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Der Ukrainekrieg und die Agrarmärkte

Landwirte aus der Ukraine und weitere Experten berichteten beim Webinar von top agrar und agrarfax am Mittwoch über die aktuelle Situation vor Ort, sowie dessen Auswirkungen auf die Agrarmärkte.

Die Empörung über die anfänglich zögerliche Hilfe der deutschen Regierung für die Ukraine konnte Dr. Alex Lissitsa nicht verbergen. Das sei total daneben gewesen. Vor gut 650 Zuschauerinnen und Zuschauern im agrarfax- und top agrar-Webinar sprach er Klartext. Er ist zur Zeit noch in der Ukraine und hat in den letzten Wochen meist nicht mehr als drei bis vier Stunden pro Nacht geschlafen. Immer fielen Bomben.

Eigentlich würde der Geschäftsführer der IMC Agrarholding sich gerade voll und ganz der Frühjahrsbestellung von 124.000 ha Ackerland widmen. Doch das ist gerade nicht wirklich möglich. Gut die Hälfte der 2.000 Mitarbeiter kämpft gegen die russischen Invasoren. Er versucht möglichst mit allen in Kontakt zu bleiben, ob sie noch leben. Ein kurzes Plus via WhatsApp oder Telegram bringe schon Erleichterung.

Dietrich Treis konnte ähnliche Geschichten von seinen ukrainischen Kollegen erzählen. Auch er leitet einen Ackerbaubetrieb in der Ukraine, musste jedoch aus der Ukraine fliehen. Sofern Dünger verfügbar ist und die Felder befahrbar, versuchen diese zumindest die im Herbst gesäten Kulturen mit Nährstoffen zu versorgen. Das gehe aber nur tagsüber, und nicht wie normalerweise rund um die Uhr.

Politische Fehleinschätzungen des Westens

Über die politische Dimension des Krieges gab Dr. Brigitta Triebel, Leiterin das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Charkiw, ihre Einschätzung ab: "Die einzige Lösung des Kriegs liegt in Moskau, in einer Aufgabe der imperialen Ideen." Doch das werde dauern. Sie stimmte im Gespräch Dr. Lissitsa in seiner schonungslosen Kritik an der zaghaften deutschen Reaktion in den ersten Stunden des Krieges zu und forderte, dass die Bundesrepublik die Ukraine nun mit allen verfügbaren Mitteln unterstützen müsse. Zudem benötige die Ukraine schon jetzt konkrete Zusagen für den Wiederaufbau.

Verwirbelungen auf den Agrarmärkten

Wie lange der Krieg noch dauern werde, konnte keiner derzeit serös abschätzen. Aber die Nachwehen auf den Agrar- und Düngermärkten werden noch lange Zeit spürbar bleiben, meinte Marktexperte und agrarfax-Gründer Jan Peters. Zusammen mit Kasachstan spielten die Ukraine und Russland eine enorme Rolle für die Versorgung der Welt mit Getreide und Ölsaaten. Schon jetzt gebe es eine Versorgungslücke, aber ab Juli könne diese sich noch deutlich verschärfen. Was Importe aus diesen Regionen angehe, sei insbesondere der nordafrikanische Raum besonders abhängig.

Und selbst wenn der Krieg zu einem raschen Ende käme, könne der Export aus ukrainischen Häfen nicht direkt wieder anlaufen. "Häfen wie Odessa sind zwar noch intakt, aber das Schwarze Meer ist vermint.", so Peters. In seinen Schlussworten richtete Peters sich daher an die Europäer: "Ich würde dafür plädieren die Farm to Fork Strategie etwas zurückzustellen." Umwelt-, Klima und Artenschutz seien enorm wichtig, aber genauso sei es die Ernährungssicherung in der Welt.

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