Düngeverordnung

„Der 20% Düngeabschlag in den roten Gebieten ist Kern des Vorschlags“ Premium

Umweltministerin Schulze verteidigt im Interview mit top agrar die erneute Verschärfung der Düngeverordnung. Sie soll ab Frühling 2020 gelten.

top agrar: Die Bundesregierung hat erneut Vorschläge an die EU-Kommission für die Verschärfung der Düngeverordnung geschickt. Wie lange werden die Maßnahmen jetzt halten?

Schulze: Frau Klöckner und ich haben dieses Problem geerbt, weil in der letzten Legislaturperiode durch enormen Lobbydruck des Bauernverbandes die Anforderungen der Nitratrichtlinie absehbar nicht ausreichend umgesetzt wurden. Deutschland verstößt schon seit vielen Jahren gegen die EU-Nitratrichtlinie. Das bemängelt die EU-Kommission seit langem und hat Deutschland erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Auch unsere Nachbarländer fordern, dass gleiches Recht für alle gilt. Deshalb haben wir in Brüssel Vorschläge vorgelegt, wie wir das Nitrat im Grundwasser reduzieren wollen. Das letzte Wort aber hat Brüssel, wir müssen also jetzt abwarten, wie die EU-Kommission unsere Vorschläge fachlich bewertet.

Umstritten ist weiterhin der Abschlag von 20% bei der Düngung in den roten Gebieten. Die Ausnahmen, die sie davon nun geschaffen haben, sind kompliziert, warum halten Sie dennoch daran fest?

Schulze: Die Reduzierung der Düngung um 20% im Betriebsdurchschnitt ist die Kernmaßnahme des Vorschlags, sie ist einvernehmlich innerhalb der Bundesregierung und die weit überwiegende Zahl der Länder stimmt ihr zu. Auch die Ausnahme ist sehr einfach: Wer in den roten Gebieten wenig düngt, konkret...

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Der Kompromiss der Bundesregierung zur Verschärfung der Düngeverordnung ist da. Er enthält Ausnahmen vom 20% Düngeabschlag in den roten Gebieten. Nun kommt es wieder auf Brüssel an

Soviel Stickstoff und Phosphor gelangt aus Kläranlagen in Oberflächengewässer

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Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Die roten Gebiete sind groß gehalten!

Bei uns sind nur 3 Messstellen in Stadtnähe über die Maßen belastet, und wir haben im 40 Km Radius alle das Nachsehen! Wie soll das alles gerecht zugehen?

von Gerd Uken

@ Geveke

Vielleicht mal hier: https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/4058.pdf

von Jens Geveke

Weiss eigentlich irgendjemand wo es eine detaillierte Karte mit den Roten Gebieten gibt ?

von Hermann Kamm

leider gibts zu diesen Thema nichts mehr zu sagen,

außer das die Politik und der Bauernverband kompletter Linie versagt haben!!!!! bevor man solche Aktionen startet, obwohl man weiß das etliche Gebiete als rot ausgewiesen werden und dabei keiner den Arsch in der Hose hat die Messergebnisse anzuzweifeln. Armes Deutschland, da geht ja sche langsam alles den Bach hinunter. Wir Landwirte werden anscheinend wirklich nicht mehr gebraucht.

von Bernhard Kremling

Gewinner und Verlierer

Diejenigen, die in den grünen Gebieten zuhause sind, zählen zu den Gewinnern, und die in den roten Gebieten zu den Verlierer. Die geplante Einschränkung in den roten Gebieten führt dazu, dass über Nacht diese Flächen deutlich an Wert verlieren werden. Humus, den Generationen aufgebaut haben, wird wieder abgebaut, denn Humusaufbau geht nur mit Nährstoffzufuhr. Wenn das so kommt wie geplant, bluten diese Flächen aus. Ausweg scheint hier nur der Ökolandbau zu sein, denn da gibt es dann Ausnahmen, hier ist es auch unwichtig mit wieviel Nmin es in den Winter geht.

von Heinrich Steggemann

Man doktert an den Symtomen herum

Anstatt pauschal 20% Düngeabschlag einzufordern, obwohl grosse Teile der roten Gebiete im grünen Bereich sind, sollte ein Aktionsprogramm Humusaufbau durch stark belebte Böden aufgelegt werden. Dazu müssten weltweite Spezialforschungsergebnisse zusammengetragen werden und auf ein praxistaugliches Niveau heruntergebrochen werden. Dies würde uns Landwirte auch in die Lage versetzen aktiv CO2 aus der Atmosphäre zu saugen. Pro 1% Humus werden 1500 kg Stickstoff und 15000kg Kohlenstoff (entspricht 60 to CO2) pro Hektar fest verbaut. Ob Humus auf- oder abgebaut wird, entscheidet das Bodenleben. Wir brauchen praxistaugliche Beratung um es in die richtige Richtung zu lenken.

von Wolfgang Rühmkorf

Diese Haltung der Ministerin entlarvt mal wieder die in den zuständigen Ministerien versammelte Fachkompetenz. Hier geht es ausschließlich um Politstrategie und Wählerstimmen. Denn es gibt genügend Versuchsergebnisse, die spezifisches statt pauschalem Handeln nahelegen und positive Ergebnisse ohne Kollateralschäden ermöglichen würden.

von Andreas Gerner

Zentrale Frage bleibt unbeantwortet

Wenn zu den ungerechtfertigt groß ausgewiesenen Roten Gebieten aufgrund eines einzelnen, nicht repräsentativen Messwerts trotz bester Durchschnittswerte, rein gar nichts gesagt wird, ist das mehr als traurig. Wo tatsächlich das Grundwasser belastet ist UND nachweislich die Landwirtschaft schuld ist, UND in der Lage ist, daran etwas zu ändern, ist klar, dass dort weniger gedüngt werden darf. Wo aber ganze Landkreise mit bestem Wasser zum Roten Gebiet werden, weil Oberflächenwasser aus einer Kompostierungsfläche ein schlechtes Messergebnis verursacht, sind Verschärfungen ein Skandal.

von Wilhelm Grimm

SCHULZE IST MEIN ROTES TUCH,

die hat die Leitung des Agrarministeriums an sich gerissen, während sich Frau Klöckner beim aufeinander Zugehen verlaufen hat. Kein Wort zur Berechtigung roter Gebiete an Hand nachvollziehbarer Messergebnisse. Frau Klöckner tut nichts, die CDU tut nichts. der Bauernverband tut nichts und die DLG auch nicht. Alle kriechen vor Frau Schulze und bitten um Gnade. Warum also sollte sich die Regierung bewegen???

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