Eklat bei Demo: Polizei beschlagnahmt vom Wolf gerissene Kälber

Am Dienstagmorgen wollten fünf Bauern mit zwei vom Wolf gerissenen Kälbern vor dem Brandenburger Landtag gegen die "Untätigkeit der Landesregierung" protestieren, wie es hieß. Obwohl die Demonstration angemeldet gewesen sei, habe die Polizei sie daran gehindert, kritisiert Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung.

Brandenburger Bauern am 8. Mai vor dem Brandenburger Landtag (Bildquelle: Erstling)

Am Dienstagmorgen wollten fünf Bauern mit zwei vom Wolf gerissenen Kälbern vor dem Brandenburger Landtag gegen die "Untätigkeit der Landesregierung" protestieren, wie es hieß. Obwohl die Demonstration angemeldet gewesen sei, habe die Polizei sie daran gehindert, kritisiert Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung. Die Kadaver wurden beschlagnahmt; Landwirt Elard von Gottberg aus Ziesar erhielt eine Strafanzeige, ergänzt der Landesbauernverband Brandenburg. 

„Broschüren, Filme, Ratgeber – wir werden von den Naturschutzbehörden mit Wolfspropaganda zugeschüttet. Aber wenn betroffene Weidetierhalter die grausame Wirklichkeit zeigen, schreitet die Staatsgewalt ein. Was für eine Anmaßung gegenüber der Landbevölkerung!“, schimpft Reinhard Jung. Die Politiker sollten sich seiner Meinung nach die zerfetzten Kadaver anschauen, die das angeblich so faszinierende Raubtier zurücklässt. „Wer da nur mit den Schultern zuckt und sagt, das sei halt Natur, spuckt uns Bauern direkt ins Gesicht. Wir lieben unsere Tiere. Es wird Zeit, dass wir sie mit der Waffe in der Hand verteidigen“, so der verärgerte Tierhalter. Er kündigte an, die angedrohte "Notwehr“ werde nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Unverständnis auch beim Landesbauernverband. Die Demonstranten fühlten sich zu Recht in ihrem Demonstrationsrecht beschnitten, heißt es dort. „Die Aktion des betroffenen Landwirtes zeigt mehr als deutlich, dass die Beschwichtigungsstrategie der Landesregierung zu nichts führt. Sowohl die Tatsache, dass wir gegenwärtig im Land Brandenburg keinen gültigen Wolfsmanagementplan haben, sowie der Umstand, dass Anträge auf Entnahme von Wölfen nach BbgWolfV abgelehnt werden, ohne dass sich das Landesamt für Umwelt im Rahmen eines Vororttermins entsprechend informiert hat, zeigt, dass die Politik die Weidetierhalter buchstäblich allein im Regen stehen lässt“, kommentiert Jens Schreinicke, Wolfsbeauftragter des LBV Brandenburg.

Er fordert die Landesregierung eindringlich dazu auf, gemeinsam mit dem Bund die Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die einer Schutzjagd auf Wölfe nach schwedischem Vorbild entgegenstehen. Ansonsten werde es in Brandenburg bald keine Weidetierhaltung als natürlichste Form der Tierhaltung mehr geben. „Das wäre ein Hohn, gerade auch vor dem Hintergrund der aktuellen Tierwohldebatte“ so Schreinicke.

EU-Parlament (Bildquelle: EU, EP)

EU-Parlament (Bildquelle: EU, EP)

EU-Parlament für Änderungen im Schutzstatus großer Beutegreifer

EU-Parlament (Bildquelle: EU, EP)

Angesichts der deutlich gestiegenen Zahl gerissener Tiere geraten die Maßnahmen zum Schutz der Herden an ihre Grenzen, kritisieren unterdessen auch die EU-Parlamentarier in ihrem Bericht über die derzeitige Lage und die Zukunftsperspektiven der Schaf- und Ziegenhaltung.

"Die Angriffe von Wölfen und nicht geschützten Mischlingen aus Wolf und Hund auf Herden nehmen zu, obwohl immer mehr Ressourcen eingesetzt werden, die für die Viehhalter und die Gesellschaft immer höhere Kosten verursachen", heißt es nach Informationen von aiz.info darin. Die EU-Abgeordneten plädieren deshalb für eine Anpassung der entsprechenden Anhänge in der EU-Habitat-Richtlinie, um die Ausbreitung der Raubtiere auf bestimmten Weideflächen kontrollieren beziehungsweise steuern zu dürfen.

Bereits jetzt hätten Bauern begonnen ihre Tiere einzustallen, was mit der Zeit nicht nur die Aufgabe riesiger Flächen und damit ein erhöhtes Brand- sowie Lawinenrisiko nach sich ziehe, sondern auch intensive Bewirtschaftungsformen fördere. Die Zukunft der umweltschonenden Haltungsmethoden wie etwa im Freien oder die Wanderwirtschaft stehe auf dem Spiel, so die EU-Abgeordneten.

Das Europaparlament fordert deshalb von der EU-Kommission und den Mitgliedstaaten Maßnahmen zur Entwicklung des ländlichen Raums und somit zum Schutz der Nutztierbestände. Dazu zählen die Einrichtung von Weideschutzgebieten, in denen eine Regulierung der großen Beutegreifer stattfinden kann, ein angemessener Ausgleich für Verluste durch Angriffe großer Raubtiere (Produktivitätseinbußen) - einschließlich der nicht durch die Habitat-Richtlinie geschützten Raubtiere - sowie finanzielle Mittel zur Anschaffung neuer Ersatztiere, berichtet aiz.info weiter.

Das EU-Parlament fordert von den Mitgliedstaaten aber auch die Eindämmung von Hund-Wolf-Hybriden sowie eine verbesserte Ausbildung bei Hirten- und Schäferhunden. Außerdem schlagen die EU-Abgeordneten vor, einen "Wolfsbeauftragten" zu ernennen, um zwischen den verschiedenen betroffenen Interessen sowie bei Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Schutzstatus zu vermitteln sowie durch Wolfsrisse verursachte Verluste zu kompensieren. Als Vorbild soll das in einigen Mitgliedstaaten erfolgreich eingeführte Modell des "Bärenbeauftragten" dienen.

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Gerd Ulken

Wolf

Sie haben offensichtlich keine Ahnung....Frau Möbius

von Anke Möbius

Verhältnismässigkeit !

...bei 579.111 verendeten Rindern im Jahr 2016, die über die gem. des Meldeprogramms des Herkunftssicherungs- und Informationssystems für Tiere gezählt und über die Tierkörperbeseitigungsanlagen entsorgt wurden, beträgt der Anteil von über 1.000 gerissenen Tieren etwa 0,17%. Wo sollte man also eher mit Veränderungen ansetzen ?

von Gerhard Steinhauer

Abschussquoten für Wölfe festlegen

Hallo, ich möchte schon vorab dieses Artikels sagen, dass ich ein absoluter Gegner der Aussetzung von Wölfen in die dicht besiedelten Gebiete Deutschlands bin. Wölfe gehören meiner Meinung nach hier bei uns nicht angesiedelt noch unter Naturschutz gestellt. Der Wolf gehört weltweit ganz und gar nicht zu den gefährdeten aussterbenden Rassen. Es gibt weltweit ausreichend genügend, fast menschenleere Gebiete, wo sich Wolf und Bär ungehindert ausbreiten können. Allen Fürsprechern zum Trotz, der Wolf ist und bleibt ein Raubtier von nicht zu unterschätzenden Gefährlichkeit sowohl für unsere Tiere und evtl. auch für uns Menschen. Da sich der Wolf jedes Jahr um mindestens 20 % vermehrt ist es für mich nur eine Frage der Zeit, bis er sich in die Nähe der Menschen wagt, um hier Nahrung zu suchen und zu finden. Aber aus naturschutzseitiger Sicht lässt sich ja mit diesem Wolfsprogramm sehr viel Geld verdienen. Und Einnahmen müssen nun halt mal fließen, sonst ist die eigene Daseinsberechtigung der Damen und Herren gefährdet. Mit dem Wolfsprogramm werden alle tierschützenden Maßnahmen der Viehhalter mit Füßen getreten. Wir züchten unsere Tiere, damit der Wolf was zu fressen bekommt und dürfen uns nicht wehren. Stattdessen bekommen wir vorgeschrieben wie hoch unsere Einzäunungen sein müssen, damit der Wolf diese nicht überspringen kann. Welch ein Wahnsinn! Im Fernsehen werden uns Filme von nicht artgerechten Tötungen von Tieren in den Schlachthöfen gezeigt und gleichzeitig reist der Wolf unsere Tiere und das Wild im Wald. Und das nennt man dann natürliches Verhalten. Ich stelle mir gerade vor, dass in einem sehr strengen Winter der Wolf nicht genügend Wild zu fressen bekommt und er sich in die Wohngebiete begibt. Vielleicht angelockt vom Geruch eines schönen Bratens. Es bleibt zu wünschen und zu hoffen, dass dann nicht ein Mensch zu Schaden kommt. Aber es ist wie immer, erst muss mal etwas passieren, bevor sich die Menschheit besinnt. So lange wie es andere betrifft, geht es mich ja nichts an. Es wir höchste Zeit, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, um so das Risiko für uns alle zu minimieren. G. Steinhauer

von Gerd Ulken

Tierschutz

AlleTierschutzverbände reden vom Tierschutz - warum gehen die Tierschützer nicht auf die Barrikaden wenn ein Wolf Kälber oder Schafe reisst ? Wie ist es eigentlich mit der Inventar- Versicherung , ist das ein Unfall oder eine Krankheit oder schon eine Seuche ?

von Martin Schmidt

Mit positiven Bildern arbeiten

Kommt im allgemeinen besser. Warum nicht mit Kälbern und Lämmern, vielleicht auch Schafherden zu Ministerium ziehen. Die Kadaver kann man doch beim Nabu entsorgen.

von Heiko Dierks

Bananenrepublik....

von Josef Fischer

Da nicht sein kann was nicht sein darf

ich glaub mit der Überschrift ist alles gesagt...

von Paul Siewecke

Tja, wenn dann mit einem toten Schwein gegen fehlenden Impfstoffe (ASP) protestiert werden soll, gibt es auch Ärger... Zu Recht! Den Protestierenden ist es durchaus zuzumuten, entsprechend große Plakate zu verwenden! Die kosten nicht die Welt und dem Seuchenschutz/Hygienevorschriften ist Genüge getan. Aber anscheinend hat man es wirklich darauf angelegt....

von Thomas Egolf

Was hat diese Regierung nur aus unserem Land gemacht!

Da kann man nur noch mit dem Kopf schütteln. Wo Unrecht zu Recht wird, da wird ...... Wenn ein ehemals Minister Robert Habeck in einem Interview behauptet: "Es gibt kein Volk, deshalb kann man auch kein Volk verraten. Das Wort Volk sei für ihn ein Nazi Begriff." Unglaublich, die sitzen in unserer Regierung! Wer wählt so etwas?

von Rudolf Rößle

Rinder

und sicher auch Schafe haben ein sehr gutes Gedächtnis. Ich würde nicht mehr auf die Weide gehen, wenn ich dort angegriffen werde. Wir haben mit beißwütigen Hunde schon genügend Ärger. Ob hungrige Wölfe auch Kleinkinder als Beute sehen möchte ich nicht hoffen.

von Karlheinz Gruber

Wie war das denn damals mit den Plakaten

wo Tierschüzter gegen die Kastraktion großflächig Werbung gemacht haben. Ich meine die Werbung, wo ein Mann mit einem blutigen Tuch vor der Lende von den Großwerbeflächen runtergeschaut hat. Warum ist hier die Polizei nicht eingeschritten, obwohl diese Szene nur Gewalt dargestellt hat, die es in dieser Form nicht gibt. (Ferkel würden verbluten bei dieser Menge....) Oder warum können Demons mit Kunstblutaktionen aufwarten, die Blutüberströmte Tiere darstellen?. Aber sobald ein Landwirt die grausame Realität aufzeigt, wird Beschlagnahmt. Das passt doch alles zur derzeitigen Rechtssprechung mit den Stalleinbrüchen für die Tierschutzterroristen. Wenn diese Entwicklung so weitergeht kann ich nur noch warnen und sagen, daß war schon mal alles da. Die Beschneidung der Meinungsfreiheit, Rechtslosigkeit etc..... Und eines noch: Guten Morgen Bauernverband und Herr Ruckwied. Wenn Sie wach sind, es würde jede Menge Arbeit auf Sie warten. Aber nicht auf der Grünen Woche oder irgendeiner Messe. Nein, hier bei uns in der Realität.

von Eike Bruns

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen,

der gleiche Staat der es PETA erlaubt nachts in Ställe einzudringen um " Missstände aufzudecken die von den staatlichen Organen nicht bearbeitet werden können" schafft es innerhalb weniger Minuten/Stunden eine kleine Gruppe Bauern hoch zu nehmen weil Sie der Bevölkerung vor Augen führt, was es bedeutet z.B. den Wolf hier wieder anzusiedeln (gilt stellvertretend auch für andere "Projekte"). Warum kann der Staat nicht auch PETA verbieten in Ställe einzudringen mit dem Hinweis auf die Polizei (die können ja anscheinend sehr schnell handeln)- dann hätten wir in dem Bereich wenigstens echten Tierschutz weil dann sofort gehandelt würde und nicht erst später wenn es mehr Spenden gibt. Die Aktion war richtig und sollte auch in überregionalen, nicht landwirtschaftlichen Medien verbreitet werden. Es wird Zeit endlich aus der Deckung zu kommen und nicht immer den schwarzen Peter anzunehmen für Bienensterben, Insektenschwund, Artensterben, Nitrat-, Phosphat im Grundwasser ,etc.

von Wilhelm Gebken

"Außerdem schlagen die EU-Abgeordneten vor, einen "Wolfsbeauftragten" zu ernennen"

Kann man die betroffenen Bauern noch mehr verhöhnen, als durch die Ernenneung eines weiteren "Beauftragten"? Diese Posten dienen , egal wofür jemand "beauftragt" wird, um von den wahren Verantwortlichen oder hier den wahren Schuldigen abzulenken.

von Wolfgang Daiber

Aufruf zu einem Spendenkonto

Kollegen richtet ein nationales Spendenkonto ein ,wo man eine Spende für die anfallenden Verwaltungs,-und Gerichtskosten einzahlen kann.Es kann nicht sein ,daß die Kollegen auch noch hier allleine "im Regen " stehen. Desweiteren fordere ich den deutschen Bauernverbandauf ein Klage einzureichen wegen der Beschneidung des Demonstrationsrechts.

von Henrik Plaas-Beisemann

Sarkasmus

Bei über 1000 gerissenen Nutztieren im vergangenem Jahr und einer zu erwartenden Steigerung der Risse in diesem Jahr, existieren genug Kadaver, die der Wolf hinterlässt, um der Polizei jeden Tag drei bis vier Kadaver vor die Tür zu legen. Tut mir leid für den Sarkasmus, aber man erträgt die Untätigkeit der Politik fast nur noch mit Galgenhumor.

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