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Abschied Aeikens: „Der Vertrag ist jetzt erfüllt“ Premium

Zum Jahreswechsel verlässt Staatssekretär Dr. Hermann Onko Aeikens das BMEL. Wir sprachen mit ihm über seinen Abgang in bewegten Zeiten, seine Rolle als Reizfigur und Ansätze beim Insektenschutz.

Erst der Ärger über die Düngeverordnung, dann die Demos anlässlich des Agrarpaketes. Hätten Sie sich einen anderen Abgang gewünscht?

Aeikens: Demonstrationen sind das gute Recht der Landwirte, und angesichts der Informationsübermittlung habe ich dafür Verständnis. Es ist nicht das erste Mal, dass Landwirte in Deutschland demonstrieren. Wir haben es jetzt aber mit Protesten zu tun, die anders organisiert sind als bisher. Durch die neuen Medien wirken andere Informationsketten auf die Meinungsbildung. In dieser Situation ist wichtig, dass intensiv und sauber kommuniziert wird, was wissenschaftlich richtig ist. Leider unterscheidet sich das häufig von dem, was ich im Netz lese und was Politik beabsichtigt.

Was ist in der Kommunikation ihrer Politik schiefgelaufen, wenn die Landwirte so dagegen Sturm laufen?

Aeikens: Wir kommunizieren laufend und verbessern unsere Kommunikation. Aber wir sind einer Informationskonkurrenz ausgesetzt. Am Beispiel Düngeverordnung muss ich sagen, dass wir nach der ganzen Geschichte von der Verabschiedung der Nitratrichtlinie im Jahr 1991 bis zur verlorenen EuGH-Klage von 2018 heute vor der Wahl stehen: Entweder arbeiten wir nach, oder wir zahlen gegebenenfalls über 800 000 €/Tag an die EU, die uns dann noch vorgibt, wie wir die Nitratrichtlinie umzusetzen haben.

Strafzahlungen wären sicher auch nicht imagefördernd für die Landwirtschaft. Das ist nun mal die Faktenlage. Es gibt kein wissenschaftliches Gutachten, das die Landwirtschaft von einer erheblichen Mitverantwortung bezüglich der Nitratproblematik freispricht. Es liegt auch nicht primär an kaputten Rohren. Die jetzige Situation des Unmuts in der Landwirtschaft hat leider auch etwas damit zu tun, wie Informationspolitik betrieben wird – auch von Verantwortungsträgern.

Was meinen Sie damit?

Aeikens: Da wird gefragt: Ist Landwirtschaft in Deutschland noch gewollt? Ich kenne auf der Berliner Bühne niemanden, der sagt, Landwirtschaft sei nicht gewollt. Diese Frage führt in die Irre und weckt Zukunftsängste, die nicht angezeigt sind. Brachiale Formulierungen wie, „Offenbarungseid des BMEL gegenüber BMU“, „kalte Enteignung von Milliarden“ haben keine sachliche Grundlage.

Haben sich Ihr Ministerium und der Berufsstand in den vergangenen zwei Jahren voneinander entfernt?

Aeikens: Wir legen Wert darauf, mit berufsständischen Vertretungen professionell zusammenzuarbeiten. Manchmal fehlt aber das Verständnis und der Respekt für den Gegenüber, auf beiden Seiten. Es bedarf der Lobbytätigkeit, aber es gibt Grenzen, die eine Regierung wahren muss.

Wenn behauptet wird, ein Insektenschutzprogramm führe zu 30 Mrd. € Vermögensverlust der deutschen Landwirtschaft, dann muss es gestattet sein, das auszuräumen, bevor es sich in den Köpfen festsetzt. Wir müssen auf der Basis von Fakten zusammenarbeiten. Wenn ich den Eindruck habe, diese Basis wird verlassen, dann muss ich dagegen halten.

In der öffentlichen Kritik wurde Ihrem Haus oft vorgeworfen, es sei zu nahe an der Agrarlobby. Die Bauern gehen dagegen wegen der Regelungsflut auf die Straße. Was stimmt denn nun?

Aeikens: Wenn Sie von beiden Seiten eine Backpfeife bekommen, ist der Kopf immer noch gerade. Sollen wir damit aufhören, mit der EU einen Kompromiss zur Düngeverordnung zu finden? Sollen wir aufhören, für mehr Insektenschutz zu arbeiten? Beides wäre fatal, auch für den Berufsstand. Das Insektenschutzprogramm ist ordnungspolitisch in einer völlig anderen Dimension als es draußen dargestellt wird. Wir haben eine Betroffenheit von 0,6 bis 0,7 Mio. ha. Wenn alle Bundesländer noch ihre Vogelschutzgebiete unter die Auflagen stellen, dann sind wir bei 1,3 Mio. ha. Man muss die Kirche da auch mal im Dorf lassen.

Wie kriegen Sie die Bauern jetzt wieder von der Straße?

Aeikens: Wir werden weiter ruhig und sachlich aufklären. Ministerin Klöckner wird nächstes Jahr eine Reihe von Veranstaltungen...

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von Joachim Pehle

Kirche im Dorf lassen!?

Sehr geehrter Herr Dr. Aeikens! Eigentlich sind Sie aufgrund Ihrer erbrachten Leistungen es mir nicht wert, den Artikel zu kommentieren. Aber auf der anderen Seite möchte ich wenigstens eine einzige einfache "fake news"- Milchmädchenrechnung aufstellen: Zwischen 0,6 und 1,3 Mio. ha sind ... mehr anzeigen

von Jürgen Middelhoff

keine journalistische Glanzleistung von Topagrar,

wenn man schon den einflußreichen Staatssekretär zu Gast hat sollte man doch auch hartnäckiger nachfragen. Er tritt ja nach eigenen Aussage für eine auf Fakten basierende Politik ein, gerade bezüglich der DÜ Vo. Da stellt sich doch die Frage , ob unser deutsches Messstellennetz so ... mehr anzeigen

von Gerd Ulken

Aikens

Man kann nur mit dem Kopf schütteln- und so einer hat Gesetze für uns gemacht bzw eine beratende Funktion dafür gehabt. In den letzten Jahren hat er doch nichts gutes für die Landwirtschaft getan,sondern nur für seine eigene Kasse gesorgt . Dazu hat er den deutschen Landwirt ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Er gibt aber auch zurück aus seiner Sicht

https://www.agrarheute.com/politik/bauerndemo-aeikens-gibt-bauernverband-schuld-schlechter-stimmung-562742

von Hans Merk

Schaut euch den alten Mann an!

Wenn auf dem Hof ein 68 Jähriger die Entscheidungen trifft und mit Behörden und Gemeinde verhandelt weil die Jungen nix kapieren, Rattenfängern aufgesessen sind und eigentlich nur frohgemutes der Knechte Arbeit machen sollen weil irgendwie alles gut wird und Zukunft hat - dann ist der ... mehr anzeigen

von Volker Grabenhorst

Nimm in die Glöcknerin mit ins Altersheim

von Heinrich Albo

Auf seinem Abschlusszeugnis

steht die größte Demonstration gegen diese(auch seine) Politik die Deutschland je gesehen hat !

von Georg Scheer

Gott sei Dank er ist weg!

von Heinz Göttke

Aikens

Geh mit Gott...aber geh.......

von Gerhard Nützel GdbR

Landwirtschaft hat Zukunft

Also die jungen haben eine Perspektive? Ein Blick in den Agrarbericht und die Entwicklung der Strukturen zeichnen aber ein anderes Bild. Oder ist das auch eine Fehlinformationen?

von Gerd Uken

Das schönste fehlt noch

Er ist auch ein Bauernkind und wie diskutiert er mit seiner Familie? Er muss doch auch die ganze Zeit gewusst haben das da Alle auf Zeit spielen u. hat es mit ausgesessen. Jetzt kommt auch noch von der Leyen mit ihren Green Deal daher.. darüber sind selbst die Niederländer noch erbost ... mehr anzeigen

von Ludwig Rasche

Zusammenfassung

wir sind alle nur doof. Das war eine Zusammenfassung vom Interview.

von Willy Toft

Es ist die Sicht auf die Dinge, die zwischen Praxis und Ministerium nicht passen!

Wenn man die Landwirtschaft hier in DE für die Bauern unmöglich macht, weil; zu hohe Auflagen, zu Kosten treibend, zu viel Dokumentation, Vorschreibung der Unterversorgung der Nutzpflanzen und Früchte, dann hat man die Bauern hier in DE verloren! Weil man sich beim Preis für die ... mehr anzeigen

von Ansgar Tubes

Da macht sich einer aus dem Staub!

Sein Vertrag ist erfüllt, ein sicheres Auskommen durch großzügig ausfallende Pensionszahlungen gewährleistet und die deutschen Bauern lässt er im Regen stehen! Was für ein Abgang!

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Landwirtschaft in Deutschland hat Zukunft?

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von Gerd Schuette

Wir Landwirte sind also nur fehlinformiert!!!???

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