DBV unterstützt Insektenschutzprogramm der Bundesregierung

Das Insektenschutzprogramm der Bundesregierung stößt auf ein positives Echo. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hofft auf praxistaugliche Maßnahmen für die Landwirte. Umweltschützer und Grüne fordern mehr Ambitionen.

Das Insektenschutzprogramm der Bundesregierung stößt auf ein positives Echo. Der Deutsche Bauernverband (DBV) hofft auf praxistaugliche Maßnahmen für die Landwirte. Umweltschützer und Grüne fordern mehr Ambitionen.

Der DBV unterstützt das Aktionsprogramm Insektenschutz, teilte der Verband nach der Verabschiedung der Eckpunkte für ein Aktionsprogramm Insektenschutz im Bundeskabinett in dieser Woche mit. Er findet gut, dass das Programm „sowohl auf ein bundesweit einheitliches Monitoring als auch auf die Umsetzung konkreter Maßnahmen in mehreren Handlungsfeldern innerhalb und außerhalb der Agrarlandschaft“ setzt. Das Aktionsprogramm verdeutliche die Komplexität des Themas Insektenschutz als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, heißt es beim DBV. „Die Landwirtschaft wird ihren Beitrag dazu leisten, die Vielfalt an Insekten durch die Schaffung von Lebensräumen und die Umsetzung von insektenfördernden Maßnahmen zu erhalten“, betonte Bernhard Krüsken, Generalsekretär des DBV. Der Schutz von Bestäubern und anderen Insekten sei auch im Interesse der Landwirte. Wichtig sei, dass die für die Landwirtschaft geplanten Maßnahmen praxistauglich und wirtschaftlich tragfähig sind. Mit der Ackerbaustrategie des Zentralausschusses der Deutschen Landwirtschaft habe der Sektor für die Ausgestaltung des Aktionsprogramms bereits Vorschläge vorgelegt, so Krüsken weiter.

Dött (CDU): „Jeder kann was tun“

Die umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marie-Luise Dött sieht beim Insektenschutz einen „dringenden Handlungsbedarf“. „Mit dem beschlossenen Eckpunktepapier haben wir eine gute Basis, um das im Koalitionsvertrag vereinbarte Aktionsprogramm Insektenschutz jetzt schnell zu erarbeiten“, sagte sie. Jeder könne etwas für die Insekten tun – die Landwirte auf ihren Flächen, die Kommunen auf kommunalen Grünflächen und natürlich jeder Einzelne mit einer insektenfreundlichen Garten- oder Balkonbepflanzung, sagte sie.

Skudelny (FDP): Aktionsprogramm spielt Naturschutz gegen Landwirtschaft aus

Die umweltpolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, Judith Skudelny, äußert sich weniger begeistert.  "Das Eckpunkteprogramm liest sich wie ein Verbotskatalog bzw. eine TO-DO Liste für die Landwirte“, sagte sie. Letztendlich werde wieder Naturschutz gegen Landwirtschaft auf dem Rücken der Bauen in Deutschland ausgespielt, sagte sie. „Richtig und neu wäre gewesen, eine moderne Landwirtschaft neben einem kleinräumigen Biotopverbund zu etablieren", sagte Skudelny.

Lemke (Grüne): „Mehr Gelder für den Naturschutz“

Den Grünen geht das Insektenschutzprogramm nicht weit genug. "So lange die Bundesregierung die Agrarpolitik nicht reformiert, wird sie das Insektensterben nicht einmal verlangsamen“, sagte die Sprecherin für Naturschutzpolitik von Bündnis´90/ Die Grünen, Steffi Lemke. Deutschland verfehle sämtliche Biodiversitätsziele, zu denen es sich national und international verpflichtet habe. „Ein loses Eckpunktepapier und weitere Aktionspläne werden das Artensterben nicht stoppen, es braucht dringend strukturelle Veränderungen in der Agrarpolitik und mehr Gelder für den Naturschutz“, sagte Lemke. Die Bundeskanzlerin müsse die Streitigkeiten der Ressorts endlich überwinden und das Arten- und Insektensterben zur Chefsache erklären, forderte sie. Ähnlich äußert sich ihr Fraktionskollege Harald Ebner. Er stört sich vor allem daran, dass das Programm mit Blick auf „Pestizide sehr vage und unambitioniert“ bleibe. „Ohne einen grundlegenden Kurswechsel weg von einer pestizidbasierten hin zu einer nachhaltigen Landwirtschaft werden alle Aktionsprogramme Flickwerk bleiben“, sagte er.

Nabu: „Schritt in die richtige Richtung“

Der NABU-Präsident Olaf Tschimpke äußerte sich zufrieden, forderte aber mehr Geld für den Insektenschutz. „Das von der Bundesregierung  verabschiedete Eckpunktepapier ist ein Schritt in die richtige Richtung. Es gibt viele gute Ansätze und Handlungsideen. Aber noch ist leider nicht erkennbar, dass dafür eigenes Geld in die Hand genommen werden soll“, sagte er.

BUND: „Bundesregierung bleibt zu unkonkret“

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte das vorgelegte Aktionsprogramm der Bundesregierung zum Schutz der Insekten, sieht aber weiteren Handlungsbedarf. „Das Programm setzt auch an der richtigen Stelle an. Doch was jetzt dringend gebraucht wird, sind ganz konkrete, messbare Ziele, detaillierte Maßnahmen und wirksame Instrumente zum Schutz der Insekten. Zudem müssen die Maßnahmen unbedingt mit finanziellen Mitteln unterlegt werden, um erfolgreich zu sein“, sagte Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND zum Kabinettsbeschluss. Auch in der Landwirtschaft sieht der BUND einen dringenden Handlungsbedarf. „Und niemand soll sich etwas vormachen: Ohne ein Verbot von besonders gefährlichen Pestiziden ist das Insektensterben nicht zu stoppen. Insbesondere Nervengifte mit so fataler Wirkung wie beispielsweise die der Neonikotinoide gehören nicht in unsere Umwelt“, sagte Weiger.

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Diskussionen zum Artikel

von Heinrich Roettger

Lieber BUND : Jakobskreutzkraut Vermehrung auf Naturschutz Flächen gehört auch nicht in unsere Landschaft

Ich finde es traurig . In erster Linie sollten nicht der landwirtschaftlichen Ernährung dienende Flächen für den Insektenschutz aktiviert werden. Was wäre , wenn per Gesetz jeder 20 % seiner Rasenfläche in eine Blühwiese verwandeln müsste! Oder mindestens an jedem Gebäude 3 ... mehr anzeigen

von Albert Maier

NGO´s....

.... treiben die Politik und der DBV findet es gut. Ich verstehs nicht mehr!

von Wilhelm Gebken

Ich kann es immer noch nicht fassen, obwohl ich es inzwischen doch besser wissen müsste:

Geld brauchen wir bei diesem Thema nur für eines, nämlich für unabhängige Forschung! Was haben wir denn bis jetzt? Es gibt einen Insektenrückgang in einem Naturschutzgebiet bei Krefeld, der offensichtlich auf die dort veränderte Vegetation zurückgeht. Das ist ein typischer ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Da ja in der heutigen Zeit in Sachen Umwelt die Landwirtschaft als Hauptverursacher medial dargestellt wird, möchte ich das Gesagte vom DBV unterstützen und Frau Dött ergänzen, was das Mähen von blühenden Grasflächen in den Kommunen betrifft. Hier gibt es enorme Reserven für die ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Jeder kann was tun -

stimmt, zuallererst mal die Umwelt wieder bewußt wahrnehmen. Dann rekapitulieren was war vorher, was hat sich verändert, aber auch was wäre wenn. Was wäre - wenn der Mensch nicht eingreifen würde? Ich habe da auch eine schöne Vergleichsfläche, die derzeit ein wenig verwildert. Seit ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

PSM

Fakt ist, dass es keine Langzeitstudien für Pflanzen, Boden , Luft, Lebewesen gibt. Es waren auch schon sehr giftige PSM auf dem Markt. Auch das Splitting von PSM ist zu überdenken, da mehrfach Chemische Substanzen appliziert werden. Da wir keinen Raps anbauen verzichten wir auf Insektizide.

von Alfons Lauer

Bienen- und Insektenförderung

Hallo liebe Berufskollegen, der plötzliche Aktionismus von Leuten, die keine Ahnung haben und davon viel, ist für uns alle unerträglich! Ich habe aus Passion zu dem Thema, seit vielen Jahren, als noch niemand das Problem auf dem Schirm hatte, entsprechende Erfahrungen gesammelt. ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

@ Alfons Lauer

Find` ich sehr interessant, da ich auch zu denen gehöre, die keine Ahnung haben. Aber danach haben die Spenden sammelnden Naturschutz- Profis noch weniger Ahnung, bestimmen aber die öffentliche Meinungsbildung.

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