Interview

„Die Landwirte in der EU müssen zusammenhalten“ Premium

Die FDP versucht sich seit der Rückkehr in den Bundestag agrarpolitisch zu profilieren. Die FDP Politikerin Carina Konrad ist Landwirtin und Bundestagsabgeordnete. Im Interview mit top agrar spricht sie darüber, was sie beim Tierwohllabel, bei der Düngeverordnung, bei der Pflanzenschutzmittelzulassung und bei der EU-Agrarreform anders machen will.

top agrar: Welche agrarpolitischen Themen hat die FDP in ihrem ersten Jahr nach Rückkehr in den Bundestag nach vorne gebracht?

Konrad: Wir sind die Einzigen, die noch eine klare Kante zeigen, wenn es um die Zukunftsfähigkeit der Betriebe geht. Wir haben erstens die große Debatte, ob in Deutschland überhaupt noch Tiere gehalten werden sollen und wenn ja wie. Das Zweite ist die Diskussion über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Die Politik der Groko bietet für uns als Opposition viel Angriffsfläche, sie ist aber für das Land und für die Landwirte fatal.

Sie stehen dem staatlichen Tierwohllabel skeptisch gegenüber. Warum?

Konrad: Wenn wir mehr Tierwohl in die Fläche bekommen wollen, müssen wir mehr Ställe bauen. Jeder neue Stall dient dem Tierwohl. In der Praxis passiert aber das Gegenteil: Überall wo ein Stallneubau geplant wird, kommt erst mal eine Bürgerinitiative dagegen. Die Planungsverfahren sind unheimlich langwierig. Denjenigen, die in mehr Tierwohl investieren wollen, werden Steine in den Weg gelegt. In dieser Situation ein staatliches freiwilliges Tierwohllabel einführen zu wollen, ist für mich eine Scheindebatte. Es wird nicht wirken, weil der Handel schon lange mit einem eigenen einheitlichen Label vorgelegt hat.

Haben Sie das Vertrauen in den Handel, dass der Markt das für den Landwirt schon richtet?

Konrad: Die beteiligten Handelsunternehmen wollen damit natürlich auch ihre Marktanteile vergrößern. Ich glaube aber schon, dass das Handelslabel einen sehr großen Marktanteil gewinnen kann - auch in sehr kurzer Zeit. Aber die Handelspartner müssen sich darüber im Klaren sein, dass das letztendlich höhere Preise für Fleisch bedeuten muss. Wenn wir wirklich Wettbewerbsfähigkeit für die Betriebe in Deutschland erhalten wollen, dann müssen wir auf EU-Ebene ein verbindliches Label System installieren.

Braucht man dafür nicht zunächst ein nationales Label in Deutschland?

Konrad: Nein, ein auf Freiwilligkeit basierendes Label, wie von Frau Klöckner geplant, wird keinen ausreichenden Marktanteil hinbekommen. Wir müssen in der Masse etwas verbessern und in europäischen Strukturen denken. Alles andere wird sich wirtschaftlich nicht tragen und nur dazu führen, dass die Strukturen in der Tierhaltung noch weiter wegbrechen.

Die erneute Verschärfung der Düngeverordnung sorgt für große Unruhe in der Landwirtschaft. Welchen Weg halten Sie für richtig?

Konrad: Die Betriebe sind schon mit der Düngeverordnung von 2017 enorm belastet. Wir haben mit der Gülle, auf die die Düngeverordnung hauptsächlich abzielt, kein Mengen-, sondern ein Verteilungsproblem. Das wurde mit der Düngeverordnung 2017 aber nicht angegangen, sondern verschärft. Ackerbaubetriebe düngen lieber mineralisch, anstatt die Gülle aus den Veredelungsregionen aufzunehmen.

Wollen die Ackerbaubetriebe überhaupt mehr Gülle aus den Tierhaltungshochburgen ...

Weiterlesen mit PREMIUM
Jetzt 30 Tage gratis testen
Mehr erfahren

Umzingelt von Öko: Konventionelle Bauern leiden unter Käferinvasion

Meldung verpasst? Wir verhindern, dass Sie nicht mitreden können. Tragen Sie sich jetzt für unseren Newsletter ein und wir benachrichtigen Sie über alle wichtigen Ereignisse rund um die Landwirtschaft.

Artikel geschrieben von

Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

Schreiben Sie Stefanie Awater-Esper eine Nachricht


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Hermann Kamm

ach die FDP

sucht noch Wählerstimmen für die EU Wahl?

von Gerd Uken

Aber meistens vergessen Sie es

Wenn sie erst wieder in der Regierung sitzen......... FDP= freie Marktwirtschaft. Offene Märkte wie soll das denn auf einem Weltmarkt funktionieren wo immer noch Zölle und Subventionen bestimmend sind. Soja rein - Aluminium raus wem schadet man?

von Christoph Blankenburg

"Landwite gehören in die Politik"

An diese Aussage von Prof. Franke, der in den 70er Jahren an der Uni Bonn die Grundlagen der Botanik vermittelte, fühlte ich mich spontan erinnert. Er war der Überzeugung, dass es kein anderes Studium gibt mit einer derartigen Breite in der Ausbildung beginnend mit allen wichtigen naturwissenschaftlichen Fächern über Volks- und Betriebswirtschaft bis zu den Sozialwissenschaften. Nur die ganzheitliche Betrachtungsweise kann zu Problemlösungen führen.

von Dr. Willi Kremer-Schillings

Frau Konrad hat Sachkenntnis...

...und hat einen realistischen Blick auf die Landwirtschaft. Deutschland alleine ökologisieren zu wollen, wird noch mehr Betriebe in Deutschland zur Aufgabe zwingen. Der schrittweise Ausstieg aus der Subventionspolitik bei gleichzeitiger Anpassung der Preise an die tatsächlichen Kosten ist eine Mammutaufgabe, aber genau die muss angegangen werden. Das alles muss aber auf EU-Ebene geregelt werden. Wie Ausnahmetatbestände innerhalb der EU den Wettbewerb verzerren, sieht man derzeit an den Notfallzulassungen für Pflanzenschutzmitteln und den gekoppelten Prämien. Entweder alle oder keiner.

von Ludwig Lang jun.

Da haben Sie noch viel vor

Hier merkt man den Bezug zu Landwirtschaft und nur so bringt es uns weiter!!!

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich einloggen um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen