Verhängnisvolles Interview

Esken verärgert SPD mit Verzichtsdebatte

In einem Interview hat sich Saskia Esken für einen Verzicht auf Fleisch ausgesprochen. Sie selbst esse ja auch kein Fleisch. Die Sozialdemokraten sind entsetzt.

SPD-Parteichefin Saskia Esken hat in einem Interview mit der ZEIT darüber philosophiert, welche positiven Auswirkungen der Verzicht auf Fleisch und Autofahren für das Klima bringen würde. Auch ein Verbot von Inlandsflügen hält sie für sinnvoll.

Viele in ihrer Partei nehmen ihr das nun übel, hatte man doch in der Vergangenheit immer die Grünen damit gescholten, eine „Verbotspartei“ zu sein; zuletzt bei Hofreiters Aussagen zu einem denkbaren Verbot von neuen Eigenheimen.

Und jetzt stehe die SPD mitten im Wahlkampf selbst als zweite Verzichtspartei da, zitiert Welt/N24 verärgerte Mitglieder. Kommunikationsexperten analysierten, dass Esken zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt – Corona-Lockdown und Wahlkampf – auch noch die Wahrheit über ihre Vorstellungen gesagt habe.

Dazu der Sender weiter: „Gehört Fleisch auf den Index? Nein, sie selbst esse allerdings keins und wolle keinem den Appetit verderben. Aber man müsse an den CO2-Ausstoß in der Landwirtschaft denken und das Tierwohl angesichts der Massentierhaltung. So verdirbt man einem natürlich den Appetit – aber jeder könne ja, wie er will.“

Man müsse darüber nachdenken, wie man durch Verzicht sogar Lebensqualität gewinnen könne, zitiert N24 weiter aus dem Interview. „Das gilt fürs Fahren, fürs Fliegen und fürs Fleisch“, sagte Esken demnach. Welt/N24 spricht denn auch von einer "Kriegserklärung an einen Großteil des Volks", wenn man den Deutschen Wurst und Wagen madig mache, denn das seien zwei der Säulen, auf denen dieses Land nun mal ruht. Es sei unklug, gerade in einem Superwahljahr mit einer entscheidenden Bundestagswahl und angesichts schwacher Umfragewerte, eine Verzichtsdebatte auch nur anzudeuten.

„Ich hätte Saskia Esken diese Antworten nicht empfohlen“, sagt ein Spitzengenosse verärgert. „Unsäglich, dieses Interview“, schimpft ein anderer. „Die Menschen haben derzeit andere Sorgen. Und die SPD hat wichtigere Themen, um die sich kümmern sollte, wie Investitionen und Innovationen.“

Scholz für ökologischen Umbau

Zuvor hatte bereits SPD-Kanzlerkandidat und Bundesfinanzminister Olaf Scholz eine umfassende ökologische Erneuerung Deutschlands angekündigt. Den menschengemachten Klimawandel aufzuhalten, sei "eine gigantische Aufgabe", sagte Scholz laut ZEIT-Bericht bei einer digitalen Vorstandsklausur seiner Partei.

"Wenn wir 2050 CO2-neutral wirtschaften wollen, dann setzt das die größte technologische Revolution, die größte Periode der Innovation in unserem Land voraus, die man sich seit Langem hat vorstellen können", sagte Scholz.

Auf die Erfolgschancen angesprochen sagte der Politiker, er sehe sich und seine Partei "mittendrin" in einer Aufholjagd. "Wir haben früh angefangen, weil wir wissen, dass wir eine Aufholjagd hinter uns bringen müssen", sagte Scholz laut der ZEIT. In Umfragen liegt die SPD mit 15 bis 16 % weit hinter der Union und den Grünen.

Die Redaktion empfiehlt

Der Wahlkampf hat begonnen und die Landwirtschaft ist mittendrin. Es türmt sich eine regelrechte Welle auf, weil es einfach ist, auf dem Rücken einer kleinen Gruppe Stimmung zu machen.

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt rät seinen Mitgliedern, jede politische Aussage im kommenden Wahlkampf genauestens zu prüfen. Die Grünen etwa wollten schwere Eingriffe in den Grundbesitz.

Die Grünen werden im kommenden Bundestagswahlkampf selbstbewusst Ansprüche erheben und mit Rückendeckung von noch mehr Mitgliedern einen Umbau der Landwirtschaft fordern.


Diskussionen zum Artikel

von Erwin Schmidbauer

Die Politik der Unredlichkeit

Esken hat doch gar nicht unrecht: weniger Fliegen, weniger Autofahren, weniger Fleisch essen, geringere Temperatur in den Wohnungen, weniger Lebensmittel- und Stromverschwendung und noch viel mehr ist nötig, um Umwelt und Klima zu retten. Warum will es keiner hören? Weil die Lügen der ... mehr anzeigen

von Willy Toft

Auf so eine Volkspartei kann der Bürger doch bald verzichten, wie "abgehoben" agieren diese Herrschaften?

Die SPD kann einem nur Leid tun, will sie jetzt den Linken und den Grünen davonlaufen? Die einstige Arbeiterpartei empfiehlt ein Verzicht auf Autofahren, Flugreisen, Fleischessen und Luxuskonsum ectr.! Heere Ziele stehen im Raum, und der Landwirtschaft die CO²- Neutralität ... mehr anzeigen

von Eike Bruns

Ihr Bauern hört die Signale:

die Grünen 11 % Zuwachs, die CDU macht auf Grün in dem Irrglauben das Ihr dadurch die Wähler treu bleiben, die SPD hat sich aufgegeben und die Linke versucht so zu sein wie die früheren Grünen. Auf der anderen Seite noch etwas FDP ohne echte Chance auf etwas Gestaltungsmöglichkeiten ... mehr anzeigen

von Volker Grabenhorst

Vorbild...

dieser „Dame“ ist dann sicher jener namhafte Österreicher, der in den 1930er Jahren in Braunschweig die deutsche Staatsbürgerschaft erlangte, und auch Vegetarier war.

von Josef Meier

Diese tolle Frau

ist den Spezialdemokraten eine wirklich große Hilfe bei ihrem Projekt 5 %. Ich glaube fest daran dass sie das bis Herbst schaffen, und das ist gut so.

von Wilhelm Grimm

Direktwahl der Kandidaten für den Parteivorstand.

Das hat die SPD sich auch anders gedacht, und ihre Stammwähler auch.

von Richard Huber

Ich bin auch für Verzicht,

und zwar dem Verzicht auf die SPD.

von Bernd Croonenbroek

Was ist schon SPD

kommen die überhaupt noch über die 5 % ? Uns kann nur noch eine Zwei Wöchige Hungersnot in Europa helfen, damit alle wieder den Blick nach vorne richten !!!

von Lars Henken

Die SPD ist wichtig....

... als Mehrheitsbeschaffer für die neue, Grün/Rot/Rote Bundesregierung. Ich hoffe das bleibt uns erspart.

von Albert Maier

Esken ist ein ...

... schönes Beispiel dafür, dass Volksbefragungen mächtig in die Hosen gehen können!

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