Dessau

Demo: Bauern überreichen Umweltbundesamt goldene Mistkarre

Aus Sicht der Bauern ist das Umweltbundesamt mitschuld an der Verschärfung der Düngeverordnung. Protestierende Bauern überreichten der Vizepräsidentin daher am Donnerstag eine goldene Mistkarre.

Am Donnerstag haben rund 1.500 Bauern mit 500 Traktoren aus acht Bundesländern vor dem Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau demonstriert. Die Landwirte haben massive Existenzsorgen und geben dem Bundesamt eine Mitschuld an der Verschärfung der Düngeverordnung.

Im Gespräch mit dem MDR sagten Landwirte, die neue Verordnung treffe sie bis ins Mark und gefährde ihre berufliche Existenz. Weniger Düngen bedeute weniger Erträge. Um ihre Unzufriedenheit mit dem Umweltbundesamt zum Ausdruck zu bringen, überreichten die wütenden Landwirte UBA-Vizepräsidentin Franziska Kersten eine goldene Mistkarre. Kersten sagte dem MDR, sie könne die Wut der Landwirte verstehen. Es sei aber nicht angemessen, das Umweltbundesamt dafür verantwortlich zu machen. "Wir arbeiten wissenschaftlich und geben nicht die Politik vor", sagte Kersten.

Die UBA-Vizepräsidentin sprach sich dafür aus, den Dialog zwischen Landwirten und ihrer Behörde dennoch zu stärken. Das Umweltbundesamt sei zu Gesprächen bereit, sagte Kersten. Der Präsident des Bauernverbandes in Sachsen-Anhalt, Olaf Feuerborn, betonte dagegen die hohe Bedeutung von Stickstoff, um die Erträge zu stabilisieren. "Ohne Nitrat wächst nichts." Feuerborn kritisierte zudem, dass wegen einzelner zu hoher Nitratwerte Landwirte in ganz Deutschland bestraft würden. "Wir Landwirte wollen Nahrungsmittel in ausreichender Menge zur Verfügung stellen, um die Bevölkerung auch in Notzeiten zu ernähren", erklärte Feuerborn laut dem Sender weiter.

MDR-Videobericht von der Demo + Interviews

Bauernbund: "Regeln praxisfremd und ohne wissenschaftlichen Bezug!"

Martin Dippe und Frank Böcker von „Land schafft Verbindung“ brachten ihren Unmut darüber zum Ausdruck, dass keine Vertreter (bis auf die FDP) aus den Landtagen und den Landesregierungen sowie der Bundesregierung sich mit den akuten Problemen der Landwirtschaft auseinandersetzen wollten, berichtet der Deutsche Bauernbund aus Quedlinburg in einer Pressemitteilung.

Bauernbund-Präsident Klamroth hatte kürzlich klargestellt, dass der jetzt vorliegende Entwurf zur Verschärfung der DüngeVO praxisfremd sei und die Maßnahmen keinen wissenschaftlichen Bezug hätten. Das Messstellennetz zur Belastung des Grundwassers sei nicht objektiv, das Hauptproblem liege nicht in einer flächendeckenden Überdüngung mit der Folge der Verschlechterung der Wasserqualität, sondern zuvorderst in der Analytik.

In Sachsen-Anhalt habe die Regierung von 462 Messstellen nur 50 untersucht und in den letzten 40 Jahren keinen Anstieg der Nitratbelastung nachweisen können, heißt es. „Land schafft Verbindung“ und der Deutsche Bauernbund fordern daher eine ehrliche Transparenz des Messstellennetzes, das in plausibler Lokalisierung über GPS nachprüfbar und in Verbindung mit den entsprechenden Grundwasserkörpern nachweisbar ist.

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Diskussionen zum Artikel

von Georg Keckl

Wie objektiv ist das UBA

das läßt sich mit zwei Fragen, zu denen die Fakten vorliegen, klären: 1) gibt es seit 20 Jahren mehr oder weniger Wasserwerke mit Nitratreduzierungsanlagen? Gibt es heute überhaupt noch Wasserwerke mit Nitratreduzierungsanlagen? 2) sind die Nitratwerte der flachen, schnell ... mehr anzeigen

von Volker Grabenhorst

Das UBA ist ein Knast ohne Wärter und die Insassen sind.......Die angebotene Gesprächsbereitschaft dieser Leute beschränkt sich auf das führen von Monologen, die Bereitschaft, zuzuhören ist auch nicht im Ansatz vorhanden.

von Wilhelm Grimm

Ja Herr Bothe, das UBA brauchen wir,

aber nicht in der Landwirtschaft, weil der Beruf Landwirt für deren Leute zu anspruchsvoll ist .Und die CDU braucht das UBA auch, weil sie in Koalitionsverhandlungen die Landwirtschaft als minderwertigen Dreck benötigt.

von Christian Bothe

UBA

Brauchen wir dieses Amt eigentlich???

von Willy Toft

Wer will schon gerne die goldene Mistkarre Medial mit präsentieren!

Obwohl verdient hätte unsere Politiker, sich mal an Ihren eigenen Aussagen messen zu lassen! Mal sehen wie viel "Gehalt" die Aussagen dann bekommen!

von Wilhelm Grimm

@ Henning Haven,

nicht so sensibel sein. Die Politiker sind Kummer gewohnt und verbreiten nach Belieben Unwahrheiten und sonstige Fouls aus.

von Wilhelm Grimm

Heute Corona, morgen La Paloma, irgendwas ist immer.

Wir dürfen nicht nachlassen im Kampf um Aufmerksamkeit. denn die Medien sind grün und reagieren nur bei Rabatz. Die Bevölkerung in Hamburg hat diese Trecker-Parade und auch die moderne Technik wahrgenommen. Die Parteien schneiden uns, daher müssen wir weiter machen. Hier könnten ... mehr anzeigen

von Henning Haven

LsV zieht los und alle hängen sich dran

Ich war gestern in Dessau dabei ( 360 km hin und zurück), mit dem Trecker. Schade, das durch solche Aktionen, wie die Mistkarre, jegliche Möglichkeit auf Dialog genommen wird! LsV steht für Dialog und nicht dafür Leute zu bedrängen und verärgern! Würde mir jemand, auch wenn als ... mehr anzeigen

von Andreas Niehus

Goldene Mistkarre

https://m.facebook.com/3-vor-12-Bauern-in-Not-102628934543127/

von Albert Maier

Schade!

Das Presseecho der gestrigen Aktionen war düftig bis gar nicht vorhanden. LSV muss strategischer planen und mit den Kräften besser haushalten. Im Zeichen von Corona brauchts keine Demos.

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