DBV-Erntebilanz: Getreideernte 6% unter Durchschnitt

Auch dieses Jahr fahren die Landwirte deutschlandweit eine unterdurchschnittliche Ernte ein. Besonders drastisch ist der Rückgang von 47% beim Raps.

Die deutschen Bauern haben in diesem Jahr eine Getreideernte von 45 Mio. t eingefahren. Im Vergleich zur durchschnittlichen Erntemenge der Jahre 2013 bis 2017 ist das eine um 6% kleinere Getreideernte, teilte der Deutsche Bauernverband (DBV) heute bei seiner Erntebilanz in Berlin mit. Die Weizenernte schätzt der DBV auf Basis der Daten aller Landesbauernverbände deutschlandweit auf 23,1 Mio. t. Im Mittel der Jahre 2013 bis 2017 waren es hingegen 25,3 Mio. t Weizen gewesen. Die Winterrapsernte beträgt in diesem Jahr nur 2,8 Mio. t. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 5,2 Mio. t fällt die Rapsernte somit rund 47% geringer aus. Regional sind die Erträge in Deutschland in diesem Jahr jedoch sehr unterschiedlich, da die Niederschlagsverteilung deutlich differierte. Für Winterweizen wurde laut DBV im Bundesdurchschnitt ein Ertrag von 7,5 t/ha erzielt. Der Wintergerstenertrag liegt bei 7,1 t/ha und der Winterrapsertrag bei 3,2 t/ha.

Sorgen um die Zukunft von Raps

DBV-Präsident Joachim Rukwied äußerte sich insbesondere wegen des Rückgangs der Rapsmenge besorgt. Dieser sei für die Fruchtfolge auch in Zukunft wichtig. Rukwied machte außerdem eine weiter schwierige wirtschaftliche Situation auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben aus. Die regional erneut aufgetretenen deutlichen Ernteeinbußen fielen zusammen mit einem nicht zufriedenstellenden Preisniveau. Bereits seit Monaten seien die Erzeugerpreise für Getreide rückläufig. „Die Aussicht auf eine Trendwende ist angesichts der komfortablen europäischen und weltweiten Versorgungslage gering“, bilanzierte Rukwied.

Steuerfreie Risikoausgleichsrücklage bleibt Forderung Nummer 1

Als Konsequenz forderte Rukwied einmal mehr die Möglichkeit für eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage. „Das unternehmerische und das witterungsbedingte Risiko wird immer größer und es liegt beim Landwirt“, sagte Rukwied. „Ich kann es nur jedes Jahr widerholen, wir fordern die Einführung einer steuerfreien Risikoausgleichsrücklage“. Als weiteren Punkt nannte der Bauernpräsident die Etablierung von Versicherungslösungen. Mit dem Versprechen für eine reduzierte Steuer auf Dürreversicherungen habe die Große Koalition bereits gute Signale gesendet, so Rukwied weiter. Außerdem gebe es „gute Gespräche“ mit der Versicherungswirtschaft. Für Sonderkulturen fordert der DBV jedoch außerdem noch eine staatliche Anschubfinanzierung, um den Landwirten die Nutzung von Versicherungen zu erleichtern. „Wir brauchen in der Anfangsphase eine Cofinanzierung“, sagte Rukwied.

Für die einzelnen Kulturen legt der DBV die folgende Bilanz vor:

Winterweizen wurde zur Ernte 2019 auf einer Fläche von rund 3,1 Millionen Hektar angebaut, was nahezu dem langjährigen Durchschnitt entspricht. Im Bundesdurchschnitt wurde ein Ertrag von 7,5 Tonnen pro Hektar erzielt (2013 bis 2017: 8,1 Tonnen pro Hektar). Daraus ergibt sich eine Erntemenge von 23,1 Millionen Tonnen. Im Mittel der Jahre 2013 bis 2017 ernteten die deutschen Bauern noch 25,3 Millionen Tonnen. Die mit der ersten Hitzewelle Ende Juni einsetzende Sorge, die hohen Temperaturen könnten die für die Ertragsbildung wichtige Phase der Kornfüllung abbrechen, hat sich somit zumindest regional bestätigt.

Wintergerste: Der Anbau von Wintergerste erfolgte auf einer Fläche von knapp 1,4 Millionen Hektar. Damit überstieg die diesjährige Anbaufläche das Mittel der Jahre 2013 bis 2017 in Höhe von 1,2 Millionen Hektar um zehn Prozent. Der Wintergerstenertrag liegt mit 7,1 Tonnen pro Hektar fast vier Prozent unterhalb des langjährigen Durchschnitts von 7,35 Tonnen pro Hektar. Auf Basis des Ertrags von 7,1 Tonnen pro Hektar ergibt sich eine Erntemenge von 9,7 Millionen Tonnen. Damit übersteigt die Erntemenge aufgrund der Flächenausweitung das langjährige Mittel von 9,1 Millionen Tonnen deutlich um 600.000 Tonnen bzw. sechs Prozent. Da Wintergerste naturgemäß früher heranreift als Winterweizen, hatte die Wintergerste mit Einsetzen der hohen Temperaturen die Ertragsbildung bereits weitgehend abgeschlossen. Folglich sind die Auswirkungen der Hitzewellen auf das Ertragsniveau der Wintergerste deutlich geringer.

Winterroggen: Der seit dem Jahr 2013 bestehende rückläufige Trend im Anbau von Winterroggen wurde zur Ernte 2019 erstmals unterbrochen. Mit einer Anbaufläche von 642.200 Hektar übertrifft die Anbaufläche den langjährigen Durchschnitt von 628.000 Hektar um knapp 15.000 Hektar. Den Winterroggenertrag beziffert der DBV auf 5,1 Tonnen pro Hektar (2013 bis 2017: 5,7 Tonnen pro Hektar). Damit beträgt die Erntemenge rund 3,3 Millionen Tonnen und verfehlt trotz Flächenausweitung den langjährigen Durchschnitt von 3,6 Millionen Tonnen (minus 9 Prozent).

Sommergerste: Der Anbau von Sommergerste liegt mit 360.000 Hektar etwa 10.000 Hektar über dem langjährigen Durchschnitt. Die Hektarerträge von 5,5 Tonnen bewegen sich im langjährigen Mittel. Aufgrund der leicht überdurchschnittlichen Anbaufläche übertrifft auch die Erntemenge von knapp zwei Millionen Tonnen den Durchschnitt der Jahre 2013 bis 2017 (1,9 Millionen Tonnen) leicht.

Winterraps: Besorgniserregend ist, dass Winterraps zur Ernte 2019 nur noch auf einer Fläche von 857.500 Hektar angebaut wurde (2013-2017: 1,35 Millionen Hektar). Die geringe Anbaufläche ist auch eine Spätfolge des letzten Dürresommers, denn durch die anhaltende Trockenheit war die Aussaat zwecklos. Der im weiteren Vegetationsverlauf oftmals auftretende hohe Schädlingsbefall hat zudem die Erträge reduziert. Mit durchschnittlich 3,2 Tonnen pro Hektar wird der langjährige Durchschnitt von 3,8 Tonnen deutlich unterschritten (minus 15 Prozent). Auf dieser Basis ergibt sich eine Erntemenge von rund 2,8 Millionen Tonnen. Gegenüber dem langjährigen Durchschnitt von 5,2 Millionen Tonnen fällt die Rapsernte somit rund 47 Prozent geringer aus. Obwohl Winterraps als sogenannte Blattfrucht in überwiegend getreidereichen Fruchtfolgen ein wichtiges Fruchtfolgeglied ist, wird der Anbau von Raps für viele Landwirte zunehmend unattraktiv. Durch Einschränkungen im Pflanzenschutz können die Erträge schlechter abgesichert werden, womit das wirtschaftliche Risiko steigt. Trotz geringer Erntemengen – auch in der Europäischen Union – sind die Erzeugerpreise nicht wirtschaftlich. Es ist daher dringend geboten, Absatzmärkte für Raps zu sichern, z. B. über eine entsprechende Biokraftstoffpolitik. Dies wäre im Sinne der Erreichung der Treibhausgasminderungsziele und dient über das Koppelprodukt Rapsschrot gleichzeitig der Versorgung mit heimischen Eiweißfuttermitteln.

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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