Achtung vor dem Leben

Ethikrat fordert stärkere Achtung des Tierwohls in der Nutztierhaltung

Der Deutsche Ethikrat fordert erhebliche Reformen, um künftig Mindeststandards eines unter ethischen Gesichtspunkten akzeptablen Umgangs mit Nutztieren zu erreichen.

Das Verhältnis von Mensch und Nutztier ist durch eine Grundspannung gekennzeichnet: Das Wohlergehen und die Rechte von Tieren sind in den letzten Jahren in Deutschland zunehmend zum Thema öffentlicher Debatten geworden, stellt der Deutsche Ethikrat fest.

Die gesellschaftliche Akzeptanz für viele Praktiken in der Nutztierhaltung sinke, was zunehmend Einfluss auf Zucht-, Haltungs-, Schlacht- und Verwertungsbedingungen hat.

Der Deutsche Ethikrat hat sich daher damit beschäftigt, inwieweit sich bereichsbezogen festzustellende rechtliche wie tatsächliche Unklarheiten mithilfe einer rationalen ethischen Reflexion reduzieren lassen.

Im Mittelpunkt steht dabei die Überlegung, dass höher entwickelte Tiere einen "Eigenwert" haben. Dieser führt zu ihrer besonderen Schutzwürdigkeit und einer besonderen Verantwortung des Menschen, heißt es. Er setze menschlichen Nutzungsinteressen Grenzen. Diese Grenzen würden jedoch in der derzeitigen Praxis aus Sicht des Ethikrates regelhaft überschritten. Der Rat fordert deshalb eine deutlich stärkere Orientierung am Tierwohl und einen achtsameren Umgang mit dem tierlichen Leben.

Zu beachten seien demnach vor allem die folgenden Prinzipien - wir zitieren:

  • Schutz und Förderung des Tierwohls sind als weitreichende Verpflichtung zu verstehen: Allen Nutztieren ist während ihres ganzen Lebens ein möglichst gutes Gedeihen und Befinden zu ermöglichen, das ihren artspezifischen Verhaltensformen und Erlebnismöglichkeiten entspricht.

  • Tieren dürfen keine vermeidbaren Schmerzen und Leiden zugefügt werden. Ökonomische Überlegungen reichen für sich gesehen nicht aus, um Leid und Schmerzen von Nutztieren als "unvermeidbar" hinzunehmen.

  • Die Bedingungen von Zucht, Haltung und Verwertung einschließlich der Tötung von Nutztieren müssen mit guten Gründen gerechtfertigt werden. Dabei darf nicht pauschal auf die (Ernährungs-)Bedürfnisse der Menschen verwiesen werden.

  • Aus dem Respekt vor dem Leben von Tieren folgt darüber hinaus, dass generell acht- und sparsam mit tierlichem Leben umgegangen wird. Dieser Grundsatz wird verletzt, wenn bestimmte Nutztiere allein aufgrund ihrer geringeren ökonomischen Erträge pauschal aussortiert und vernichtet werden.

  • Die im Tierschutzgesetz festgelegten grundsätzlichen Schutzstandards stehen mit den in der Stellungnahme dargelegten ethischen Anforderungen in Einklang bzw. lassen sich zumindest in diesem Sinne verstehen. Dennoch sollte erwogen werden, den Grundgedanken des Tierwohls in tierschutzrechtliche Regelungen besser umzusetzen, beispielsweise mithilfe einer Umkehr von Begründungslasten und einem stärkeren Rückgriff auf tierwohlbezogene Indikatoren.

  • Tierwohlorientierte Vorgaben des Tierschutzgesetzes dürfen nicht im Wege der Interpretation oder der untergesetzlichen Konkretisierung unterlaufen werden. Für den Prozess der Gesetzeskonkretisierung braucht es klare, rechtsverbindliche Ergebnisse garantierende Verfahrensformen mit transparenten Beteiligungsstrukturen, die Tiere und ihre berechtigten Belange angemessen "repräsentieren". Institutionalisierte Interessenkonflikte und einseitige Besetzungen sind zu vermeiden.

  • Nutztierbasierte Produkte sind in ihrer besonderen Wertigkeit anzuerkennen. Ferner sind Ersatzprodukte zu stärken. Die zunehmende Nachfrage von Konsumenten nach pflanzenbasierten Fleischersatzprodukten ist als indirekter Beitrag zum Tierwohl zu begrüßen.

Aus Sicht des Ethikrates ist eine ethisch vertretbare Nutztierhaltung in erster Linie eine Frage verantwortlicher Regulierung. Die Rolle der Politik bestehe darin, einen angemessen strukturierten Transformationsprozess zu gestalten. Dabei sei sicherzustellen, dass die erwartbaren Lasten, die ein solcher Strukturwandel mit sich bringt, fair verteilt werden.

Schluss mit dem Kastenstand

Tierschützer von VIER PFOTEN begrüßen die Stellungnahme und die „Rüge an die Bundesregierung“. Sie fordern, tierquälerische Praktiken wie den Kastenstand zu beenden und eine Tierschutzwende einzuläuten. „Nicht erst seit gestern ist bekannt, dass viele Praktiken in der heutigen Nutztierhaltung wie Platzmangel, routinemäßige Verstümmelungen oder Käfighaltung wie der Kastenstand für Millionen Tiere in Deutschland schwerwiegende Leiden und Schäden zur Folge haben“, so Rüdiger Jürgensen, Geschäftsführer VIER PFOTEN Deutschland.

Der Deutsche Ethikrat rüge nun die Bundesregierung und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner für den Umgang mit Nutztieren. Er sehe enormen Reformbedarf in der Nutztierhaltung und zeige das völlige Versagen der Bundesregierung bei der Ausgestaltung von Tierschutzrecht auf.

„An der Causa Kastenstand wird deutlich, dass die gegenwärtige Tierschutzgesetzgebung von Ministerin Klöckner gescheitert ist. Anstatt einen illegalen Zustand nachträglich zu legalisieren, müssen Bund und Länder jetzt einen neuen tierschutz- und verfassungskonformen Entwurf vorlegen“, so Jürgensen.


Diskussionen zum Artikel

von Rudolf Rößle

Ich

erwarte aber auch eine deutliche Stellungnahme gegen importierte Konsumgüter die nur durch Ausbeutung von Arbeitskraft hergestellt werden kann. Die dürfen nicht mehr zu uns geliefert werden.

von

Sind wir Bauern blöd?

Wenn der Ethikrat in seinen ersten beiden Prinzipienein "gutes Gedeihen und Befinden" der Tiere sowie "vermeidbare Schmerzen und Leiden" zu verhindern fordert, scheint er uns Bauern für extrem blöd zu halten. Nur wenn diese beiden Prinzipien eingehalten werden, ist überhaupt eine ... mehr anzeigen

von Henrik Plaas-Beisemann

Diese Stellungnahme hat nicht nur Auswirkung auf die Nutztierhaltung

Wenn man davon ausgeht, dass dieses Gutachten die Richtschnur für zukünftige Tierschutzgesetzgebung ist, dann stellen sich mir doch einige Fragen. Zu erstmal die naheliegendste: Muss diese Ethik auch auf Waren angewandt werden, die außerhalb des gesetzlichen Einflusses der ... mehr anzeigen

von Claus Mahnken

Ethikrat

Ich verstehe nicht wie den Nutztieren geholfen wird,wenn die Damen und Herren dazu aufrufen mehr Fleischersatzprodukte zu verzehren.Diese selbsternannten Ehtikgelehrten haben nicht verstanden ,daß jedes Tier für sich lebt.

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Fleischersatz?

wenn dieser Ethikrat dazu aufruft mehr Fleischersatzprodukte zu verzehren, wer schützt dann die Menschen vor den Folgen dieser Form der Ernährung. Eine Sendung im ZDF hat sich damit beschäftigt und festgestellt, dass bei Burgern in Rindfleisch Patties nur 2 Zutaten vorhanden waren ... mehr anzeigen

von Claus Mahnken

Ethikrat

Ich verstehe nicht wie den Nutztieren geholfen wird,wenn die Damen und Herren dazu aufrufen mehr Fleischersatzprodukte zu verzehren.Diese selbsternannten Ehtikgelehrten haben nicht verstanden ,daß jedes Tier für sich lebt.

von Kirsten Wosnitza

Wer darf über Ethik diskutieren?

Ist eine akademische Ausbildung Voraussetzung dafür, zur Ethik Debatte beitragen zu können? So scheint es jedenfalls, wenn man die Zusammensetzung des Gremiums betrachtet. Allerdings ist es auch erschreckend, wieviel Frustration und Hass aus einigen Kommentaren spricht.

von Wilhelm Grimm

Frust und Hass ?

Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und der sogenannte Ethikrat den Haltern von Nutztieren ständig in die Fresse haut und ihn für unmündig und vogelfrei erklärt, dann, ja dann......,

von Andreas Gerner

Ich finde zum Beispiel Golfplätze unethisch.

Statt englischem Rasen könnten dort Nahrungsmittel wachsen. Oder Energiepflanzen, so dass wir weniger Kohle und Erdöl verbrauchen, welche unser Klima zerstören und damit Leid verursachen.

von Norbert Scheppach

zu einfach

ach Gottchen, der Ethikrat widerkäut bekannte Phänomene. Aber im Prinzip ist ethisch auch nicht so schwierig: 1. wenn man schon Tiere isst, dann ohne sie zu quälen und in einer Form groß gezogen, die man vor sich selbst vertreten kann. 2. Verbraucher sind da herzlich unbedarft, da ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Ethikrat?

Wozu brauchen wir das? Möchte mal sehen wie oft die Damen und Herren im Supermarkt einkaufen und in der Hand deren Flyer mit Sonderangeboten! So eine Polemik zur Nutztierhaltung!!!!ist total daneben,weil jeder viehhaltende Landwirt weiß, wie man erfolgreich Tierproduktion gestaltet.

von Bernhard ter Veen

sehr geehrter Ethikrat

Sie "Philosophieren" über das von uns Bauern "gelebte und verstandene" Tierwohl. SIE sollten sich indes lieber mit den Fragen der "zwischenmenschlichen Kommunikation" befassen. Da Sie "Hier" einen Bereich betreten von dem Sie allem Anschein nach KEINEN DEUT verstehen, sollten Sie sich ... mehr anzeigen

von Gerald Hertel

Wieso

betreibt Deutschland Waffenhandel

von Wilhelm Grimm

Das zu beurteilen, ist nicht Aufgabe des Ethikrates, so seine Weltensicht.

von Wilhelm Grimm

Ethikrat---gehet hin in alle Welt, predigt das Evangelium

und helft, Hunger und Armut zu besiegen. Ihr Pharisäer watet in Sünde in eurer warmen Stube und leistet keinen Beitrag, das unsägliche Leid unschuldiger Kinder,Frauen und Männer zu lindern. Meldet euch bei Entwicklungshilfe- Minister Müller, der hat ehrliche Aufgaben für euch.

von jörg Meyer

Mal angenommen

Geld wäre nicht beliebig vermehrbar sondern knapp und man müsste sich entscheiden im Rahmen einer Präferenzliste nach Wichtigkeit der Ausgaben, kämen dann die Punkte des Ethikrates vor oder nach vielen menschlichen Elend in Deutschland wie Kinderarmut, Altersarmut, zu wenig Polizei, ... mehr anzeigen

von Anton Bieg

Ethikrat

Was wäre wenn alle Kinder soviel Kindeswohl hätten wie unsere Tiere Tierwohl. Aber bei uns Landwirten wissen alle anderen es besser nur wir die 24 Stunden für unsere Tiere da sind anscheinend nicht. P.Bieg

von Richard Huber

Genau deshalb wir Deutschland

keine Tiere oder deren Fleisch mehr aus anderen Ländern importieren. Diese Tierwohlstandards in der Nutztierhaltung gelten weltweit. Alles andere wäre mal wieder pure Scheinheiligkeit. Mercosur wird deswegen umgehend aufgelöst und deswegen ab sofort auch weniger Regenwald in ... mehr anzeigen

von Albert Maier

Gerne dürfen ...

... die edelsten aller Gutmenschen die Tiere künftig selber halten.

von Renke Renken

Laß die Leute

doch Körner, Samen und Salat fressen, dann brauchen wir in D keine Nutztiere mehr, aber, bitte, bitte dann auch kein Gramm Fleisch von Nutztieren mehr importieren, und wenn wir keine Nutztiere mehr halten, gibt's auch keine Milch, Käse und Eier usw. und das Mercusor Abkommen ist auch ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Körner Samen und Salat dürfen nur die essen, die gesamtgesellschaftliche Verantwortung

tragen und zum Gemeinwohl unserer Gesellschaft beitragen. Wenn ihr diese Aufgaben erfüllt habt, bekommt ihr auch ein Stück Fleisch.

von Andreas Gerner

Ethik erfordert auch Ehrlichkeit!

Wie ETHISCH ist es, wenn tatsächlich inproduktive Bruderhähne gemästet werden oder die Legeleistung der Hennen durch Zweinutzungszüchtung in den Keller purzelt? Denn dabei werden Massenhaft Ressoucen (Futter, Wasser, Energie, Versiegelte Fläche durch Ställe...) verbraten und fällt ... mehr anzeigen

von Anton Hoser

Etik

Weis die geballte Kompetenz wie Landwirte ihr Geld verdienen müssen.?

von Hubert Schwindl

Achtung vor dem Leben

Was wird denn alles mißachtet ! In Kriegsgebieten in den Ärmsten Ländern wie soll den Tierwohl funktionieren wenn nicht mal die Würde des Menschen Beachtung findest

von Ernst Storm

Ethikrat

es wäre interessant zu wissen wieviele Bauern im Ethikrat vertreten sind ! ernst Storm

von Hartmut Kümmerle

Interessant wäre auch wie viel Erfahrung diese im Abferkelbereich haben!

Erstickte Ferkel haben keinen Anwalt ! ( Werden wohl stark zunehmen .......in der freien Abferkelung. )

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