Stimmen

Das sagen Politiker und Verbände zur Zukunftskommission Landwirtschaft

Verbände und Politiker loben die von der Zukunftskommission Landwirtschaft gefundenen Kompromisse zur Transformation der Landwirtschaft. Hier eine Meinungsübersicht.

Die Teilnehmer der Zukunftskommission Landwirtschaft haben am Dienstag ihre langfristige Empfehlungen und Leitlinien für den Transformationsprozess des Landwirtschafts- und Ernährungssystems an Bundeskanzlerin Angela Merkel übergeben. Konkret ging es darum, Klima- und Umweltschutz zusammenzubringen mit Ernährungssicherung und dem Erhalt einer ökonomisch tragfähigen Landwirtschaft in Deutschland. Die Vorschläge kommen in Politik und Verbandswesen weitestgehend gut an. Hier einige Stimmen.

-------

Klöckner: Eingeleiteten Transformationsprozess konsequent fortsetzen

Lob für die Empfehlungen gibt es von Bundesagrarministerin Julia Klöckner. „Der Abschlussbericht und meine Politik zielen in die gleiche Richtung: Im Sinne des Berichts bringen wir den Transformationsprozess in der Landwirtschaft bereits konsequent voran“, sagte die CDU-Politikerin.

Es herrsche Einigkeit beim Bekenntnis für eine nachhaltigere, wirtschaftlich erfolgreiche und gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft. Zum anderen stelle der Bericht heraus, dass diese Transformation nicht ohne gesamtgesellschaftliche Anstrengungen möglich ist. „Klar ist, dass höhere Standards mehr Geld kosten – das habe ich immer betont.“ Die Kommission beziffert den finanziellen Mehrbedarf für den Transformationsprozess auf 7 bis 11 Mrd. €/Jahr. Diese Kosten können laut Klöckner nicht allein von den Betrieben getragen werden. Zumal sie auch im internationalen Wettbewerb stehen, vielmehr müssen Unternehmen und Gesellschaft gemeinsam in die Zukunft der deutschen Landwirtschaft investieren.

„Entscheidend ist, dass nur bei verlässlichen ökonomischen Perspektiven die Betriebe in der Lage sein werden, die Herausforderungen auch tatsächlich anzugehen und insbesondere Junglandwirten sowie potenziellen Hofnachfolger eine Perspektive zu geben. Die zentrale Bedeutung standort- und klimaangepasster sowie ertragreicher Pflanzen für den Wandel der Agrar- und Ernährungssysteme wurde von der ZKL bestätigt. Sie müsse sich in einer umfassenden politischen Strategie für die Pflanzenzüchtung widerspiegeln“, so Klöckner.

Die Ministerin drückte abschließend ihren großen Respekt für die Kompromissbereitschaft aller Beteiligten aus.

-------

Schulze: Einigkeit darüber, dass das heutige System geändert werden muss

Svenja Schulze

Svenja Schulze (Bildquelle: Pressebild)

Auch Sicht von Bundesumweltministerin Svenja Schulze zeigt die Zukunftskommission den großen Transformationsbedarf in der Landwirtschaft. Es sei jetzt Konsens unter allen Beteiligten, dass das derzeitige Landwirtschaftssystem weder ökonomisch, noch ökologisch tragfähig ist.

„Die Kommission hat deutlich gemacht, dass die Transformation mittelfristig für Umwelt, Landwirtschaft und Gesellschaft finanziell günstiger ist als das bisherige System. Es ist aus meiner Sicht sehr gut, dass die Kommission klar sagt, dass es in Deutschland zu viele Nutztiere auf zu wenig Raum gibt und sich das ändern muss. Die ökologisch blinden Direktzahlungen müssen vollständig auslaufen und durch ein besseres Fördermodell ersetzt werden“, so Schulze.

Die Verbraucher rief sie auf, die ökologische Leistungen der Bauern fair zu honorieren. „Die Veränderungen in der Landwirtschaft sind unvermeidlich – aber sie sind keine Aufgabe, bei der wir die Landwirte allein lassen können. Es ist eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft.“ Schulze wünscht sich, dass die Punkte in den nächsten Koalitionsvertrag mitaufgenommen und abgearbeitet werden.

-------

-------

DBV: Umweltleistungen nur möglich, wenn Geld verdient wird

Werner Schwarz

Werner Schwarz (Bildquelle: BV SH)

DBV-Vizepräsident Werner Schwarz forderte unterdessen am Dienstag die Parteien auf, die Ergebnisse des Berichts in der kommenden Legislaturperiode auch in politische Entscheidungen einfließen zu lassen. „Dieser Bericht, der von allen Beteiligten einstimmig beschlossen wurde, ist eine Grundlage für den zukünftigen politischen Diskurs über Landwirtschaft. Das kann die Politik, egal wer zukünftig regiert, nicht einfach ausblenden“, sagte er.

Alle Teilnehmer der Kommission hätten deutlich gemacht, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, den Transformationsprozess der Landwirtschaft zu unterstützen und auch zu finanzieren.

Die wichtigsten Ziele im Abschlussbericht der ZKL aus Sicht des DBV sind:

  • Die Agrar- und Ernährungswirtschaft ist bereit, den Weg zu einer nachhaltigeren Zukunft entschlossen weiterzugehen.
  • Es darf keine Verlagerungen ins Ausland geben, sogenannte Leakage-Effekte müssen vermieden werden.
  • Nur eine ausreichende Wertschöpfung am Markt sichert die Zukunftsfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe.
  • Landwirtschaft kann die enormen Kosten der Erneuerung nicht allein stemmen.
  • Unternehmen und Gesellschaft müssen gemeinsam in die Zukunft der deutschen Landwirtschaft investieren.
  • Die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) soll weiterentwickelt und zusammen mit weiteren nationalen Ansätzen genutzt werden, um den Umbau der Landwirtschaft zu beschleunigen und gleichzeitig den Wirtschaftsbeteiligten Planungs- und Investitionssicherheit zu geben.
  • Neue Züchtungstechniken bieten Optionen, standort- und klimaangepasster sowie ertragreicher Pflanzen zu entwickeln.
  • Tierhaltung in Deutschland soll erhalten bleiben, der Umbau soll finanziert werden.

--------

WLV: Kompromisse sollen nicht mehr in Frage gestellt werden

Hubertus Beringmeier, Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) und Sprecher für den Bereich der Schweinehaltung im Deutschen Bauernverband (DBV), ist vor allem erleichtert, dass es den Abschlussbericht gibt, denn dies war aufgrund der sehr unterschiedlichen Positionen unter den Akteuren lange Zeit nicht sicher. Ein so komplexes Unterfangen wie die Transformation der Landwirtschaft brauche neben Sachverstand vor allem auch Kompromissbereitschaft von allen Seiten. „Ein Kompromiss, der nicht allen Seiten Schmerzen bereitet, ist meist kein guter Kompromiss“, sagte der Westfale.

Erleichtert ist man im Verband außerdem, dass neben dem klaren Bekenntnis zum Agrarstandort Deutschland die definierten Leitplanken von allen beteiligten Akteuren und der Politik nicht erneut in Frage gestellt werden sollen. Wichtig sei auch die Aussage, dass bei allem Willen zur Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit anerkannt wurde, dass die landwirtschaftlichen Betriebe auch ökonomisch in der Lage sein müssen, höhere Standards umzusetzen.

--------

RLV hofft auf Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Das sieht auch der Rheinische Landwirtschaftsverband (RLV) so. „Wenn es uns gelingt, diese Empfehlungen der Kommission in politisch verlässliche Formen zu gießen, hat unsere Landwirtschaft eine Perspektive“, erklärt RLV-Präsident Bernhard Conzen. Denn ohne den Rückhalt der Gesellschaft und ein ausreichendes Einkommen seien die Landwirte jeder Möglichkeit beraubt, beim gewünschten Wandel mitzuhalten.

„Damit die Bauern diesen Weg beschreiten können, bedarf es umgehend eines qualifizierten Außenschutzes, der die hohen Umwelt- und Tierschutzstandards der heimischen Erzeugung absichert“, so Conzen weiter. „Für uns geht es jetzt darum, die Ergebnisse aus Berlin ohne Strukturbrüche verträglich auf die Äcker und in die Ställe zu bekommen. Das wird nicht leicht für uns Landwirte, wir stehen damit vor großen Herausforderungen und Aufgaben. Und auch die Gesellschaft wird ihren Teil dazu beitragen müssen“, prophezeit Conzen. Billigpreisangebote kritisch zu hinterfragen und auf Regionalität und Saisonalität zu achten müsse genauso normal werden, wie für grünere Innenstädte zu sorgen.

„Wir Landwirte setzen auf Unterstützung und eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe – ohne einseitige Schuldzuweisungen, dafür mit klugen und gut durchdachten Ideen und Maßnahmen.“

-------

Freie Bauern: Schlag ins Gesicht für alle, die sich engagiert haben

Reinhard Jung von den Freien Bauern sieht das etwas anders. Er erinnert, dass das Gremium gegründet wurde, weil im Herbst 2019 ganz viele Landwirte auf die Straße gegangen sind, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Wenn in dem Abschlusspapier jetzt ein grundlegender Umbau der Landwirtschaft aus angeblich ökologischen oder ethischen Gründen gefordert wird, so habe das nichts mehr mit den Protesten von damals zu tun, so Jung.

„Dass Bauernverband und DLG sich mit Agrarprofessoren und Nabu einig werden, war zu befürchten, aber dass der Sprecher von LSV Deutschland Dirk Andresen diesen Unsinn mitträgt, ist ein Schlag ins Gesicht aller Berufskollegen, die sich engagiert haben“, empört sich der Landwirt.

Aus Sicht der Vereinigung besteht für 90 % der deutschen Landwirtschaft überhaupt kein Umbaubedarf. „Unsere bäuerlichen Familienbetriebe gehen nachhaltig mit dem Boden und verantwortungsbewusst mit den Tieren um, weil wir in Generationen denken“, argumentiert Jung, der Mutterkühe und Mastrinder im brandenburgischen Lennewitz hält. Fehlentwicklungen gebe es lediglich durch den Ausverkauf ostdeutscher Großbetriebe an überregionale Investoren und durch flächenunabhängige Intensivtierhaltung in einigen Regionen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens. Diese Probleme müssten politisch gelöst werden und dürften keinesfalls zu Belastungen für die große Mehrheit der ordentlich wirtschaftenden Bauern führen.

-------

AbL: Faire Preise für Bauern

Elisabeth Fresen, Kommissionsmitglied und Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) lobt das Bekenntnis der Kommission, dass Bauern faire Preise für ihre Produkte bekommen müssen und dass die Erbringung von Gemeinwohlleistungen betriebswirtschaftlich attraktiv und die Europäische Agrarpolitik ab 2023 danach ausgerichtet sein muss. So könnten Höfe bei der anstehenden Transformation, die ökologisch, ökonomisch und sozial sein muss, mitgenommen werden. „Mit Hilfe von freiwilligen und zeitlich begrenzten Mengenregulierungen können wir Überschussproduktion und drastische Preiseinbrüche verhindern. Die Empfehlungen zu einer flächengebundenen Tierhaltung und die finanzielle Unterstützung beim notwendigen tierwohlgerechten Umbau der Tierhaltung zeigen, dass die Kommission die Tierhalter*innen bei ihrer großen Herausforderung nicht alleine lassen will.“

Im Abschlusspapier seien Instrumente genannt, die den Ausverkauf der Landwirtschaft an außerlandwirtschaftliche Investoren stoppen können, z.B. mit einer Gewerbesteuerreform. Der AbL sei vor allem die Regulierung der Neuen Gentechnik mit Berücksichtigung des Vorsorgeprinzips und der Wahlfreiheit wichtig gewesen. Und Handelsabkommen der EU müssten strenge soziale und ökologische Standards sowie die Menschenrechte verpflichtend einhalten, sonst könnten sie nicht abgeschlossen werden.

„Auch das Konsum- und Ernährungsverhalten wird sich verändern, dafür ist auch eine verpflichtende Kennzeichnung von Lebensmitteln eine wichtige Empfehlung im Abschlussbericht. Für alle diese Punkte haben wir in der Kommission konstruktiv und intensiv gestritten und es hat sich gelohnt“, so Fresen.

-------

IG BAU: „180 Grad-Wendung in der Landwirtschaftspolitik“

Harald Schaum

Harald Schaum (Bildquelle: Pressebild)

Der Vizebundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Harald Schaum, ist überzeugt, dass auch die Beschäftigten in der Landwirtschaft ebenso wie die Betriebe, die sich an Sozialstandards halten, von den Vorschlägen profitieren werden.

Erntehelfer und Saisonbeschäftigte sollen künftig in der Regel sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden. „Dafür kämpfen wir seit Jahren. Erst vor kurzem wurde die Anzahl der Tage, an dem die meist aus Osteuropa stammenden Saisonarbeitskräfte sozialversicherungsfrei arbeiten sollen, von 70 auf 102 Tage erhöht. Damit hat die Politik die prekäre Beschäftigung in einer Branche gestärkt, die ohnehin für Niedriglöhne und harte Arbeitsbedingungen bekannt ist. Deshalb freue ich mich über diese, man kann es ruhig so nennen, 180 Grad-Wendung“, so Schaum.

Für ihn steht diese Neuausrichtung im Kontext mit der in der vorvergangenen Woche erzielten EU-Einigung, die Subventionen abhängig von der Einhaltung grundlegender Sozialbedingungen macht.

„Mit der nationalen wie auch der europäischen Einführung der sozialen Konditionalität wird ein großer Schritt gemacht. Sowohl die Ergebnisse der Zukunftskommission als auch die Vorgaben der neuen gemeinsamen Agrarpolitik in der EU müssen jetzt in nationales Recht umgesetzt werden, da dürfen wir keine Zeit verlieren. Wir erwarten von der nächsten Bundesregierung eine klare Prioritätensetzung, schon zur nächsten Erntesaison im kommenden Jahr müssen die neuen Gesetze und Verordnungen greifen.“

-------

Zukunft gibt‘s nur mit Junglandwirten

Kathrin Muus

Kathrin Muus (Bildquelle: Bundesregierung.de)

Die Empfehlungen der Kommission drücken laut Kathrin Muus vom Bund der Deutschen Landjugend deutlicher denn je aus, dass es nicht um kurzfristige Gewinnperspektiven, sondern um langfristige Zukunftsperspektiven für Junglandwirte geht.

Ebenso klar sei auch, dass nun Gesellschaft und auch Politik zeigen müssen, dass es ihnen mit einer betriebswirtschaftlich geführten Landwirtschaft in Deutschland ernst ist. Deshalb sei es gerade jetzt wichtig, diesen gleichberechtigten Dialog und Ausgleich zwischen den Interessen der Landwirtschaft und der Gesellschaft auch außerhalb der Zukunftskommission fortzusetzen.

„Mit klarem Verstand, Hitze im Herzen und offenem Visier haben wir gestritten für die Zukunft der betriebswirtschaftlichen und faktenbasierten Landwirtschaft. Wir haben gekämpft für langfristig angelegte Planungssicherheit, für herausgehobene Förderung von Junglandwirten, für den Erhalt und die Verbesserung der agrarischen Bildung, für die ökonomische Unterstützung von Auszubildenden, für Hofübergaben, die nicht vom guten Willen des Abgebenden abhängen, und nicht zuletzt für das Klima auf unserem gemeinsamen Planeten, das in großem Maße die Zukunft unserer jungen Landwirte und deren Familien betreffen wird…“, stellt die BDL-Bundesvorsitzende klar.

Beispielhaft nennt Muss die Empfehlung, die Hofübergabe gesellschaftlich und politisch zu unterstützen und Junglandwirten einen bevorzugten Zugang zu Grund und Boden zu ermöglichen. Ein erster guter Schritt ist dabei die pauschale Junglandwirteförderung (je Hektar), die nicht den föderalen Ungleichheiten unterworfen sein darf, heißt es im BDL. Darüber hinaus hat die ZKL ein ganzes Bündel an betriebswirtschaftlichen Unterstützungshilfen für Junglandwirte empfohlen, u.a. ein dreijähriges staatlich gefördertes Coaching für den Hofeinstieg.

Neben vielen Herausforderungen hat die ZKL auf Betreiben der Jugendverbände auch die Aus- und Weiterbildung in den Fokus genommen und von einem Randthema in den Mittelpunkt der Entwicklung von Landwirtschaft gestellt.

Abschließend wünscht sich Muss mehr von dieser konstruktiven Streitkultur, die die ZKL geprägt hat und die das Miteinander von Umweltschutz und Landwirtschaft unterstützt.

-------

CDU/CSU lobt Merkel für ihr Vorgehen

Logo

Die Union lobt sich: Alles richtig gemacht (Bildquelle: Logo)

Erleichtert zeigt sich die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann. Die Einsetzung von Prof. Strohschneider als fairer Moderator habe den Erfolg gebracht. „Eines solchen Maklers bedurfte es. Denn zu häufig standen Umwelt- und Agrarseite gegen­einander, dabei geht beides nur miteinander. Der Vorschlag der Bundeskanzlerin, eine Zukunftskommission einzusetzen, hat sich damit bewährt“, so Connemann.

Sicherlich werde allerdings jede Seite in dem Bericht Aussagen finden, die schmerzen. Nicht jede Frage sei abschließend geklärt. „Wie lassen sich zum Beispiel Transformation und Ernährungssicherung in Einklang bringen? Denn am Ende liegt die Urproduktion auch im Urinteresse der Bevölkerung. Aber der Weg ist aufgezeigt. Diesen müssen wir gemeinsam gehen – Gesellschaft und Politik. Wir haben eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und Verpflichtung.“

Aus Sicht des Agrar-Sprechers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Albert Stegemann, zeigt der Bericht, dass eine gesellschaftlich akzeptierte Landwirtschaft sich kontinuierlich wandeln muss und gleichzeitig nicht zum Nulltarif zu haben ist. Der Abschlussbericht beleuchte Zielkonflikte und erkläre richtigerweise, dass daraus resultierende politische Maßnahmen verhältnismäßig, wissenschaftlich fundiert und mit ökonomischen Grundsätzen vereinbar sein müssen.

Und die Europaabgeordnete Marlene Mortler hebt heraus, dass es gelungen sei, extreme Positionen und Interessengruppen miteinander zu verbinden. Sie hofft, dass es endlich mehr Planungs- und Investitionssicherheit in der Praxis gibt und dass die Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. Das geht nur mit ausreichender Wertschöpfung.

-------

FDP: Regierung hätte Dialog viel früher suchen sollen

Anerkennung kommt sogar vom Agrarsprecher der FDP-Fraktion, Dr. Gero Hocker. Er bezeichnet sie als solides Fundament einer zukunftsfähigen Landwirtschaft. "Dass die Zukunftskommission in wesentlichen Punkten das Gegenteil der jetzigen Agrarpolitik empfiehlt, sollte die Große Koalition endlich aufwecken. Statt der im Laufe der Legislatur geschaffenen zahlreichen Belastungen für die Landwirte in Deutschland, hätten Union und SPD viel früher einen Dialogprozess mit den Landwirten suchen sollen. So wären komplett unsachliche Regelungen wie das Insektenschutzpaket oder die Düngeverordnung niemals auf den Weg gebracht worden. Ziel muss es zukünftig vor allem sein, Innovativen und zukunftsfähige Technologien in der Landwirtschaft zu fördern“, so Hocker.

-------

Tierschutzbund: Ist erstmal nur ein Rahmen

Thomas Schröder

Thomas Schröder (Bildquelle: Pressebild)

Mit am Verhandlungstisch saß Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Er spricht von einem ersten Schritt hin zu einer Zeitenwende. Er betont aber ausdrücklich, dass es sich nur um einen Rahmen handelt, an dem sich die Landwirtschaftspolitik in den kommenden Jahren zu richten haben wird. „Es wird die Aufgabe der nächsten Bundesregierung sein, die geeigneten Instrumente zu erarbeiten und Fristen zu setzen. Da wird es noch Diskussionen im Detail geben, aber die Richtung der Transformation, die ist jetzt geklärt, es darf kein Zaudern und Bremsen mehr geben“, kommentiert Schröder.

Aus Tierschutzsicht seien immerhin viele Punkte im Abschlussbericht enthalten, die Tierschützer hoffnungsfroh stimmen könnten. So wird die Absicht formuliert, den Konsum und damit einhergehend die Produktion tierischer Produkte zu reduzieren, ebenso wie das Ziel, Tierbestände an die Fläche zu binden. Außerdem strebt die ZKL ein Ende von Tiertransporten in Drittstaaten an, berichtet Schröder weiter. Diese Bekenntnisse würden in der Umsetzung bahnbrechende Fortschritte für den Tierschutz bedeuten. „Die jetzt anerkannte ethische Debatte um die Zukunft der Tierhaltung macht uns Tierschützern Mut und schafft Vertrauen“, sagte der oberste Tierschützer am Dienstag.

-------

Linke begrüßen neues Denken

Frau

Kirsten Tackmann: "Die Vielfalt an wichtigen und drängenden Themen und ihr systemischer Zusammenhang machen den Abschlussbericht so wichtig. Zu häufig wurden in der Vergangenheit die Augen vor den drängenden Zukunftsthemen verschlossen." (Bildquelle: Bundestag/Achim Melde)

Die Linken sehen in dem Papier den Weg zu einem Systemwechsel beschrieben, der alle in die Pflicht nimmt. Statt Konkurrenz für Profit seien Kooperation und Gemeinwohl gefragt. „Damit stehen jetzt Türen offen, aber die gerechte Finanzierung wird zur Gretchenfrage", so Kirsten Tackmann, agrarpolitische Sprecherin der Fraktion.

"Dass die Finanzierung in erster Linie nicht zu Lasten von landwirtschaftlichen Betrieben und den Verbrauchern gehen darf, aber auch nicht allein vom Staat zu tragen ist, markiert ein wichtiges Bekenntnis der Kommission.“ Die gesamte Lebensmittelkette muss ihrer Ansicht nach an der Finanzierung des Umbaus beteiligt werden, insbesondere die Konzerne, die vom aktuellen System profitiert haben. „Hier braucht es jetzt tragfähige Finanzierungskonzepte. Klar ist jedoch, dass das Geld in die Hand genommen werden muss, sonst wird es noch teurer für die kommenden Generationen. Das muss verhindert werden“, so Tackmann.

-------

Grünen sind strenge Gentechnikregeln wichtig

Harald Ebner, Sprecher der Grünen im Bundestag für Gentechnik- und Bioökonomiepolitik, betont, dass auch neue gentechnische Verfahren wie CRISPR/Cas auf Grundlage des Vorsorgeprinzips reguliert und gekennzeichnet werden müssen. Er hält auch ein ,Zulassungsverfahren light' für Neue Gentechnik für einen Irrweg. Stattdessen müsse die differenzierte Einzelfallbewertung auf wissenschaftlicher Basis beibehalten werden.

------

Lob von NEULAND

Lob gibt es vom NEULAND-Qualitätsfleischprogramm für besonders tiergerechte Haltung. „Damit sind die Vorschläge von NEULAND in der Mitte der Gesellschaft angekommen und werden von einem Großteil der Zivilgesellschaft unterstützt,“ sagte der Vorsitzender des Vereins, Prof. Dr. Hubert Weiger.

„Auch der Lebensmittelhandel ist mittlerweile bereit seine Sortimentspolitik in Richtung höherer Tierschutzanforderungen zu ändern. Das begrüßen wir. Auch dieses Signal ist für die Branche wichtig. Wir hoffen das neben dem Handel auch mehr Fleischerfachgeschäfte, die Gastronomie und Gemeinschaftsverpflegung die Zeichen der Zeit erkennen und ihre Sortimentspolitik ändern und Produkte aus besonders tiergerechter Haltung anbieten“, ergänzt der Vorstandsprecher des NEULAND-Vereins, Jochen Dettmer.

Weiger fordert die Politik auf, die Vorschläge umzusetzen und einen wahren Transformationsprozess für das Agrar- und Ernährungssystems einzuleiten, damit das Wachsen und Weichen ein Ende hat und wir eine gemeinsame Zukunft für Mensch, Natur und Tierschutz haben.

---------

BBV: Vorrang für Kooperationen gut – Ärger über Aldi

Walter Heidl

Walter Heidl traut Aldi nicht (Bildquelle: ZLF)

Bayerns Bauernpräsident Heidl hält für besonders wichtig, dass die Bauernfamilien die Bevölkerung auch künftig mit regionalen und gesunden Lebensmitteln versorgen sollen. Alle Beteiligten sprechen sich klar für regionale Erzeugung und gegen eine Verlagerung der Produktion ins Ausland aus. „Der Bericht dokumentiert außerdem eine klare Übereinkunft, dass bei allem Willen zur Veränderung hin zu mehr Nachhaltigkeit die betriebswirtschaftliche Tragfähigkeit eine unabdingbare Voraussetzung ist.“

Zudem sei es gelungen, den Vorrang von Kooperationen in dem Abschlussbericht zu verankern, sodass der Freiwilligkeit und Kooperation der Vorrang vor dem Ordnungsrecht zu geben ist. „Dieses Bekenntnis wird auch von Umweltorganisationen wie dem Deutschen Naturschutzring mitgetragen. Das ist ein Paradigmenwechsel!“, sagt Heidl.

Damit Lebensmittelerzeugung und Tierhaltung in Deutschland eine Zukunft haben, müssen aus Sicht des Bauernverbandes zudem dem Lebensmitteleinzelhandel klare Grenzen gesetzt werden. Zuletzt hatte ALDI versucht, sich beim Thema Tierwohl in Szene zu setzen und angekündigt ab 2030 nur noch Frischfleisch aus den Haltungsstufen 3 und 4 verkaufen zu wollen. Weitere Handelskonzerne kündigten daraufhin ähnliche Schritte an. Bauernpräsident Heidl kritisierte dieses Vorgehen scharf und warf den Handelskonzernen im Gespräch mit dem Münchner Merkur Verlogenheit vor: „Man schraubt die Anforderungen für uns Landwirte hoch, ignoriert aber dass diese Ziele aktuell wegen dem Emissions- und dem Baurecht überhaupt nicht zu erreichen sind.“

Da ALDI trotz hoher Tierwohl-Standards den „bestmöglichen Preis“ verspricht und seine Rolle als Discounter unterstreicht, bleibt die Frage, wie die Umstellung finanziert werden soll, unbeantwortet. Mehr noch: Bei den aktuellen Verhandlungen für Rindfleisch der Initiative Tierwohl würden die Handelskonzerne gar versuchen, die von Wissenschaftlern erarbeiteten Honorierungssätze zu halbieren. „Das ist unflätig“, kritisiert Heidl.

Während man sich in der ZKL darauf geeinigt habe, die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Landwirtschaft zu sichern und eine Verlagerung der Tierhaltung ins Ausland verhindern zu wollen, droht der Handel mit solch kurzsichtigem und rein am eigenen Profit orientierten Handeln genau das zu bewirken. Laut Heidl sei es Aufgabe der nächsten Bundesregierung, in Sachen Tierwohlanforderungen einen mehrheitsfähigen Weg zu finden, der auch die Wirtschaftlichkeit der Bauern im Blick habe.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Das Wichtigste aus Agrarwirtschaft und -politik montags und donnerstags per Mail!

Mit Eintragung zum Newsletter stimme ich der Nutzung meiner E-Mail-Adresse im Rahmen des gewählten Newsletters und zugehörigen Angeboten gemäß den Datenschutzbestimmungen zu.