Bundesregierung einigt sich auf neue Düngeverordnung Premium

Die Düngeverordnung soll im Großen und Ganzen in der bisher diskutierten Form kommen. Nur zwei Ausnahmen von den Regeln in den roten Gebieten bleiben bisher noch unter Verschluss.

Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) haben sich auf gemeinsame Regeln zur Düngeverordnung geeinigt. Das bestätigten beide Ministerien am Mittwoch gegenüber top agrar. Der Vorschlag soll noch am Donnerstag an die EU-Kommission nach Brüssel verschickt werden und danach veröffentlicht werden. Die Einigung entspricht im Großen und Ganzen den Maßnahmen, die in den vergangenen Wochen und Monaten diskutiert wurden. Nicht öffentlich sind nur noch zwei Details. Erstens, welche Ausnahmen vom Düngeverbot im Herbst in den roten Gebieten es für Zwischenfrüchte und Raps geben wird. Zweitens, welche Ausnahme vom 20% Abschlag bei der Düngung ...

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Kanzlerin Merkel mischt sich in das Gerangel zwischen Agrarministerin Klöckner und Umweltministerin Schulze ein. Sie fordert, bei Düngeverordnung und Insektenschutz zu handeln.

Der Bauernverband und die Ökoverbände versuchen auf den letzen Metern zur Düngeverordnung Details zu beeinflussen. Es gibt Unterschiede, aber auch Gemeinsamkeiten.

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Die Bundesregierung will nach dem Düngegipfel nun kurzfristig die noch verbliebenen offenen Punkte klären. Das Kanzleramt brauche man dazu nicht.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Klaus Fiederling

Ein reinigendes Gewitter nicht nur in den Bauernköpfen, damit alle wieder klare Luft atmen können

Wir Bauern alle -insbesondere aber eine künftige Positionierung unserer berufsständischen Vertretung- muss sich von der realitätsfernen Vorstellung endlich verabschieden, ausschließlich Maximalerträge erzielen zu wollen bei Erfüllung höchster Qualitätsstandards. Mit eben diesen nunmehrig wirklich undiskutierbaren Gegebenheiten müssen sich in vorderster Priorität über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg endlich auch unsere Partner der Landwirtschaft im vor- und nachgelagerten Bereich arrangieren, d.h. die aktuell unverhohlen ausgelebten Erzeugerpreis-Dumpingkonstellationen über die gesamte Produktpalette bäuerlicher Roherzeugnisse hinweg MUSS(!) solchen restriktiven Vorschriften sofort nachhaltig angepasst werden. - Eine unternehmerische Freiheit jedes einzelnen Bauern sollte schlussendlich auch beinhalten, dass der Bauer die Deutungshoheit über die Verkaufspreise seiner Produkte nicht gänzlich verliert. Warum also sollen wir uns forthin in der nachstehend angeklungenen erniedrigenden Bittstellerhaltung hoffnungslos ergeben!? Es sind doch nicht wir Bauern, die aktuell in der Praxis die rechtsverbindlichen, sich zunehmend extrem verschärfenden Produktionsbedingungen vorgeben! Warum sollen wir also weiterhin als Geknechtete eines derartigen eng geschnürten administrativen Korsetts, das sehr vielen Bauernhöfen zusehends betriebswirtschaftlich die Luft zum Atmen entzieht, obendrein auch noch den gnadenlosen Würgegriff unserer „Partner“ der Landwirtschaft klag- und wehrlos hinnehmen müssen!? - Fehlt es uns zwischenzeitlich schon an der letzten nötigen Kraftanstrengung zu jedweder nur kleinsten Gegenwehr, sich diesen Ungerechtigkeiten entgegenstemmen zu können. Das allerdings wäre der absolute Todesstoß für noch sehr viele Familienbauernhöfe im Generationswechsel. - „Welche Perspektiven können selbst Sie“, werter Herr Kollege Dr. Billau, „der Jugend auf unseren Höfen damit zukunftsweisend vermitteln!?“ // Randständig angemerkt: Dürfen die Bauern den Landhändlern das Preisgefüge vorgeben, zu dem sie ihre Landtechnik erwerben? Ein anderes Beispiel aus dem realen Leben eines jeden Verbrauchers: Der Kunde von VW, BMW, Mercedes u.a. betritt die dortigen heiligen Hallen mit der glasklaren Ansage, zu welchem Kaufpreis er die dortigen Klassenschlager mitnimmt!? - Nun, Sie dürfen verwundert über selbige Gedankenansätze den Kopf schütteln wollen, um sich dann aber sofort nüchtern mit der realen Sach- und Rechtslage von uns Bauern auseinanderzusetzen, was WIR(!) so alles vollkommen willen- und klaglos über uns ergehen lassen müssen. - Sprechen wir dabei mittelfristig wirklich von bäuerlicher Zukunft!?

von Ernst Dieter Boos-Siepmann

Gülle doch nicht böse?

Mich würde nun mal interessieren, wie es zu der Differenzierung rein organische Düngung und organisch/mineralische Düngung kommt. Ist Gülle nun doch nicht böse, dafür aber der Mineraldünger? Oder wie oder was?

von Dr. Willi Billau

Stellungnahme des RBV Starkenburg zur geplanten Novelle der Düngeverordnung:

Seit mehr als 10 Jahren drängen wir auf eine Ursachenanalyse belasteter Brunnen. Diese wurde uns stets verwehrt. Nicht jeder belastete Brunnen ist von der Landwirtschaft verursacht und nicht immer in vollem Umfang. Es ist unstrittig, dass im Ried, vor allem bei intensivem Anbau verbreitet gute Messwerte von 0 bis 10 mg/l vorliegen. In „roten“ Gebieten soll im Betriebsdurchschnitt (bezogen auf die roten Flächen je Betrieb, nicht gesamte Fläche) 20 % weniger gedüngt werden als nach pflanzenbaulichen Standardwerten angezeigt. Diese Anwendung soll mehr Flexibilität erlauben als ein reiner Schlagbezug. Leider liegen große Teile Starkenburgs flächendeckend im roten Bereich. Gerade bei sehr kostenintensiven Spezialkulturen wie Kräutern, Jungpflanzen, verschiedenen Obst- und Gemüsekulturen kann eine 20 %ige Reduktion der Düngeraufwandmenge erstens die Erträge unter die Kostenschwelle drücken (die bei diesen Kulturen sehr hoch liegt) und zweitens, was noch schlimmer ist, können gegebenenfalls die erforderlichen Qualitäten nicht sicher erreicht werden (Mindestgröße und Ausfärbung der Früchte, Mindestgewicht bei Jungpflanzen usw.). Dadurch ist die Rentabilität des Anbaus nicht mehr gewährleistet. Eine Stickstoffobergrenze von 170 kg wird bei manchen Kulturen (z.B. Eliteweizen, bestimmte Gemüsearten) nicht die Erzielung gewünschter Qualitäten und auch Erträge erlauben, wie am Beispiel Dänemarks hinreichend bekannt sein dürfte. Auch der Eiweißgehalt im Grünland-Grundfutter ist dann suboptimal. Vertraglicher Wasserschutz sollte in den roten Gebieten entweder verbindlich vorgeschrieben werden oder es sollten Kooperationen zum Gewässerschutz als Option für Erleichterungen genutzt werden können. Das Beispiel Baden-Württemberg mit seinem seit 30 Jahren praktizierten Kooperationsmodell „SchALVO“ hat im Landesschnitt den prozentualen Anteil der Messstellen über 50 mg Nitrat/Liter fast halbiert. Wir in Hessen stehen noch am Anfang der Entwicklung! Wir bitten, unseren Argumenten zu folgen und verbleiben mit freundlichen Grüßen

von Hermann Kamm

Komisch laut DÜV ,

die mehr als 170 Kg/N je ha aus organischen Stickstoff düngen gilt die 20% Regelung in den roten Gebieten??? Was für ein Wiederspruch? laut DÜV ist es verboten mehr als 170Kg/N je ha aus organischen Stickstoff auszubringen. Fazit, gilt in den roten Gebieten die 20% Regelung nicht.???? oder wie ist der Beitrag zu verstehen? Auskunft der Redaktion Top Agrar währe Sinnvoll.

Anmerkung der Redaktion

Betriebe, die ausschließlich organisch düngen und unter 170 kg N/ha im Durchschnitt bleiben, betrifft die 20% Regel nicht. Für die Betriebe, die zusätzlich mineralisch düngen, gilt eine andere Grenze, die die Bundesregierung noch nicht verrät. Im Gespräch waren 140 kg N/ha oder 150 kg N/ha. Heute Nachmittag soll es die Gewissheit geben.

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