Wir haben nachgerechnet

Steuerspar-Tipp: Flächen tauschen – das neue Kaufen?

Warum nicht Flächen tauschen, anstatt kaufen? Das dachten sich mehrere Landwirte aus Schleswig-Holstein und haben so ganz nebenbei Steuern gespart.

Irgendwann war Reimer Köhn aus Rieseby es leid: 1,5 Stunden Fahrtzeit für die Hinfahrt, 1,5 Stunden für die Rückfahrt – und das nur, um eine seiner Flächen zu erreichen. Das zerrte an seinen Nerven, kostete den Milchviehhalter unnötig viel Geld und Zeit. Die meisten seiner 245 ha liegen zwar in unmittelbarer Nähe seines Hofes. Es gab aber einen Ausreißer und der befand sich auf der anderen Uferseite der Schlei, einem Nebenarm der Ostsee.

Vor dem Tausch

Nach dem Tausch

„Eigentlich würde die Strecke nur rund eine halbe Stunde Fahrtzeit verschlingen – wenn die Deutsche Bahn nicht die einzige Brücke einmal pro Stunde minutenlang für den Bahnverkehr sperren würde“, so Köhn. Und mit schweren Maschinen durfte er die Verbindung ohnehin nicht passieren: Dafür war diese zu schmal und die Höchstlast lag bei 5 t. Ihm blieb daher fast immer nur ein Umweg, der fraß allerdings eine Stunde mehr Zeit.

Mit seinem Problem war Köhn nicht allein. Hans Marxen wohnt nördlich der Schlei, nur ein paar Kilometer von Köhn entfernt. Auch er musste für eine Fläche die Schlei überqueren bzw. umfahren – nur in die entgegengesetzte Richtung.

Hans Willi Brix bewirtschaftet ebenfalls einen Betrieb in der Region. Seinen Hof und die dazugehörigen Flächen werden zwar nicht von der Schlei durchschnitten. Im Gegenteil. Seine Schläge liegen fast alle um seinen Hof herum. Es gab aber ein paar „Schönheitsfehler“, wie er es nennt: Seine arrondierten Parzellen wurden von einer Fläche durchschnitten, die Köhn gehörte. Außerdem gab es drei Schläge, die etwas weiter von seinem Hof entfernt lagen.

Tausch ist nicht gleich Tausch

Drei Landwirte, drei ähnliche Probleme – und eine Lösung: Das Trio tauschte freiwillig Flächen untereinander. Seitdem müssen Köhn und Marxen nicht mehr die Schlei überqueren und Brix Flächenblock wird nicht mehr durchschnitten. „Und das Beste: Wir mussten kaum Gebühren und Steuern zahlen“, freut sich Marxen. Denn normalerweise werden auch bei einem Tausch stille Reserven aufgedeckt, für die Einkommensteuer fällig wird.

Das Trio hat sich aber nicht für einen herkömmlichen Tausch entschieden, sondern für den freiwilligen Landtausch nach den Vorgaben des Flurbereinigungsgesetzes. Denn nur für diesen werden keine Steuern fällig. Dazu mussten sich die Drei aber auch an die Regeln des Gesetzes halten, von denen zwei besonders wichtig sind:

  1. Der Tausch muss bei der jeweils zuständigen Flurbereinigungs- oder Flurneuordnungsbehörde der Länder angemeldet werden und

  2. die Tauschpartner müssen einen sogenannten Helfer beauftragen.

Die Tauschhelfer stellen in den meisten...


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