Agritechnica

Experte warnt: "Uns geht in Kürze das Wasser für die Landwirtschaft aus!"

In 5 bis 10 Jahren schon könnte der Landwirtschaft das Wasser ausgehen, warnte ein Experte auf der Agritechnica. Ohnehin seien dringend Innovationen nötig, um die Welt satt zu kriegen...

Die Landwirtschaft steht heute nicht mehr nur vor der Aufgabe der Ernährungssicherung einer wachsenden Weltbevölkerung, sondern muss zusätzlich globale Aufgaben wie den Klima- und Umweltschutz bewältigen und dabei ihre Position in einer sich verändernden Gesellschaft finden. So fasst die DLG die Podiumsdiskussion zum Leitthema der Agritechnica „Global Farming – Local Responsibility“ vom 12. November zusammen.

Dr. Wilfried Aulbur von Roland Berger Consulting wies nachdrücklich auf die Schwierigkeit hin, mit den etablierten Anbaumethoden mehr Lebensmittel für mehr Menschen zu erzeugen. „Es wird nicht möglich sein, mehr Lebensmittel durch die Anwendung etablierter Anbaumethoden herzustellen. Die Wassernutzung in der Landwirtschaft zum Beispiel ist nicht nachhaltig."

Dr. Aulbur warnte, dass uns in den nächsten 5 bis 10 Jahren nach UN-Prognosen das Wasser für die Landwirtschaft ausgehen könnte. "Das heißt wir sprechen von sehr unmittelbaren und massiven Herausforderungen für die Industrie und uns alle. Wir benötigen erhebliche und sofortige Investitionen von Unternehmen, Universitäten und Regierungen in neue Technologien, die es uns ermöglichen, diese knappe Ressource viel effektiver zu nutzen.“

Heute werde die Landwirtschaft als „Big AG“ angegriffen. Mit einem signifikanten Beitrag zu den globalen Treibhausgasemissionen und negativen Nachrichten über die Abholzung von Regenwäldern, Abflüssen, schädlichen Auswirkungen von Pestiziden usw. müsse die Landwirtschaft ihren Beitrag dazu leisten, diese Herausforderungen anzugehen, mahnte Aulbur an. Transparenz, offene Kommunikation und Stakeholder-Engagement sind seiner Meinung nach entscheidend, wie die Branche diese Krise meistert. Precision Farming und andere technologische Fortschritte hält er für Schlüsselkomponenten, die es den Landwirten ermöglichen, die Weltbevölkerung auf eine nachhaltige Weise zu ernähren, die aber auch von allen Beteiligten akzeptiert wird.

Auch DLG-Präsident Hubertus Paetow sieht die Branche gefordert, den Zielkonflikt Versorgungssicherheit und nachhaltige Produktion durch mehr Innovationen zu lösen. „Um die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten, bedarf es eines hohen Maßes an Engagement, Innovationsimpuls, Know-how, Kreativität und Veränderungsbereitschaft“, so Paetow.

„Die Herausforderungen betreffen alle an der Landwirtschaft Beteiligten weltweit, insbesondere aber die in den fruchtbaren landwirtschaftlichen Gebieten Europas. Die Landwirtschaft ist heute gekennzeichnet durch global vernetzte Anbausysteme mit ihren Produkt- und Warenströmen. Die Verantwortung für das eigene Handeln vor Ort zu übernehmen, liegt aber in der Verantwortung jedes lokalen Landwirts und ist von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich. Der Handlungsspielraum ist global – der Spielraum für Reaktionen auf die Herausforderungen ist nur lokal. Innovationen und Technologien müssen standortspezifische Lösungen für die gleichen globalen übergreifenden Herausforderungen bieten.“

Russen spüren Klimawandel

Dr. Alexey Ugarov, CEO Agrokultura-Holding/PRODIMEX-Unternehmensgruppe, schilderte die Herausforderungen, vor denen landwirtschaftliche Unternehmen in Russland stehen. So würden insbesondere die Klimaveränderungen dazu führen, dass das Wetter unberechenbarer und instabiler wird, und Dürre und Hitzestress für die Pflanzen sich häufen.

„Die betriebliche Logistik ist immer noch eine große Herausforderung, eine oft fehlende Infrastruktur und deren kostenintensive Entwicklung sowie ein fehlender Zugang zu moderner Technologie, hemmen die Entwicklung der Betriebe“, sagte Dr. Ugarov. Weiterhin nannte er folgende Punkte, die für die landwirtschaftlichen Unternehmen in Russland große Herausforderungen darstellen:

  • Marktregulierung der Aus- oder Einfuhr von Agrarprodukten oder -inputs (Zugang zu Bio- oder Technologiefortschritten),

  • Beschränkungen und Hindernisse für den Verkauf und den weltweiten Handel, die von Regierungen verschiedener Länder im Zusammenhang mit politischen Spannungen geschaffen wurden (Sanktionen, Antidumpinguntersuchungen und Steuern, Veterinär- und Gesundheitskontrollmaßnahmen usw.),

  • unzulässige Produktion und fehlende Kennzeichnung von Lebensmitteln mit billigen importierten Zutaten/Produkten (z.B. Palmöl als Ersatz für Milchfett),

  • organisierter Betrug und Diebstahl (Wirtschaftskriminalität).

Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Hermann Freese

Edelhard Brinkmann

der Kreislauf bindet die Meere ein. Auch dort bilden sich Wolken, die im Land abregnen. Wo wollen Sie denn all das Regenwasser sammeln, um zu bewässern? Es gibt Regionen, da muss das Wasser weg, damit überhaupt gewirtschaftet werden kann (diverse Marschen und flaches Land allgemein). Das Wasser für die Landwirtschaft mag global knapper werden - würde ich auch sagen. Für viele Teile Deutschlands mache ich mir aber keine Sorgen.

von Ahrend Höper

Roland Berger Consulting wies nachdrücklich auf die Schwierigkeit hin

Kann ja schon sein, dass so ein weiser, weißhaariger alter Mann von Berger Consulting wahrsagen kann? Oder er hat schon einen kurzen Draht zu Petrus geflochten und bezieht seine Infos von ganz oben? Was will man mit solch einer Veranstaltung auf der Messe erreichen? Sinnloser Einsatz von DLG Gelder für Berger Consulting. Sicher hätte Kachelmann sinnvolleres zum Thema sagen können?

von Rudolf Rößle

Stakeholder Engagement

kann kein Bauer bezahlen und diese Personen können in den Betrieb aktiv eingreifen. Scheint mir doch wieder ein "wie raube ich dem Bauern sein Land Geschichte zu sein".

von Rudolf Rößle

Brauchen

jemand der an dem Börsenrad dreht und die Weizenpreise auf 30 Euro hebt. Ganz schnell wird auf Festen nicht mehr der halbe Kuchen weggeworfen. Dort wo Krisen sind, kommt eh nicht viel an, da kein Geld vorhanden ist.

von Christoph Schulte Tüns

Fordrungen an die Landwirtschaft

Schon erstaunlich was die Landwirte bzw die Landwirtschaft so alles machen muss und machen soll! Nachhaltig und Umweltschonend soll es sein aber auch viel Menge für viele Meschen und das zu erschwinglichen Preisen. Ich meine wir Landwirte müssen "garnix". Wir haben die Verantwortung für uns und unsere Familien und sonst nichts! Wenn der Kimawandel kommt dann hat die Meschheit ein Problem und weniger die Landwirtschaft im einzelnen. Ein halbvolles Kornsilo bringt manchmal mehr Geld wie ein volles!

von Jürgen U. Elke Dippel GbR

Keine Panik Leute Mutti Merkel hat alle Verträge unter Dach und Fach Das Problem ist nur der Deutsche Landwirt spielt im der Wertschöpfung keine Rolle mehr

von Thomas Lütje

Je mehr Erdenbürger

Je mehr Menschen auf der Welt desto weniger Wasser und Lebensmittel für den einzelnen. Unsere Erde wächst nun mal nicht mit,jedenfalls nicht so schnell. Die Landwirtschaft ist nicht die Ursache sondern das Ergebnis der Entwicklung. Jeder vordert sein Raum und seine Bedürfnisse, das geht so nicht mehr lange gut.

von Edelhard Brinkmann

Wasserverteilung

Warum wird das Wasser nicht wieder dahin verteilt nach den Gebrauch wo es herkommt. Es kann dort geregnet werden und nicht einfach in den Fluss und ab dafür und anschließend die Landwirtschaft dafür verantwortlich machen. Dann würden auch die Meere nicht mehr ansteigen. Wieviel Wasser wohl weltweit oder auch nur in Europa oder Deutschland so ins Meer gepumpt wird ohne es dem Kreislauf wieder zuzufügen. Die Landwirtschaft verhält sich da anders,weil bei ihr geht alles wieder in den Kreislauf. Wenn alle so nachhaltig arbeiten würden wäre alles ok. Dies ewige Gestänkere gegen die Landwirtschaft muß endlich aufhören. Dafür müssen unsere Organisationen endlich was machen oder diese müssen ausgetauscht werden. Wir sollten zeigen das wir die Guten sind und nicht die Buhmänner oder Frauen. Irgendwann ist das Fass voll.

von Gerhard Steffek

Aufgabe der Ernährungssicherung einer wachsenden Weltbevölkerung!!!

Davor steht vielleicht die Landwirtschaft, bzw. die Regierungen der einzelnen Länder, aber nicht der einzelne Landwirt. Dessen Aufgabe ist es seinen Hof und Betrieb, wie auch seine Familie durch die Wirren der Zeit bestmöglich zu bringen. Waren es früher physische Kriege die den Überlebenswillen beanspruchten, so sind es heute Psychische einer aus den Fugen geratenen Welt. Mit dem Pauschalbegriff "Landwirtschaft" kann man natürlich wunderbar Rundumschläge austeilen, ist dieser Begriff doch sehr weit zu denen und dabei wieder zu komplex um ihn einfach erfassen zu können. Schon aus diesem Grund kann man diese Diskussion eigentlich schon mal wieder in die Tonne treten. Geschwätz, mehr kann man hierzu nicht sagen. Oder wie es Goethe entsprechend auszudrücken wußte: "Da gab's ein Gerede, man weiß nicht wie, das nennt man eine Akademie". Ich befürchte aber das eher dieser Satz dann entsprechend zutreffen wird: "Eine falsche Überzeugung läßt sich nicht widerlegen, denn sie beruht auf der Tatsache, daß das Falsche wahr sei". Dabei kann ich mir auch gut vorstellen, wer das ausbaden wird.

von Gerhard Steffek

Innovationen nötig, um die Welt satt zu kriegen!!!

Die beste Innovation um die Welt satt zu kriegen wäre die, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Nämlich dem ungehemmten Bevölkerungszuwachs. Nur wenn einer das deutlich anspricht, wie Herr Tönnies das letzthin tat, dann ist der Aufschrei wieder groß und der Entsprechende muß aufpassen nicht von den "Gutmenschen" gelyncht zu werden. Im Grunde genommen ist die Entwicklungshilfe, aber auch jede andere sogenannte "humanitäre" Hilfe (außer bei Katastrophen), der Vergangenheit nur eine Farce gewesen. Denn dadurch wurde ja das ganze Bevölkerungswachstum angeheizt. Das Ergebnis sehen wir jetzt schon, bzw. wird sich noch verschärfen, wenn nicht explizit dagegen gesteuert wird. Denn sonst entpuppt sich die Entwicklungshilfe der Vergangenheit nur zu einem Massensterben der Zukunft. Denn die bisherige Entwicklungshilfe hat nur dazu geführt das die damaligen Katastrophen mit wenigen Menschen in die Zukunft verlagert werden mit sehr viel mehr Menschen. Bereits damals wurde übersehen eine "nachhaltige" (ich finde das Wort mittlerweile schon nur noch zum Kotzen) Bevölkerungsentwicklung zu kreieren. Die Folgen sehen wir heute. Allerdings liegt das auch sehr viel an dem unverantwortlichem Verhalten der Führungen der einzelnen Länder. Diese gehören auch sehr viel mehr in die Verantwortung genommen und sei es eben auch über die Entwicklungshilfe. Geschieht dies nicht, haben wir mehr Probleme als nur das Wasser.

von Klaus Fiederling

Worthülsen-Jongleure

Obige Aneinanderreihung beflügelnder Worthülsen kollidiert schlichtweg mit den brutalen Realitäten an unseren Börsen. Wo, bitte schön, dümpeln selbige aktuell mehr als lustlos dahin!? // Es wird gegenwärtig 20 Mal mehr Käferholz auf den Markt geworfen und das Produkt Sägemehl kostet immer noch annähernd das Doppelte im gegenüberstellenden Vergleich für die gleiche Menge an hochwertigstem E-Weizen. Damit wird mehr als eindrucksvoll veranschaulichend untermauert, dass obige Aussagen nicht mehr wert sind als das Getreide, das wir aktuell auf unseren Höfen erzeugen. Wie viele Hoftore würden morgen schon verriegelt bleiben, stellte man die intensivmedizinische Betreuung staatlicherseits zum Jahresende ein!? // Wasser ist heute in der Sahara bereits absolut defizitär, dahingegen rollen gerade in der norditalienischen Tiefebene die Fluten an... // Empfehlungen von Seiten derjenigen, die unsere aktuelle Bauernmisere maßgeblich zu verantworten haben, sind ebenda absolute Mangelware. Ist man imstande, Strukturen zu entwickeln, um obige Thesen zu erfüllen und dabei parallel die Kostenkonstellationen in der Urproduktion nicht gänzlich aus den Augen zu verlieren!? Ich hege genau daran ganz erhebliche Zweifel! // Welche Mengen seines Getreides muss heute ein Bauer zunächst verkaufen, um sich überhaupt nur eine Beraterstunde von Roland Berger Consulting leisten zu können!?

von Gregor Grosse-Kock

So ein Wahrsager

Wenn Wasserwerke pumpen wie die Wilden, verkaufen aus unserer Region Erle Üfte Rhade Wasser bis nach Holland - geht's noch? Eine frohe Botschaft nach der anderen, wir zerstören uns selbst! Danke an unseren Staatsapperarat der sich für diese Art von dringlichen Neuigkeiten auch noch Stark macht. Es gibt nach solchen Zenarien nur wenige die daran verdienen. Es ist ein regelrechter Krieg ausgebrochen um zu Schocken. DANKE HR PAETOW

von Albert Maier

Universalgenies!

Unternehmensberater sind Universalgenies. Da mutiert einer flugs zum Wasserexperten für das Agrobuisiness. Als Lösung der Probleme präsentiert er mehr Stakeholder-Engagement. Rein zufälliger Weise ist die Roland Berger Gruppe auch als Stakeholder unterwegs, die könnten das gleich übernehmen. Tja, so macht man Geschäfte. Über die unrühmliche Rolle der DLG in diesen Spielchen lasse ich mich lieber nicht aus.

von Frank Groenewold

Quatsch, die Landwirte gehen uns aus

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