zugang zu europäischen Geldern erhalten. Solange wir EU-Mitglieder sind, werden wir unseren Anteil bekommen."

Laut dem Sender ist das immerhin eine Übergangslösung, mehr aber nicht. Das Problem: Kein Bereich ist so eng mit der Europäischen Union verwoben wie die britische Landwirtschaft. Endet die EU-Mitgliedschaft, fallen nicht nur Beihilfen weg, sondern im schlimmsten Fall auch der EU-Binnenmarkt als Exportraum, heißt es. Eine Schafhalterin erklärt die Dimension. So biete die EU Zugang zu 500 Mio. Verbrauchern. 40 % ihres Lammfleisches gehe in den EU-Export. Insgesamt gehen sogar fast 75 % der britischen Agrarprodukte in die EU.

Die neuen Märkte könnten die Commonwealth-Staaten sein, von dort kämen dann aber auch Importe nach Großbritannien – und dann ohne Zölle, so Deutschlandfunk weiter. Einig sind sich die Farmer allerdings nicht, wie es nach dem Brexit weitergehen könnte. Die einen wollen das alte Subventionssystem 1:1 mit britischen Geldern fortsetzen. Die anderen wollen das System gründlich reformieren, mit mehr Marktwirtschaft.

Ein weiteres Problem wird der Zugang für ausländische EU-Arbeitnehmer, den will die Regierung deutlich erschweren. Gerade aber die Landwirte sind dringend auf süd- oder osteuropäische Arbeiter angewiesen. "Die Bauern machen sich Sorgen, wer die Arbeit erledig", erklärt Andrew Francis vom britischen Bauernverband. "Unsere Mitglieder glauben, dass wir eine Politik brauchen, die uns die Arbeitskräfte zur Verfügung stellt, damit wir unsere Agrarprodukte auch erzeugen können."

Harte Zeiten dürften laut Fachleuten insbesondere nach 2020 für die Farmer anbrechen, wenn die Hilfszusage der Regierung erst einmal ausläuft. Obwohl die Landwirte am EU-Tropf hängen und dringend polnische, bulgarische oder rumänische Arbeitnehmer brauchen, stimmten sie doch gerade auf dem Land für den Brexit. Der hilflose Appell lautet jetzt: Kauft britisch!


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