Fleischwirtschaft

Coronakrise in Schlachthöfen löst Debatte um Preisdumping aus

Die Häufung von Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben hat eine Debatte um Arbeitsbedingungen und Preiswettbewerb in der Fleischbranche entfacht. Auch Verbote werden nicht mehr ausgeschlossen.

In der Debatte um die Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen fordert der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, Georg Nüßlein, einen Stopp von Billigpreis-Werbung für Fleisch. Man müsse das Übel an der Wurzel packen, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Nicht zuletzt der Preisdruck beim Fleisch sei für prekäre Beschäftigungsverhältnisse mit daraus resultierenden Gesundheits- und Hygienerisiken verantwortlich. Deshalb müsse der „unanständige Dumpingwettbewerb“ beendet werden, sagte er. Nüßlein sprach sich für eine freiwillige Selbstverpflichtung des Handels aus. Sollte das nicht gelingen, müsse man ein Verbot in Betracht ziehen.

Nach einer Häufung von Corona-Infektionen in Schlachtbetrieben stehen die Arbeitsbedingungen mit Sub-Unternehmern und Sammelunterkünften für die zumeist aus Mittel- und Osteuropa stammenden Arbeitskräfte massiv in der Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatten am Mittwoch im Bundestag Konsequenzen angekündigt. Arbeitsminister Heil will dazu am Montag Vorschläge liefern. In einer aktuellen Stunde im Bundestag äußerten am Mittwoch Vertreter aller Bundestagsfraktionen, dass sie eine Notwendigkeit sehen, zu den Arbeitsbedingungen in der Fleischwirtschaft gesetzgeberisch tätig zu werden

Die seit Montag in NRW, Schleswig-Holstein und nun auch in Niedersachsen groß angelegten Tests auf Covid-19-Infektionen in Schlacht- und Zerlegebetrieben deuten bisher nicht auf eine weitere Verschärfung der Infektionslage in Schlachthöfen hin. Allerdings laufen überall auch noch Testreihen. Danach sind die ersten Ergebnisse bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück und in Kellinghusen alle negativ. Auch bei den Westfleisch Standorten in Hamm, Lübbecke, Gelsenkirchen und im niedersächsischen Bakum sind die bisher ausgewerteten Tests negativ ausgefallen. Einer von 219 Coronatests, der bei Mitarbeitern am Rinderschlachthof der Vion in Hilden gemacht wurde, war positiv. Gleiches gilt für das Schlachtunternehmen Tummel in Schöppingen.

Zuvor hatte es in mehreren Schlachthöfen in Deutschland besonders hohe Zahlen an Covid-19-Infizierten gegeben. Bei Westfleisch im westfälischen Coesfeld wurden bis Dienstagmittag 260 von etwa 1.200 Arbeitern positiv getestet. In einem Schlachthof in Schöppingen im Kreis Borken wurden am Montag 34 Infektionen gezählt. Bei Müller Fleisch in der Nähe von Pforzheim in Baden-Württemberg stieg die Zahl der Infizierten auf 400 von insgesamt 1.100 Mitarbeitern. Beim Schlachthofbetreiber Vion in Bad Bramstedt in Schleswig-Holstein waren mehr als 100 Beschäftigte des Schlachthofs mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert.

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Diskussionen zum Artikel

von Christian Kraus

@Andreas Gerner

Top Kommentar, besser hätte man es nicht sagen können. In vielen Bereichen stehen wir vor Problemen deren Lösungen wir alle schon mal hatten.

von Rudolf Rößle

Einfach

Zuerst an der Erzeugerquelle die Vollkosten zahlen, dann im Schlachthaus. Wie der Handel dann verkauft ist seine Sache solange die Erzeuger und Verarbeiter ordentlich entlohnt sind. So lange nicht von unten her gedacht wird, verhallen die Kommentare im Nirwana. Verlässlichkeit scheint ... mehr anzeigen

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in D ist nicht mehr zu ertragen,seit Jahren weisen Menschen auf die Bedingungen auf deutschen Schlachthöfen hin, gestern stellt Mutti sich hin, nachdem die Pandemie die Missstände noch mal sichtbar gemacht hat, und sagt man wolle dagegen vorgehen, ich kann diese Frau nicht mehr ... mehr anzeigen

von Diedrich Stroman

Deutschland Sklavenland!

Einfach klasse Renke, der Text gehört in das Bundespresseblatt und im Bundestag angeschlagen, diesen elitären, populistischen Schreihälse haben doch jeglichen Bezug und Respekt für ihr tun und handeln verloren!!!!

von Gerd Uken

Und dasFörderalistische System

Bestes Beispiel man kann mit 400 Personen 12 std.im Jumbo nach China fliegen( machen sie mit den Sauen) ja auch aber bei u s wird vom Landkreis bei der Vatertagstour den Gastronomen der Verkauf von alkoholischen Getränken untersagt auch der Verzehr von Speisen innerhalb eines Radius von ... mehr anzeigen

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von Hans Spießl

wir werden doch nur noch angelogen so schaut es doch aus. geht auf die Politiker los, sprecht sie an fragt sie am besten im Rahmen öffentlicher veranstalltungen, nagelt sie an was dies oder jenes soll

von Andreas Gerner

Vor allem

wurden die vielen kleinen Schlachter verdrängt. Vor rund einer Generation hatten wir noch viel mehr Metzgereien (nicht nur Filialen) und beinahe jedes Unternehmen hat selbst zumindest Schweine geschlachtet, die meisten auch Rind. Wer kann das heute noch? Da ist aber nicht nur die mit den ... mehr anzeigen

von Hans Spießl

genau richtig

ja diese scheinheiligen Politiker predigen ja immer regional und die Wirklichkeit zeigt doch das Gegenteil. Ich bete und Hoffe das die Not bald so groß werden wird das dies wieder kommen wird. Gerade diese hoch subventionierten Bio ... mehr anzeigen

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