Landwirtschaftseinkommen 2030

Einkommenszuwachs für kommendes Jahrzehnt erwartet

Trotz Zukunftszweifeln junger Landwirte, Bauerndemos und Agrargipfel-Frust, stehen Marktchancen für EU-Landwirte im neuen Jahrzehnt auf Wachstum und Einkommensgewinn

Die Prognosen für landwirtschaftliche Einkommen in der EU im neuen Jahrzehnt bis 2030 stehen gut. Trotz steigender gesellschaftlicher Erwartungen, neuer Anforderungen des Green Deals und ausweitenden Freihandelsabkommen stehen die Trends für den Absatz landwirtschaftlicher Produkte auf Hausse. Mehr noch, das Durchschnittseinkommen der europäischen Landwirte wird im neuen Jahrzehnt ansteigen. Dies geht aus der im Dezember vorgelegten Analyse des „EU Agricultural Outlook“ für Märkte und Einkommen für den Zeitraum 2020-2030 hervor.

Die von der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission erstellte Analyse prognostiziert - auf der Basis umfangreicher Daten aller landwirtschaftlichen Marktsegmente und globaler Rahmenbedingungen - steigende Durchschnittseinkommen für die europäischen Bauern im Verlauf des neuen Jahrzehnts. „Als Folge von steigender Wertschätzung, zunehmender Produktionsvolumina und steigenden Verkaufserlösen ist mit einer Steigerung der Durchschnittseinkommen landwirtschaftlicher Betriebe bis 2030 zu rechnen“.

Dabei fallen die Erlöse und Erwartungen für die einzelnen Agrarerzeugnisse im weltweiten Kontext höchst unterschiedlich aus und sind zum Teil erheblichen Veränderungen unterworfen. So ist nach Einschätzung der Analysten der EU-Kommission mit einem Verfall des Schweinefleischpreises am Markt und folglich weiter sinkender Produktion in der EU zu rechnen. Ebenso drücken sinkende Preise für Weizen, Mais und Sojabohnen die Betriebsergebnisse in der EU-Landwirtschaft bis 2025 vor allem in der EU-15, also in den europäischen Kernstaaten vor der Osterweiterung.

Veränderte Märkte und steigende Nachfrage von Bio-Lebensmitteln

Um am Markt bestehen zu können sind die europäischen Landwirte aufgerufen, sich an den vollziehenden Markentwicklungen national, europaweit und im weltweiten Maßstab zu orientieren.

Die europäischen Lebensmittelmärkte werden nach Einschätzung der „Agricultural Outlook“-Autoren künftig stärker von gesellschaftlichen Erwartungen wie Gesundheit, Umwelt, Klimawandel und Tierwohl sowie von lokaler Produktion und Vermarktung geprägt.

In gleichem Maße werden die auf Mobilität und aktive Lebensstile ausgerichteten Gesellschaften die Bereitstellung von verarbeiteten und portionierten Lebensmitteln, wie z.B. Snacks sowie „on the-go“-Produkte begünstigen. „Dies schafft enorme Geschäftsmöglichkeiten hin zu mehr `convenient` Lebensmitteln“, sagen die Brüsseler Agrarexperten voraus.

Kurzfristig erwarten die EU-Analysten vor allem bei den Bio-Lebensmitteln einen starken zunehmenden Bedarf und steigende Verbrauchernachfrage. Gleichzeitig mit diesem Trend geht ein Rückgang des Fleischkonsums in der EU von mindestens 1 Kilogramm pro Kopf in der EU-Bevölkerung bis 2030 einher. So sei es für die landwirtschaftlichen Betriebe in der EU angeraten, mittelfristig eine Umstrukturierung der landwirtschaftlichen Produktion auf „organic farming“ einzuleiten.

Lokale Produktion und globale Markttrends auf einen Nenner bringen

Darüber hinaus sei ein Wandel auch in der konventionellen Landwirtschaft hin zu umweltfreundlicher alternativer Landwirtschaft und der Bewahrung der natürlichen Ressourcen von Boden, Wasser und Luftqualität angezeigt.

Während EU-Verbraucher sich zunehmend lokale Nahrungsmittelproduktion wünschen, ziehen globale Konsumtrends auch veränderte Rahmenbedingungen für die europäischen Bauern nach sich.

So erwarten die EU-Autoren, dass der steigende Getreidebedarf zur Versorgung der Weltbevölkerung in der Zukunft vorwiegend von den intensiv betriebenen Anbaugebieten der Welt befriedigt werden wird und weiter zunimmt. Auch die EU-Getreideproduktion wird davon profitieren.

EU-Getreideproduktion wächst auf 320 Millionen Tonnen bis 2030 an

So sagen die Outlook-Analysten eine Produktionssteigerung in der EU für Tierfutter und industrielle Abnehmer mit Blick auf die aufstrebende Bio-Ökonomie voraus. Unter diesen Annahmen könnte die EU-Getreideproduktion bis 2030 eine Produktionskapazität von 320 Mio. Tonnen erreichen. Mit Konkurrenz müssen die EU-Landwirte vor allem aus der Schwarzmeer-Region rechnen.

Eine starke Produktionsausweitung für die europäischen Bauern sieht die EU-Analyse bei Eiweiß-Früchten. So werden hier Produktionsmargen von 6,3 Mio. Tonnen bis 2030 jährlich erwartet.

Europäische hochwertige Milchprodukte auf Weltmärkten höchst beliebt

Gewinne auf den globalen Märkten sieht die EU-Outlook-Prognose beim Aufwuchs von verarbeitenden Milchprodukten hoher Qualität. Die EU kann auch weiter darauf hoffen, beim weltweiten Export von Milcherzeugnissen die Nase vorn zu haben. So dürfte sich die Milchproduktion nach Einschätzung der EU-Agraranalysten bis 2030 bei einer Marge von 179 Mio. Jahrestonnen stabilisieren.

EU-Milchkuhbestand reduziert sich bis 2030 um 1,4 Millionen Tiere

Dennoch müssen die EU-Tierhalter ihre Herdenpolitik überdenken und den veränderten Umwelt- und Klimaanforderungen anpassen, heißt es. So wird bis 2030 angesichts angepeilter Treibhausgas-Reduktionsziele in der Landwirtschaft mit einem Abbau von etwa 1,4 Millionen Tieren in der EU-Landwirtschaft gerechnet.


Diskussionen zum Artikel

Kommentar schreiben

von Werner Hübner

Seit Jahren erzählt man uns das

Als ich in den 1980 er Jahren in Triesdorf war, hat man uns auch erzählt , daß wir gebraucht werden . Die steigende Weltbevölkerung verlangt nach mehr Nahrungsmitteln und wir Bauern werden davon profitieren. Ich kann nur sagen das Gegenteil war der Fall. Die Erzeugerpreisr sind seit 40 Jahren kaum kostendeckend und stagnieren. 80 % der Betriebe haben seitdem aufgegeben . Der Rest rackert weiter ,in der Hoffnung es müsste mit mehr Vieh und mehr Fläche besser werden. Glaubt niemandem der sagt die Einkommen werden reichen. Schon deswegen nicht weil die Kosten für immer mehr Auflagen und Einschränkungen nicht mehr bezahlbar sing.

von Dieter Müller

Die Werbekunden von top agrar erwarten optimistische Statements.

Wenn Landwirte/innen aufgeben und keine Fachzeitung mehr benötigen, ist das für top agrar kein großer Verlust. Sollten sich jedoch die Werbekunden verabschieden, weil pessimistische Agrarier weniger investieren, dann läuten die Alarmglocken.

Anmerkung der Redaktion

Die Meldung spiegelt ja nicht die Meinung von top agrar wieder, sondern ist die der Generaldirektion Landwirtschaft der EU-Kommission, wir berichten darüber, das ist unsere Aufgabe.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Aufpassen

da muss man aufpassen, dass man sich nicht totlacht!! - So ein Schmarrn. Wer bezahlt eigentlich diesen Blödsinn?.

von Karl Heinz Ott

EU Getreide Erzeugung wächst

Aber sicher nicht in Deutschland, weil hier ist es ja nicht mehr gewollt vor lauter grünfanatischer Träumereien. Wenn man in Zukunft nichts mehr Düngen und kein Pflanzenschutzmittel verwenden darf, ist es für mich nur schwer verstehbar wie man da den Getreide Ertrag steigern soll. Und die landwirtschaftliche Fläche wird ja auch mit jeden Tag weniger. Ob es das Zubetonieren, Flächenstillegung aus ökologischen Gründen oder zu Greeningzwecken ist.

von Egge Mansholt

Durchhalteparolen

„Als Folge von steigender Wertschätzung, zunehmender Produktionsvolumina und steigenden Verkaufserlösen ist mit einer Steigerung der Durchschnittseinkommen landwirtschaftlicher Betriebe bis 2030 zu rechnen“. Ihre Worte in Gottes Ohr wären wünschenswert. Ich glaub nicht mehr daran. Mein Vater sagte in den 90ern schon zu mir, es wird in der Landw. nur noch schlechter werden, mach was anderes. Da hat er wohl Recht gehabt.

von Hans Nagl

Eine .

Eine neue Karotte für's neue Jahrzehnt.

von Renke Renken

Wie heißt es so schön:

"Die alten Propheten sind tot und die neuen taugen nichts."- Nichts als Glaskugelleserei. Aber zumindest hat eine hochdekorierte Expertengruppe mit dieser für uns Landwirte an Durchhalteparolen grenzenden Aussagen erst einmal wahrscheinlich eineinhalb Jahre Geld verdient.

von Wilhelm Grimm

Kaffeesatzleserei

und unser deutsches Problem besteht in einer politischen Zerstörung moderner landwirtschaftlicher Verfahren. Hohe Kosten einerseits und Verhinderung des Fortschritts sowie die Nitratlüge führen in den Untergang.

von Christian Kraus

https://ec.europa.eu/info/sites/info/files/food-farming-fisheries/farming/documents/agricultural-outlook-2019-report_en.pdf

Milch: Milchpreiszuwachs von 0,7 % pro Jahr (Das ist weit unter der Inflation) Fütterungskostensteigerung 3,1 % pro Jahr ------> Diese Zahlen rechtfertigen auf jeden Fall keine Investitionen in die Milchwirtschaft. Abgesehen davon scheinen die Zahlen sowieso nur geraten oder frei ausgedacht zu sein.

von Heinz Scholte-Meyerink

Ja, ja...

... das predigen die "Experten" schon seit ca. 50 Jahren! Anfang der 90er Jahre hieß es: Wer das Jahr 2000 überstanden hat, für den brechen goldene Zeiten an...

von Willy Toft

Sicher liegen da Chancen, wir leben aber eher von der Hoffnung und der Substanz!

Unsichere Märkte werden unsere Begleiter sein, die Milchviehhaltung wird zurückgehen, denn das was bisher lief, hält keine Betrieb mehr aus! Wir müssen Fair Trade für die Regionale Landwirtschaft einfordern, und wahrscheinlich mit dem Handel "Vereinbarungen" treffen, die uns aber überleben lassen! Sonst wäre die Versklavung der in Landwirtschaft Tätigen perfekt, wenn wir nicht zu fairen Preisen kommen! Der Weltmarkt bestimmt die Gangart, und bei uns ist stets Kapital zu holen, auch wenn es eher zu wenig für die Produkte gibt! Wir müssen uns selbstbewusst jeden Tag den Herausforderungen stellen! Hier sollte sich der Staat raus halten, und nicht stets mit mehr Restriktionen kommen!

von Rudolf Rößle

Erste

falsche große Prognose in diesem Jahrzehnt. Es wird eher ein Preisverfall bei Bioprodukten einsetzen. Preissprünge in einzelnen kritischen Klimazonen werden Alltag. Der weltweite Börsenpreis für Mengenprodukte wird Alltag. Keine guten Aussichten für Milch, da dort nicht kurzfristig reagiert werden kann. Viele Ökonomen sehen schon die nächste Immobilienblase und Geldverlust voraus, aufgrund von zu niedrigen Zinsen und hohen wertlosen Staatsanleihenkäufen der Zentralbanken. Viele Länder sind Pleite und werden wie Griechenland vor dem Systemzusammenbruch vorerst bewahrt.

Diskutieren Sie mit

Tragen Sie mit Ihrem Beitrag zur Meinungsbildung zu diesem Artikel bei.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen