Kommentar

Düngeverordnung: War denn mehr zu erwarten?

Nun ist die neue Düngeverordnung verabschiedet. Gegenüber der EU-Kommission gab es für die Bundesregierung keinen Verhandlungsspielraum mehr. Eine neue Grundsatzdiskussion hätte auch nichts gebracht.

Ein Kommentar von Anselm Richard, Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben:

Der Bundesrat hat die neue Düngeverordnung durchgewinkt - mit Bauchschmerzen zwar, aber letztlich ohne substanzielle Änderungen. Die Verschiebung der verschärften Düngeregeln auf das kommende Jahr ist bestenfalls eine kosmetische Verbesserung, die der Landwirtschaft nicht wirklich weiterhilft. Manche neue Auflagen greifen ohnehin von sofort an.

Doch nüchtern betrachtet: Was war denn anderes zu erwarten? Gegenüber der EU-Kommission gab es für die Bundesregierung keinen Verhandlungsspielraum mehr. Und in der Gesellschaft hätte eine neue Grundsatzdiskussion um die Düngeregeln die Landwirtschaft derartig in Misskredit gebracht, dass der Nutzen insgesamt fraglich wäre. Jetzt geht es also darum, mit den Tatsachen klarzukommen.

Mehr als ärgerlich ist, dass die Politik sachlich begründete Einwände, zum Beispiel gegen das Verbot jeglicher Düngung von Zwischenfrüchten, in Bausch und Bogen weggewischt hat. Damit lassen sich keine Verbesserungen für den Wasserschutz erreichen, sondern das Gegenteil. Mindestens zum Teil ist es auch so mit dem pauschalen Reduzierungssatz der Nährstoffzufuhr um 20 %. Erträge und Qualitäten werden so mit der Brechstange heruntergefahren.

Bei allem Ärger darf aber nicht in Vergessenheit geraten: In Nordrhein-Westfalen zum Beispiel sind die roten Gebiete neuerdings viel kleiner als zuvor. Das hilft denen nicht weiter, deren Betriebe immer noch innerhalb dieser Gebietskulisse liegen. Für viele andere jedoch hat sich das Blatt zum Guten gewendet. Da hat die Landesregierung gerade noch rechtzeitig das Richtige getan, veraltete Daten durch aktuelle ersetzt und dann mit der Binnendifferenzierung der Grundwasserkörper vernünftig gehandelt. Gut so! Das kann Vorbild sein für andere Länder.

Die Bauernproteste der jüngeren Vergangenheit sind nicht nutzlos gewesen. Im Gegenteil: Die Großkundgebung der Landesbauernverbände in Münster vor einem Jahr war der Auftakt. Die zahllosen Aktionen von „Land schafft Verbindung“ haben das Problem mit den zweifelhaften Nitratwerten und maroden Messstellen Politik und Verwaltung bewusst gemacht. Und die Verbände haben dabei die Überzeugungsarbeit im Hintergrund geleistet. Erfolgreiches Teamwork!

Die Diskussion um die Düngegesetzgebung ist jetzt nicht zu Ende. Wer sagt denn, dass die Vorgaben für die roten Gebiete nun bis in alle Ewigkeit so bleiben müssen, wie sie gerade aufgeschrieben wurden? Interessenvertretung für die Landwirtschaft ist das Bohren dicker Bretter. Der Kampf um praxisgerechte Düngevorschriften geht weiter. Vor allem am Verhandlungstisch, wenn nötig aber eben auch auf der Straße.


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Der Abstimmungsmodus über die neue Düngeverordnung am Freitag zählte nur die Zustimmung. Sechs Maßnahmen gelten nun schon ab Sommer, die für die roten Gebiete folgen ab 2021.


Diskussionen zum Artikel

von Julia-Sophie von Richthofen

Was ist Aufgabe des Wochenblatts,

zu informieren und den Finger in die Wunde zu legen oder uns Landwirte ruhig zu halten? Diese Düngeverordnung basiert auf fehlerhaft ermittelten Nitratwerten, die daraus abgeleiteten Maßnahmen sind fachlich nicht zu begründen, sind kontraproduktiv für den Wasserschutz und für den ... mehr anzeigen

von thies kruse

Boren Dicker Bretter

Es bedarf kein Boren dicker Bretter, wenn offensichtlich mit falschen Werten, falschen Daten, defekten Brunnen, Urteile in der EU verloren werden. Die Statistik des statistischen Bundesamtes weißt aus das seit 2015 8% Weniger Rinder, 6% weniger Schweine 33% weniger Phosphor und 26 % ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Problem

die kleineren und mittleren Betriebe vergeben immer mehr Aufgaben an die Lohnunternehmer oder an einen anderen größeren Nachbarn. Gülleausbringung aufgrund der zu kleinen Schlepper . PSM aufgrund zu teurer Spritzentechnik. Die teure Technik macht einen Anbau kaum günstiger als einen Zukauf.

von Andreas Gerner

Warum liest sich denn der Bericht so,

... als wäre DIE Politik da gemeinsam zu dem Schluss gekommen, es muss so gestimmt werden? Es war heiß umkämpft bis zum Schluss und ging so knapp wie nur denkbar aus. 35 zu 34. ES hätte schon gereicht, wenn Jost nicht vorab nochmal eine Pro-Düvo-Party in der Saarlandvertretung für ... mehr anzeigen

von Andreas Gerner

Die Politk konnte also nicht anders?

....weil Europa mit der Strafe Druck gemacht hat? QUATSCH ! DIE EU STRAFE WÄRE ÜBERHAUPT NICHT SCHLIMM ! Das stabile Deutschland wird die Krise besser wegstecken als die Gesamt-EU. Drum liegt auf der Hand, dass Deutschland der Gemeinschaft mit hunderten von Milliarden unter die Arme ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Ist nicht der "Feine Herr vom Wochenblatt"

Angestellter des WLV, zumindest indirekt. ?

von Klaus Fiederling

JAAA!!!

...Angesichts der aktuellen Krisensituation hätte ich mir tatsächlich etwas mehr politisch "Grips" gewünscht, und das nicht nur in Berlin!!! // Jeder Entscheidungsträger der aktuell per Verordnung erlässt, dass unsere Pflanzen jetzt hungern müssen sollte auch bereit sein, das eins ... mehr anzeigen

von Hans-Peter Mahler

Veraten!

Von Ideologien wird kein Träumer satt, ein Glück das er den Bauern hat! Wenn es nicht mehr reicht gibt es eine Essensausgabe beim NABU und Bund die haben schon prima vorgemacht wie man Pferde füttert. Diese Abstimmung war ein Armutszeugnis der Demokratie! Verantwortlich dafür waren ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Und die Folgen

Frau Schulze hat nicht Unrecht, wenn sie meint, Naturschutz sei wichtiger. Nur vergisst sie dabei sehr gerne, dass mehr Naturschutz für alle Einschränkungen bedeutet: bei der Ernährung, beim Konsum, bei liebgewonnenen Gewohnheiten. Aber mit solchen Aussagen kann man keine Wahlen ... mehr anzeigen

von Gerd Uken

Da war doch dieser Artikel mit dem

Hervorragendem Trinkwasser in Vechta- das widersprach sich selbst, da das ja angeblich in einem roten Gebiet war? Die Messtellen müssen einem TÜV unterzogen werden und dann bitte alle Nachbarn gleichen Kriterien die Proben nehmen. Wenn das dann EU weit gleich ist dann haben wir eine ... mehr anzeigen

von Rudolf Rößle

Tatsächliche chemische Werte

und keine Hochrechnungen. Für jede Kleinigkeit gibt es Bauvorschriften und Lagevorschriften. Für Messstellen, die nicht passen---> schließen.

von Wilhelm Grimm

Natürlich war mehr zu erwarten, nämlich die Wahrheit !

Aber Herr Richard findet sich mit Betrug ab. Das ist armselig und darf niemals zum Maßstab politischen Handelns verkommen. Der Kampf geht weiter.

von Andreas Gerner

"sich abfinden" ist zu milde.

Durch das Verschweigen, was alles an Betrug oder zumindest Einflussnahme gelaufen ist, macht er sich zum Mittäter (Tatvereitelung).

von Albert Maier

Total einfach!

"Jetzt geht es also darum, mit den Tatsachen klarzukommen." Im klimatisierten Büro vom bequemen Schreibtischstuhl aus geht einem ein solcher (...) Satz total einfach von der Feder!

von Andreas Gerner

Also sollte das Wochenblatt "mit der Tatsache klarkommen",

....dass jetzt reihenweise die Abonnements gekündigt werden. Ich kann unmöglich mit meinem Gewissen vereinbaren, so jemanden für sein Tun zu bezahlen.

von Willy Toft

Der Regierungsapparat hat uns in diese Misere gebracht, und der Bauer soll das Bitteschön auslöffeln!

Richtig Herr Anselm, die Regierung konnte nicht anders, sie hat es lange schleifen lassen, und die DüV 2017 kam auch schon zu spät, die auch schon "Kritiker" hatte! Es ist so bequem von den Verantwortlichen alles auf die "Umstände" zu schieben. Wäre es nicht angebracht gewesen, gerade ... mehr anzeigen

von Christoph Blankenburg

"Der Kampf um praxisgerechte Düngevorschriften geht weiter"

Es bleibt zu hoffen, dass während dieses Kampfes nicht allzu viele Betriebe auf der Strecke bleiben.

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