Insektenschutz/ Agrarpaket/ Bauernproteste

CDU/CSU üben Widerstand gegen Insektenschutzprogramm

Die CDU-Fraktionsvize Gitta Connemann erteilt Bewirtschaftungsauflagen ohne Ausgleich eine Absage. In ihrer Fraktion ist der Unmut über das Insektenschutzprogramm groß.

Widerstand gegen Teile des Aktionsprogramms Insektenschutz der Bundesregierung hat die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, angekündigt. „Mit mir wird es keine großflächigen Bewirtschaftungsauflagen und Unterschutzstellungen ohne Ausgleich geben“, sagte Connemann bei einem Fachgespräch ihrer Fraktion in der vergangenen Woche in Berlin. Sie hoffe auf die Unterstützung der Union, wenn es an die gesetzliche Umsetzung des Programms gehe.

Teilweise scharfe Kritik übte die CDU-Politikerin an der Bundesregierung. Umweltministerin Svenja Schulze warf Connemann vor, sie wolle eine „Enteignung durch die Hintertür“. Das Agrarressort habe nicht auf wiederholte Warnungen von Unionsabgeordneten vor den Folgen bestimmter Regelungen reagiert. Jetzt liege es an der Fraktion, Korrekturen herbeizuführen.

Connemann erwartet sichtbares Zeichen der Kanzlerin

Connemann verwies auf die hohen Erwartungen, die an das „Gipfeltreffen“ der Bundeskanzlerin mit Vertretern der Landwirtschaft am 2. Dezember in Berlin bestünden. „Wir brauchen ein sichtbares Zeichen von der Spitze der Bundesregierung, dass die existenziellen Probleme der Landwirtschaft wahrgenommen werden“, so die Abgeordnete. Die Bundeskanzlerin müsse deutlich machen, dass sie an der Seite der Landwirte stehe.

DBV will Interessen ausbalancieren

Der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Bernhard Krüsken, sieht Politik und Landwirtschaft „in einer handfesten Beziehungskrise“. An die Unionsfraktion appellierte Krüsken, ihre Führungsrolle in der Agrarpolitik wieder stärker wahrzunehmen. Es dürfe sich nicht der Eindruck verfestigen, dass sich die CDU/CSU von Nichtregierungsorganisationen und dem Koalitionspartner treiben lasse. „Wir erwarten, dass Politik wieder mehr agiert, anstatt lediglich zu reagieren“, sagte Krüsken.

DBV will „Land schafft Verbindung“ unterstützen

Nach Auffassung von Krüsken gibt es keine Alternative zu einer gemeinsamen Vertretung der landwirtschaftlichen Interessen. Die Landwirtschaft müsse „zurück zu einer Stimme finden“, sagte Krüsken. Angesichts der angekündigten neuerlichen Bauernproteste forderte der DBV-Generalsekretär die Landes- und Kreisbauernverbände dazu auf, die Bewegung „Land schafft Verbindung“ zu unterstützen. Krüsken räumte eine fehlende Klarheit des Bauernverbandes in einigen Positionen ein. Man stehe vor der schwierigen Aufgabe, unterschiedliche Standpunkte etwa zwischen Nord und Süd, Ost und West sowie zwischen Ackerbauern und Tierhaltern auszubalancieren. Der DBV verfüge über eine breite Mitgliedschaft, „die wir abbilden müssen“.

DRV greift ländliche Regionen als „Wirtschaftsraum“ auf

Auch der Präsident des Deutsche Raiffeisenverbandes (DRV), Franz-Josef Holzenkamp, rief dazu auf, dem „Primat der Politik“ wieder stärker Geltung zu verschaffen. Aus seiner Sicht steckt der Agrarsektor inmitten eines beispiellosen Transformationsprozesses. Er benötige daher „klare Leitplanken“. Weitere wichtige Faktoren seien Wertschätzung für die Arbeit der Landwirte und eine Anerkennung der ländlichen Regionen als „Wirtschaftsraum“. Schließlich müssten etwaige Änderungen in den rechtlichen Anforderungen an die Landwirtschaft „fachlich und wissenschaftlich nachvollziehbar“ sein.

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Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Gerner

Politik erreicht eher das Gegenteil ihrer Ziele.

Mit jeder (unbegründeten) Einschränkung der Produktion hierzulande entsteht ein Angebotsdefizit, dass von anderen Ländern aufgefüllt werden muss. Dazu wird dann beispielsweise in Brasilien der Regenwald brandgerodet. Dies ist die wohl krasseste Form von Insekten- und Artenschwund. ------------------------------ Liebe Politiker: Wo liegt dann der Sinn?

von Andreas Gerner

Bitte die wahren Ursachen finden und bekämpfen!!!

Unbegreiflich, warum die Landwirtschaft die Hauptschuld am Insektensterben (wenn es das denn tatsächlich gibt..) haben soll. Wenn in den letzten ca 30 Jahren tatsächlich ein Rückgang messbar ist (und nicht nur an der gefakten "Krefelder Studie" festgemacht), zieht das Argument "Die Landwirtschaft greift nunmal in den größten Teil der Fläche ein" nicht! Denn das war damals schon so und die Insekten hat´s wohl nicht ausgerottet. Man muss also betrachten, was sich zu damals verändert hat und da lassen sich Punkte finden, die klar belegen, dass die Landwirtschaft gar nicht schuld sein KANN !!!------- 1.: Zum einen hat die von uns bewirtschaftete UND dabei mit Pestiziden behandelte Fläche seitdem Abgenommen. Durch Straßenbau, Siedlungsbau, Naturschutzgebiete, Schutzstreifen, Stilllegungen, sonstige Greeningflächen, Biobetriebe, Golfplätze usw. greifen wir doch heute auf deutlich weniger Fläche ein als damals. -------- 2.: Dann die Mittel an sich: war mit den früheren Chemiekeulen nach der Behandlung alles tot und auch Neuzuflug ist durch Fraß an behandeltem Blattmaterial verendet, so werden mit den heute hochselektiven, Nützlingsschonenden und sich schnell rückstandslos abbauenden Mitteln nur bestimmte Teile des Spektrums an Insekten ausgeschaltet und nach wenigen Tagen bleibt Neuzuflug völlig unbeeinträchtigt. ---------- 3.: Die Technik: Damals war Abdrift, Überlappung, ungünstiges Tropfenspektrum, Nachtropfen, zu nahes Arbeiten an Säumen und Gräben usw. noch ein viel größeres Thema und darum ist öfter mal "etwas in den Graben oder an die Hecke gelangt". Heute ist Pflanzenschutz hochpräzise und lässt Nichtzielflächen sehr zuverlässig unangetastet. ----------- 4.: Anwendungsauflagen: Im Gegensatz zu damals zwingen heute Auflagen der Mitte, z.B. erst nach dem Bienenflug und bis spätestens 23:00 Uhr zu behandeln oder ab Blühbeginn gar nicht mehr zu spritzen.-------------------------------------------------------------- WER ALSO DANN? ------------ Da gibt es eine ganze Reihe Möglichkeiten, die alle für sich schon die Insektenkiller sein könnten, aber ganz bestimmt in ihrer Summe die Ursache sind: ---------- 1.: Verkehr. In den vergangenen 30 Jahren hat sich der PKW-Verkehr, Lastverkehr, und Luftverkehr jeweils grob VERDOPPELT! Und wenn statt damals einem kleinen Polo mit 120 auf der Autobahn heute nun 2 Touareg mit 200 fahren, ist klar, dass da einiges mehr an Fluginsekten und auch den kleinen Kriechern (die landen nicht auf der vielzitierten Windschutzscheibe, sondern bleiben an den Reifen unentdeckt) drauf geht. ---------- 2.: Klimawandel. Durch das heutige Extremwetter mitsamt seinen beinahe schon regelmäßigen Dürren gibt es eben immer weniger Pfützen, Rinnsäle usw. die den Insekten das ganze Jahr Reproduktion ermöglichen. ------------- 3.: Abgase. Mit den ganzen Stickoxiden, Feinstaub usw. ------------- 4.: Mobilfunk. Ob das eine Auswirkung hat, ist natürlich ungeklärt, aber wenn ein Faktor so treffgenau zum Vergleichszeitraum passt und eben in den letzten 30 Jahren von null auf Flächendeckende rund-um-die-Uhr-"Bestrahlung" Einzug gehalten hat, muss doch mal genauer hingesehen(geforscht) werden. Wer weiß, ob die Insekten in ihrer Navigation oder Fortpflanzung beeinträchtigt werden? ------------ 5.: Müllentsorgung. Gab es damals noch Mülldeponien und Komposthaufen, wo ständig Vögel rumgeschwirrt sind, weil es so viele Fliegen und anderes Gemück zu holen gab, wird heute jedes bisschen verbrannt. ---------- 6.: Düfte. Insekten orientieren sich auch mit Düften. Sie finden sich zur Paarung oder die versumpfte Stelle zur Eiablage. Wenn heute täglich Tonnenweise Deo, Parfüm, Duschgel, Desinfektionsmittel, Waschmittel, Autoreiniger, Raumspray usw. versprüht oder anderweitig freigesetzt wird, bleiben möglicherweise Insekten auf der Strecke. ----------- 7.: Abwasserreinigung. Unbestritten, dass die damals überall anzutreffenden Klärgruben oder gar ungeklärten offenen Gräben ein Eldorado für Insekten waren, heute aber vollends verschwunden sind. ------------- 8.: Naturschutz. Ja, dieser Punkt wird dem ein oder anderen missfallen, aber wenn jede letzte Kröte über die Straße getragen wird, jedem Singvogel eine Nisthilfe gebaut wird, jeder Unterschlupf für Fledermäuse geschützt wird, dann ist das "Natürliche Gleichgewicht" künstlich gestört und es sind einfach andauernd und überall Fressfeinde da, die in einem schwachen Jahr für die Insekten (nach hartem Winter oder trockenem Frühjahr) die gerupfte Restpopulation an Insekten empfindlich dezimieren und einen Wiederaufbau erschweren. ----------- 9.: Beleuchtung. Satelitenbildvergleiche von damals und heute jeweils zur Abendzeit verdeutlichen, wie viele zusätzliche Lichtquellen(Straßenlampen, Gebäudebeleuchtung, Lichter im Garten, Fahrzeugscheinwerfer, Flutlichtmasten usw. heute vorhanden sind. Viele Fluginsekten, die instinktiv in einem gewissen Winkel zum Mondlicht fliegen wollen, steuern stattdessen auf die nächste LED Straßenlampe zu und umkreisen die die ganze Nacht, bis sie von der Fledermaus gemopst werden oder erschöpft auf die Straße fallen und dort von den breiten SUV-Schlappen zerquetscht werden. ----------- 10.: Versiegelung: Wenn in Deutschland täglich zig Hektar Land zubetoniert oder asphaltiert werden, geht Lebensraum verloren! ---------- 11.: Steinwüsten: Wenn in privaten und kommunalen (Vor-)Gärten und auf jeder Verkehrsinsel nur Schotter statt blühendem Grün zu finden sind, haben Insekten das Nachsehen. ------------------------------------------------------------- Darum MUSS die Wissenschaft, Öffentlichkeit, die Medienwelt, die breite Front an sogenannten "Umweltorganisationen" und vor allem die Politik erst mal gründlich überlegen, was denn im Betrachtungszeitraum wirklich neu auf die Insekten einwirkt und deshalb als Ursache in Frage kommen kann. Die Landwirtschaft ist´s wohl nicht!!! Ohne dahingehende wissenschaftliche Ergebnisse trotzdem die Landwirtschaft als schuldigen hinzustellen, ist eine bodenlose Frechheit und gehört eigentlich sogar als Rufmord strafrechtlich verfolgt. Enteignungsgleiche Zwangsauflagen für die Landwirtschaft darf es nicht geben, da die Ursachen offensichtlich anderswo zu finden sind.

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