Fazit der Drosselprogramme Premium

Um der extrem gestiegenen Milch-Anlieferung Herr zu werden, haben drei österreichische Molkereien Systeme zur Begrenzung der Milchmengen eingeführt. Haben sich die Modelle bewährt? top agrar hat nachgefragt. Auf bis zu 40 Cent/kg netto stiegen die Erzeugermilchpreise in Österreich bis Ende 2017.

Drei österreichische Molkereien haben Drosselprogramme eingeführt, um die Milchanlieferung zu begrenzen (Bildquelle: www.ennstalmilch.at)

Um der extrem gestiegenen Milch-Anlieferung Herr zu werden, haben drei österreichische Molkereien Systeme zur Begrenzung der Milchmengen eingeführt. Haben sich die Modelle bewährt? top agrar hat nachgefragt. Auf bis zu 40 Cent/kg netto stiegen die Erzeugermilchpreise in Österreich bis Ende 2017. Wie nicht anders zu erwarten, kletterten damit auch die Anlieferungsmengen – und zwar rapide. 13% über Vorjahr „Bei uns lag die Milchmenge im Januar 2018 um 13% über dem Vorjahreswert“, erinnert sich Leopold Gruber-Doberer, Geschäftsführer der Milchliefergenossenschaft Niederösterreich (MGN). Die 3000 Mitglieder liefern rund 435 Mio. kg an die NÖM AG in Baden bei Wien. An dieser ist die MGN zu 25% beteiligt, die übrigen 75% hält die Raiffeisen Holding NÖ Wien. Ähnlich wie bei der MGN schnellten Ende 2017/Anfang 2018 auch bei anderen österreichischen Unternehmen die Milchmengen in die Höhe. Deshalb entschlossen sich neben der MGN auch die Berglandmilch, das mit etwa 1,3 Mrd. kg Verarbeitungsmenge größte Unternehmen Österreichs, und die steirische Ennstal Milch (ca. 85 Mio. kg) im Frühjahr dazu, unterschiedliche Systeme zur Mengenbegrenzung einzuführen. Insgesamt betrifft dies 60% der in Österreich angelieferten Milch. top agrar hat nachgefragt, ob und was die Systeme bewirkt haben. Verursacherprinzip bei der MGN „Als Liefergenossenschaft haben wir eine feste Kontraktmenge mit der NÖM“, erklärt Leopold Gruber-Doberer von der MGN. „Für alle darüber hinaus gelieferten Milchmengen muss unsere Genossenschaft das Verwertungsrisiko tragen.“ Deshalb entschloss man sich aufgrund der aus dem Ruder laufenden Überlieferungen, zum 1. Februar ein System zur Milchmengenbegrenzung einzuführen. „Dabei war für uns klar, dass dieses nach dem Verursacherprinzip funktionieren musste“, so Gruber-Doberer weiter. „Es sollen die Lieferanten spüren, die für die Überlieferung verantwortlich sind. Denn viele fahren seit dem Quotenende ‚Feuer frei‘. Aber es kann nicht sein, dass alle anderen dafür zahlen sollen. Unser System soll auch für Verständnis sorgen, dass es für die produzierten Mengen auch einen Markt braucht.“ Spotmilchpreis für Übermilch Basis für das Begrenzungssystem der MGN ist die Anlieferungsmenge des Vorjahresmonats oder die errechnete Monatsmenge, die sich aus der Anzahl der gezeichneten Geschäftsanteile errechnet. Die jeweils für den Landwirt höhere Menge bildet die Ausgangsbasis für die Bezahlung. Gruber-Doberer ergänzt: „Wir berücksichtigen die Geschäftsanteile, damit die Betriebe, die beim letztjährigen freiwilligen Lieferverzicht mitgemacht haben, jetzt nicht benachteiligt werden. “Für die Basismenge wird der mit der NÖM vereinbarte Preis bezahlt. Für die darüber hinaus gehende Menge gilt der Versandmilchpreis des jeweiligen Monats. Basis für diesen Preis ist der Versandmilchpreis des ife-Instituts in Kiel. Das Modell erzielte ...

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Diskussionen zum Artikel

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von Matthias Zahn

Milchexperten!?!?

Es geht schon los mit der Definition von "Milch- oder Marktexperte". Wen soll man Fragen? Denjenigen der die Lage aus der Sicht der Molkereien, der Verbraucher, der Politik oder aus der Sicht der Milchbauern beschreibt. Jeder kommt zu einer anderen Aussage! Die Lösung aber liegt ganz woanders! Liebe Milchbauern "IHR" müsst für euch selbst entscheiden wohin ihr wollt! Ob ihr höhere Milchpreise wollt oder nicht und was "IHR" dafür bereit seid zu tun! EIGENVERANTWORTLICHES Handeln ist die Lösung! Und dazu gibt es keine Experten ausser euch selbst! Also schaut in den Spiegel, seid selbstkritisch und ehrlich zu euch selbst. Das ist die beste Expertenmeinung die ihr kriegen könnt!

von Matthias Zahn

Richtig Herr Schmidbauer

Es gibt immer noch viele die nicht verstehen wollen, wie positiv der Milchmarkt auf Mengenentlastungen reagiert.

von Karl-Heinz Mohrmann

Das hat schon seine Gründe das top Agrar diese Beispiele aus Österreich immer und immer wieder veröffentlichtlichen muss... Es wird irgendwas kommen in Deutschland

von Jörg Meyer

@Ottmar Ilchmann

das ist schon bemerkenswert, das ein ABL-Frontmann Angst vor: Zitat:"ideologischen Fixiertheit" hat. Mir würde ja einfach ein Interview mit zwei Milchexperten reichen, muss man ja nicht gleich ne Studie raus machen die viel Geld kostet!

von Ottmar Ilchmann

@Jörg Meyer

Vielleicht sind die Milchmärkte doch regionaler, als man uns glauben machen will? Sehr viele Milchprodukte sind Frischeprodukte, die nicht so einfach von woanders importiert werden können. In Österreich kommt sicher noch eine gute Verankerung regionaler Marken hinzu, wo die Kunden eben nicht auf den letzten Cent kucken. Milchmarktexperten werden allein aufgrund ihrer ideologischen Fixiertheit auf liberalisierte und globalisierte Märkte die Wirksamkeit von Mengenreduzierungen eher kleinreden. Also lieber kein Geld für teure Studien ausgeben, sondern in diesem Fall dem Urteil der Molkereivertreter vertrauen!

von Jörg Meyer

Hm?

ist der Östereichische Milchmarkt eigentlich in irgendeiner Form abgekoppelt vom Rest des Weltmilchmarktes? Welche Produkte stellen die Mokereien her? Verkaufen sie Produkte auf dem Weltmarkt? Wenn der Milchpresi dort höher ist als im Rest der EU, warum versuchen dann Molkereien aus anderen Ländern nicht dorthin zu liefern? Die Erklärungen der Molkereivertreter sind mir zu wenig! Ein oder am besten mehrere Experten für den Milchmarkt sollten diese Aussagen vor allem unter langfristigen Gesichtspunkten bewerten!

von Willy Toft

Die Maßnahmen der Österreicher ziehen, und belasten nur eine "Teilmenge"!

So war es praktisch bei der Quote, jeder lebte damit, und kam irgendwie zurecht. Auf der anderen Seite muss dann aber auch ein Auskömmlicher Milchpreis stehen! Sonst hat es wieder keinen Bestand.

von Paul Lieb

Bezug zum Markt

Wenn es mit solchen Programmen gelingt, das die Milcherzeuger verstehen und aktzeptieren, das auch Milch einen kaufkräftigen Markt braucht, dann ist schon viel gewonnen. Leider herrscht bei vielen, Landwirte und Molkereien, wie in unserer Gesellschaft üblich, die Meinung: Wenn man den Wettbewerber über den Preis aus dem Markt drängt, hat man selber mehr Marktanteile und alles ist gut. Aber wer zahlt letztendlich den Preis????

von Thomas Janßen

Die meisten wissen es, die wenigsten wollen es....

von Ottmar Ilchmann

Mengenreduzierung wirkt!

Warum nicht in Deutschland?

von Erwin Schmidbauer

Unsicherheit

Leider kann man nicht so einfach feststellen, wie es gewesen wäre, wenn es die Programme nicht gegeben hätte. Und wie sich in beiden Fällen der Gewinn des Landwirts entwickelt hätte.

von Gerd Uken

Die Verursacher zur Kasse zu

Bitten das sei gelungen..... Erzeugern das Bewusstsein zu wecken Marktkonform zu produzieren -sind die Österreicher so viel schlauer als wir?

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