Fachschulausbildung Hauswirtschaft: „Sogar Papa ist davon begeistert!“

Für Lena Huber war die Fachschule eigentlich nur eine Übergangslösung. Jetzt ist Hauswirtschaft ihr Traumjob. Du kochst doch gerne!“, sagte Lena Hubers Mutter. Nach der Realschule wusste die junge Frau nicht recht, wie es weitergehen soll.

Lena Huber (19), Düsseldorf (NRW) (Bildquelle: Meusener)

Für Lena Huber war die Fachschule eigentlich nur eine Übergangslösung. Jetzt ist Hauswirtschaft ihr Traumjob.

Du kochst doch gerne!“, sagte Lena Hubers Mutter. Nach der Realschule wusste die junge Frau nicht recht, wie es weitergehen soll. Daraufhin beschloss die Bauerntochter aus Düsseldorf erst einmal auf dem Internat in Hanerau-Hademarschen, Schleswig-Holstein, das erste Schuljahr für die Hauswirtschaft zu absolvieren. „Ich wollte gar nicht komplett mit der Ausbildung starten, sondern etwas Zeit haben, um mich zu sortieren. Nach dem schulischen Jahr wäre für mich eigentlich Schluss gewesen“, erklärt die 19-Jährige. Doch was als solide Wissensgrundlage dienen sollte, erwies sich als Traumjob. „Ich habe nach der Ausbildung so viele Möglichkeiten! Sogar mein Vater, der erst dagegen war, ist von den vielen Facetten begeistet“, sagt sie fröhlich.

Dass sie die beiden praktischen Lehrjahre auf einem Hof verbringt, stand für Lena Huber sofort fest. „Einen passenden Betrieb, der auch Azubis sucht, zu finden, war aber wirklich schwierig“, erklärt sie. Jetzt, im zweiten Lehrjahr auf einem Milchviehbetrieb mit Direktvermarktung in Haan, kann sie alle wichtigen Ausbildungsinhalte erlernen. „Ich brate mittags nicht vorpanierte Schnitzel wie in der Großküche, sondern koche ein ganzes Gericht“, freut sie sich. „Brandteig, Lederpflege, Arbeitsorganisation: Das finde ich klasse! Die anderen Azubis haben da alle einen viel einseitigeren Alltag“, resümiert sie.

Sogar ihre jetzigen Klassenlehrer in NRW waren überrascht, dass sie in jedem Lehrjahr den Betrieb wechselt. „Meine Mitschüler verbringen die komplette Ausbildung zum Beispiel nur im Altenheim“, sagt sie. Aktuell freut sie sich auf den Beginn ihres dritten Ausbildungsjahres in Wuppertal. „Dort werde ich die Kinder betreuen und auch im Hofladen mithelfen!“

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Hauswirtschaft heute

Das Haus ist sauber, der Hof glänzt: Hauswirtschafterinnen sind Organisationstalente. So halten sie den Alltag in Gang. (Bildquelle: Meusener)

Ein Kommentar von Katharina Meusener, top agrar:

Die Hauswirtschaft ist fest mit der Landwirtschaft verwachsen. Kein Wunder, denn vor allem im Arbeits- und Lebensraum Bauernhof ist professionelles Management das starke Fundament, damit der Alltag läuft!

Gerade die ältere Generation der Bäuerinnen hat häufig selbst die Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolviert und sich dann z.B. zur Meisterin oder Technikerin weitergebildet. Heute jedoch hat die Hauswirtschaft starke Image- und Nachwuchsprobleme. Dennoch: Nachdem die Branche vor dem Jahrtausendwechsel mit einem starken Rückgang der Beschäftigten zu kämpfen hatte, steigt die Zahl der Hauswirtschafterinnen seit 2006 wieder an. 2014 befanden sich fast 4000 Personen bundesweit in der Ausbildung.

Deutlich abzusehen ist aber, dass speziell die Ausbildung auf den Höfen ihre Rolle im modernen Berufsbild verliert. Viele Landwirtsfamilien scheuen sich, Azubis aufzunehmen und zu betreuen. Der Anteil der Hauswirtschafter, die im ländlichen Raum arbeiten, ist unter die 10%-Marke gesunken. Dabei kann man gerade auf den Höfen die Vielfalt des Berufes als Alltags- und Haushaltsmanager intensiv kennenlernen.

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Schlechtes Image trotz umfangreicher Ausbildung

Zu mehr hat es nicht gereicht? Das ist doch nur Kochen und Putzen! – Der Stereotyp des Hausmütterchens ist in der Hauswirtschaft heute so aktuell, wie er es auch vor 40 Jahren schon war. Dabei ist die Hauswirtschaft längst in der Moderne angekommen. Die Umsetzung von Hygienemanagement und Arbeitsschutz im Hofcafé oder die Planung eines Caterings in der Eventscheune stehen ebenso auf der To-do-Liste wie die Arbeit als Dorfhelferin oder Leitungsfunktionen in Altenheimen oder Wohneinrichtungen. Flexibilität und eine breite, fundierte Ausbildung zeichnen die, noch immer meist weiblichen, Absolventen aus. Doch diese vielfältigen Jobchancen sind in der Gesellschaft kaum bekannt.

Die Imageprobleme rühren auch daher, dass Stellen, die noch vor einigen Jahren von Hauswirtschafterinnen besetzt wurden, heute von Personen ohne oder mit einer geringen Qualifikation belegt sind. Das zeigt ein Forschungsbericht des Zentrums für Sozialforschung in Halle. Um das Image wieder aufzupolieren, braucht es vor allem Öffentlichkeitsarbeit.

Neue Bezeichnung?

Der hauswirtschaftliche Berufsstand ist stark in der Benachteiligtenausbildung engagiert. Allerdings ist der Unterschied von einerseits gering qualifizierten Fachpraktikerinnen und andererseits hoch ausgebildeten Hauswirtschafterinnen oft nicht deutlich. Vor allem jüngere Hauswirtschafterinnen fordern daher eine Umbenennung, z.B. hin zu Hauswirtschafter/in und Dienstleistungsmanager/in.

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Ausbildung und Fachgebiete

Eine Unterteilung in ländliche und städtische Hauswirtschaft gibt es seit der Neuordnung der Ausbildung im Jahr 1999 nicht mehr. Die Art der Ausbildung unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland geringfügig, dauert aber immer drei Jahre.

Auf den Internetseiten der Landwirtschaftskammern, -ämter oder -ministerien findet man die Listen der Ausbildungsbetriebe und ein Verzeichnis der Fachschulen für die Regionen. Auch Infos zu Fortbildungen und z.B. zur Meister- und Technikerausbildung sind dort vorhanden.

Die Hauswirtschaft hat ein breites Anwendungsgebiet. Großküche, Heuhotel, Hofcafé, Privathaushalt, öffentliche Einrichtungen: Nach den Lehrjahren müssen sich die Azubis weiter spezialisieren, um auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Die Mühe lohnt sich, qualifizierte Fachkräfte sind in der Hauswirtschaft rar. Vor allem Versorgungsstätten wie Altenheime und Kliniken suchen händeringend Personal.

Statistisch gesehen arbeiten die meisten Hauswirtschaftsmeisterinnen, Technikerinnen und Betriebswirtinnen auf Bauernhöfen. Dennoch findet man hier die wenigsten Azubis.

Typisch für Frauen vom Hof ist der Berufseinstieg über den zweiten Bildungsweg. Verkürzt kann man die Prüfung zur Hauswirtschafterin nach achtzehn Monaten ablegen.

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Ideenschmiede für die Zukunft

Immer wenn es um das Versorgen von Menschen geht, sind Hauswirtschafterinnen die Experten. Haushalte und Versorgungseinrichtungen wie Krankenhäuser oder Altenheime sind daher die klassischen Arbeitgeber.
Doch Hauswirtschaft kann mehr! Viele Bäuerinnen nutzen ihre Kompetenzen, um eigene Ideen zu realisieren. So managen sie z.B. einen Hofkindergarten, geben Koch- und Backkurse, versorgen Menschen mit Handicap oder eröffnen einen Dorfladen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und die Ausbildung bietet viel Fachwissen, von der Budgetplanung über die Umsetzung bis zur Buchhaltung.
Infos zur Ausbildung z.B. hier:

In der aktuellen top agrar 8/2018 lesen Sie weitere Praxisberichte von Hauswirtschaftlerinnen...

Artikel geschrieben von

Aus dem top agrar-Magazin

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